Moritz hat Freude am Leben. Der Dreijährige lacht viel beim Spielen mit den anderen Kindern. Er sägt und hämmert, und er brät Bratwürste. Nein, keine echten Würste, sondern kleine Ästchen, die er in einer als Küche eingerichteten Spielecke des Waldkindergartens zubereitet.

Moritz hat Trisomie 21. Diese Erbkrankheit ist auch als Down-Syndrom bekannt. Das ist eine genetisch bedingte, unveränderbare Veranlagung. Moritz' Eltern, Andrea und Sebastian Huth, sind bewusst den inklusiven Weg gegangen. Sie wollten, dass ihr Sohn in der Mitte der Gesellschaft aufwächst und dort seinen Platz findet.

Aufwachsen in der Natur

Der Waldkindergarten ist genau das Richtige, sagt Sebastian Huth, der sich als Förster um die Wälder der Herzoglichen Forstverwaltung Banz kümmert. Moritz sei zunächst in der Krippe des BRK-Kindergartens in Unnersdorf gewesen. "Wir hatten den Wunsch, dass er anschließend in den Waldkindergarten geht", fährt er fort. Sebastian Huth weiß, wovon er spricht, denn er hat den Waldkindergarten im Banzer Wald 2012 sozusagen mit aufgebaut. Die Herzogliche Forstverwaltung unterstützt diese Einrichtung materiell und ideell nach Kräften.

Hoher Personalaufwand

Dass Moritz in den Waldkindergarten gehen kann, ist nicht selbstverständlich. Der BRK-Kindergarten besitzt keine eigene Inklusionsgruppe. Eine solche besteht zum Beispiel im Schönbrunner Kindergarten. Bis zu drei Kinder mit Behinderung könnten dennoch untergebracht werden, sagt Kindergartenleiterin Andrea Drexel. Im Waldkindergarten, fährt sie fort, werden fünf pädagogische Kräfte eingesetzt - eine davon, Sabine Endres, ist vor allem für Moritz da.

Vorbereitung aufs Leben

Im Waldkindergarten lernen die Mädchen und Jungen spielerisch all das, was auch in den anderen Gruppen in Unnersdorf behandelt wird: Spracherziehung ist ein Thema, soziale Kompetenzen im Umgang mit anderen wird groß geschrieben und die Vorschulkinder gehen hier in die "Waldschule". Besonders erfreulich: "Alle Kinder spielen mit Moritz", sagt Andrea Drexel. Der Aspekt, dass die anderen 21 Mädchen und Jungen der Gruppe das Inklusionskind Moritz als ganz normal betrachten, ist Andrea Drexel und ihrem Team sehr wichtig. An diesem Tag beherzigt der fünfjährige Anton den Grundsatz des Miteinanders vorbildlich, denn er kümmert sich zuvorkommend um Moritz und hilft dem Dreijährigen, wo immer er kann.

Sebastian Huth, der als Förster Waldführungen für Kinder anbietet, ergänzt: "Die Kinder erfahren hier viel über Pflanzen und Tiere. Sie lernen das unterschiedliche Vogelgezwitscher kennen und können Baumarten benennen - das hält auch im späteren Leben an." Viele der Kinder, die zu seinen Waldführungen kommen, sagt er, hätten von Fauna und Flora kaum Kenntnisse: "Das geht gegen Null."

Kinder sind unvoreingenommen

Und wie ergeht es Moritz in der Waldgruppe? "Die Kinder sind völlig unvoreingenommen, sie gehen unbefangen auf ihn zu", sagt Gruppenleiterin Petra Krannich. Sebastian Huth erklärt: "Seine Spontansprache entwickelt sich deutlich später als bei anderen Kindern", denn die Trisomie zeigt sich unter anderem in einer Muskelschwäche, von der auch die Zunge betroffen sei. In der Waldgruppe entwickle Moritz sich sehr gut, sagt der Vater.

"Er ist bei uns mit eingebunden, ohne dass wir etwas speziell Anderes mit ihm machen", fügt Petra Krannich hinzu. Moritz singt gern und hört gern Lieder, fährt sie fort - so wie jedes Kind. "Moritz soll all das tun, was alle anderen Kinder auch tun", umschreibt sie den Erziehungsansatz. "Das Kind gibt uns unwahrscheinlich viel zurück", lobt sie Moritz' Motivation. Die Begleiterin des Jungen, Sabine Endres, nimmt dem Dreijährigen bewusst wenig ab. Sie fordert ihn heraus, obwohl sich Moritz wegen seiner Muskelschwäche beim Laufen auf dem unebenen Waldboden besonders anstrengen muss. Schuld daran sind diese hinterhältigen "Stolperzwerge", die Banzer Waldgeister, die für tückisches Wurzelwerk und herumliegende Zweige verantwortlich sind.

Apropos Zweige und Äste: Das Bayerische Rote Kreuz, das Träger des Unnersdorfer Kindergartens mit seiner Waldgruppe ist, lässt sich diese Form des naturnahen Lernens viel Geld kosten: Eine Spezialfirma wird regelmäßig damit beauftragt, mit einer Hebebühne das Totholz aus den Bäumen zu entfernen, damit die Kinder sicher im Wald spielen können.

Bezug zu Natur und Umwelt

"Wir waren die erste Waldgruppe im Landkreis. Wir wollen damit den unmittelbaren Bezug zur Natur und Umwelt sowie zur Nachhaltigkeit schaffen", beschreibt Andrea Drexel den Ansatz. "Hier im Waldkindergarten", ergänzt Petra Krannich, "kommen wir mit wenig Wasser und ohne Strom aus, wir fahren alles aufs Elementare herunter."

Für Moritz ist die Waldgruppe genau richtig. Sebastian Huth ist begeistert von diesem naturnahen Lernen. "Aus Elternsicht: er saugt wie ein Schwamm." Der Dreijährige ist wissbegierig, und er kann hier seine Kräfte erproben und die Koordination seiner Hände und Füße austesten: "Der unebene Boden ist für ihn eine Dauertherapie."

Der Waldkindergarten

Seit 2012 verfügt das BRK-Haus des Kindes "Banzgau" über eine feste Waldgruppe deren Domizil der Banzer Wald ist. Die Kinder verbringen mit dem pädagogischen Personal den Tag in der freien Natur, im Wald oder auf den Wiesen. Im bespielten Waldstück steht mit einem speziell konzipierten Waldwagen auch ein Unterschlupf bereit, der mit Spielmaterialien, Sitzgelegenheiten und einem Ofen ausgestattet ist. Die Nachfrage nach der Waldgruppe ist laut Kindergartenleiterin Andrea Drexel sehr groß. Sie rät deshalb, ein Kind, das in diese Gruppe gehen soll, frühzeitig anzumelden: "Möglichst schon bei der Geburt."