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Fachkräfte von morgen gesucht


Autor: Maximilian Glas

Lichtenfels, Donnerstag, 04. August 2016

Handwerksbetriebe im Kreis Lichtenfels zeigen sich laut einer Konjunkturumfrage insgesamt zufrieden mit ihrer Geschäftslage.
Der Ausbildungsberuf des Feinwerkmechanikers ist im Landkreis Lichtenfels am beliebtesten. Foto: Hendrik Steffens/Archiv


Mit dem Adler auf der Brust sein Land auf der ganzen Welt vertreten: ein Traum, den Millionen Jugendliche in Deutschland hegen. An eine Karriere in der Bäcker-Nationalmannschaft denken dabei aber wohl die wenigsten. Seit 2008 gibt es in Deutschland eine solche Mannschaft, bestehend aus rund 15 prämierten Bäckermeistern, die ihr Land bei internationalen Backwettbewerben vertreten. Obwohl in europäischen Gefilden nicht gerade für ihr Brot berühmt, haben auch die Vereinigten Staaten eine Bäcker-Nationalmannschaft.
Durch Zufall hat der Lichtenfelser Bäckermeister und Kreishandwerksmeister Mathias Söllner kürzlich mitbekommen, dass der "Bäcker-Nationaltrainer" der USA ein alter Bekannter aus seiner Marine-Zeit in den 1970er-Jahren ist. Ein langes Gespräch mit seinem ehemaligen Weggefährten machte Söllner auch für das heimische Bäckerhandwerk Mut. 1#googleAds#100x100 "In Amerika wachsen wieder viele Kleinbetriebe, die auf gute Qualität setzen. Das ist ein richtiger Trend", sagt er.
Eine Entwicklung, die sich Söllner für die nächsten Jahre auch hierzulande wünscht. Aber schon heute kann er bei seinem eigenen Betrieb, aber auch bei anderen Bäckereien im Kreis Lichtenfels feststellen, dass die Talsohle der Branche überwunden ist. "Es findet ein Umdenken statt. Die Verbraucher haben die Geiz-ist-Geil-Mentalität abgelegt", sagt er. Ein neues Gefühl der Euphorie, das bei potenziellen Auszubildenden noch nicht gänzlich angekommen ist.


Gymnasiasten stärker im Fokus

Während es bei den Bäckereifachverkäuferinnen keine Probleme gebe, offene Stellen zu besetzen, sei die Suche nach Bäckern im Landkreis schon schwieriger, erklärt Söllner. Das Bäckerhandwerk (aktuell zehn Azubis im Kreis Lichtenfels) ist nur eines von vielen in Oberfranken, das mehr Nachwuchs benötigt.
Aktuell sind nach Angaben der Online-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken im Regierungsbezirk 550 Lehrstellen unbesetzt - 42 davon im Landkreis Lichtenfels. "Hatten wir vor einigen Jahren noch mehr Bewerber als Lehrstellen, hat sich das mittlerweile gedreht", erklärt HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller. Begründet sieht er das vor allem durch die demografische Entwicklung. Den jungen Menschen das Handwerk schmackhaft zu machen und so Fachkräfte der Zukunft zu generieren, ist eine der Hauptaufgaben der Handwerkskammer. Dabei habe man sämtliche Zielgruppen im Fokus - vom Mittelschüler bis zum Gymnasiasten. Ein Zehntel der Auszubildenden habe mittlerweile Abitur, so Thomas Koller. Einen großen Vorteil sieht der Hauptgeschäftsführer beim Handwerk vor allem in der Arbeitsplatzsicherheit, die heute bei einem Meister laut Statistiken bereits höher als bei einem Hochschulabsolventen sei. Wirtschaftlich gesehen gibt es laut Koller derzeit keinen Grund zur Sorge in Oberfranken. "Wir haben seit fünf Jahren eine gute konjunkturelle Lage, das war ja nicht immer so", erklärt er.
Gestützt werden die Worte des 54-Jährigen durch die Konjunkturumfrage der HWK für das zweite Quartal 2016. So bewerten knapp 55 Prozent der Handwerksbetriebe der Landkreise Lichtenfels, Kronach und Coburg ihre aktuelle Geschäftslage als gut (8,5 Prozent als schlecht). Außerdem stellten 44 Prozent der Befragten in den drei Landkreisen eine gestiegene Umsatzentwicklung ihrer Betriebe fest - lediglich knapp zehn Prozent der Betriebe klagen über einen Umsatzrückgang.


Zwei prägende Gewerke

Für Mathias Söllner zeichnen den Landkreis Lichtenfels zwei Gewerke ganz besonders aus: "Einmal der Werkzeugbau mit der Firma Hofmann aus Schney als Leuchtturm und das Korbmacherhandwerk, quasi das Gesicht des Landkreises." Auch vor traditionellen Handwerksberufen mache dabei der technische Fortschritt nicht Halt. "Die Digitalisierung des Handwerks taucht in jedem Gewerk auf, nur in unterschiedlichsten Formen", erklärt Thomas Koller. Eine wichtige Anlaufstation für Betriebe soll dabei das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk in Bayreuth werden. Dort werden in Zusammenarbeit mit den Hochschulen in Oberfranken verschiedene Workshops für Betriebe angeboten, um technisch nicht den Anschluss zu verpassen.
Dass Handwerksbetriebe generationenübergreifend überhaupt erhalten bleiben, ist heute alles andere als selbstverständlich. Unternehmensnachfolgen in der Familie werden immer seltener - geeignete Nachfolger sind oft nicht in Sicht. "Unternehmen, die wirtschaftlich tragfähig sind, sollten unbedingt fortgeführt werden", erklärt Koller. Voraussetzung: eine gewisse Weitsicht. Bereits mit Anfang 50 sollte man sich Gedanken um die Unternehmensnachfolge machen. Denn von der Planung bis zur Umsetzung einer Unternehmensübergabe außerhalb der Familie ziehen im Durchschnitt sieben bis zehn Jahre ins Land. "Man verkauft schließlich kein gebrauchtes Auto", fügt Söllner an.




Das Handwerk im Kreis Lichtenfels

Betriebe Im Landkreis Lichtenfels gibt 1027 Handwerksbetriebe mit 5300 Beschäftigten. Die Betriebe erwirtschaften insgesamt jährlich einen Netto-Umsatz von rund 510 Millionen Euro. Friseure liegen dabei zahlenmäßig mit 91 Betrieben an der Spitze. Es folgen: Kraftfahrzeugtechniker (88 Betriebe), Elektrotechniker (61), Schreiner (60) und Kosmetiker (53). (Stand der Daten: 31.12.2015)

Auszubildende 380 Lehrlinge werden aktuell in den 1027 Handwerksbetrieben ausgebildet. Bis zum 31. Juni wurden 88 neue Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen. Laut der Online-Lehrstellenbörse der HWK sind im Landkreis Lichtenfels noch 42 Lehrstellen nicht besetzt. Der Ausbildungsberuf Feinwerkmechaniker ist derzeit mit 61 Lehrlingen im Landkreis Lichtenfels am beliebtesten. Es folgen: Kraftfahrzeugmechatroniker (51 Azubis), Elektroniker in Energie- und Gebäudetechnik (23) sowie Hochbaufacharbeiter (22).
HWK für Oberfranken