Faszinierende Ausflüge in die Jurazeit und in die örtliche Bergbaugeschichte
Autor: Bernd Kleinert
Altenkunstadt, Freitag, 30. Sept. 2016
Spannend und informativ gestaltete sich eine Exkursion zur Eisensteinzeche Concordia mit dem Diplom-Geologen Friedrich Leitz aus Redwitz.
Spannend und informativ gestaltete sich eine Exkursion zur Eisensteinzeche Concordia mit dem Diplom-Geologen Friedrich Leitz aus Redwitz. Mit dieser Gemeinschaftsveranstaltung von Colloquium Historicum Wirsbergense und der Umweltstation Weismain eröffnete die CHW-Bezirksgruppe Burgkunstadt/Altenkunstadt ihr Jahresprogramm 2016/17.
Viele junge Teilnehmer
Die Resonanz war trotz "Konkurrenzveranstaltungen" in der Umgebung überwältigend. "Das spricht für das CHW", meinte Vorsitzende Jutta Löbling, die den 1924 in Wirsberg gegründeten Verein vorstellte. Mittlerweile habe das Colloquium 1750 Mitglieder in 18 Bezirksgruppen. Unter den etwa 80 Teilnehmern waren viele junge Leute, ja sogar Kinder. Anhand eines "geologischen Schnitts" erläuterte Leitz den Aufbau des Berges. Die Braunjura-Eisensandstein-Schicht in mittlerer Hanghöhe weise einen knapp einen Meter hohen Eisenerzflöz auf.
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Zur Veranschaulichung hatte Leitz unterschiedlich große Eisensteinbrocken mitgebracht. Sie sind relativ schwer und haben einen leicht silbernen Glanz. Beim Bau der Basilika Vierzehnheiligen und von Kloster Banz wurde seinen Worten zufolge hauptsächlich der mürbe, relativ weiche Eisensandstein verwendet. Auf dem Weg zur Zeche Concordia, einer von ursprünglich zahlreichen Gruben am Nordhang des Kordigastes, machten die Teilnehmer mehrfach Halt für interessante Erläuterungen des Geologen. So hätten früher die Eisensandstein-Quellen für viele Dörfer des Landkreises als Trinkwasserlieferant eine wichtige Rolle gespielt. "Mittlerweile haben aber die Kommunen diese kleinen Versorgungen aufgegeben", erklärte Leitz. In Trockenzeiten, wenn der Verbrauch am höchsten war, habe das Wasser der Quellen nicht ausgereicht. "Bei starkem Regen wiederum beeinträchtigten Oberflächenverunreinigungen die Qualität des Quellwassers, worauf das Gesundheitsamt stets mit Abkochverordnungen reagierte."
Der Geologe "entführte" die Teilnehmer in die Jurazeit: "Vor 200 Millionen Jahren rückte das Jura-Meer nach Südosten vor und der Meeresboden senkte sich ab." Die Landschaft, wie man sie heute kenne, habe sich vor etwa fünf Millionen Jahren herausgebildet, sei also relativ jung. Die Teilnehmer schauten gebannt in ein durch einen Stolleneinbruch entstandenes Versturzloch, über dem sich das Wurzelgeflecht einer Fichte ausbreitet. Um zum Eisenerzflöz zu gelangen, sei seitlich ein Stollen gegraben worden. Schächte, die von oben in die Tiefe führen, habe es am Kordigast nicht gegeben. Der Stollen, in dem auch Wagen fahren konnten, sei etwa zwei Meter hoch gewesen, der Flöz hingegen nur einen halben bis dreiviertel Meter. 1718 wurde erstmals von Eisenerzvorkommen am Kordigast berichtet.
Eine Verwertung des quarzreichen Erzes sei aber erst mit der neuen Hochofen-Verhüttungstechnik im 19. Jahrhundert wirtschaftlich sinnvoll geworden. Dem Referenten zufolge hat es zwischen 1850 und 1860 einen ersten "wirtschaftlichen Boom" gegeben. 1938 sei die Grube Concordia geschlossen worden. bkl