Deutschland-Italien: Geweint wird in Bad Staffelstein sowieso
Autor: Maximilian Glas
Bad Staffelstein, Freitag, 01. Juli 2016
Wenn selbst bei Fußballmuffeln das EM-Fieber steigt, muss ein ganz besonderes Spiel anstehen. Pizzeria-Betreiber aus Bad Staffelstein über ihre Erwartungen.
Eigentlich gehört ihr Ehemann zu der Sorte Männer, die mit Fußball nicht viel anfangen können. So jedenfalls die Aussage der gebürtigen Italienerin Cristina Düber bei einem Gespräch mit unserer Zeitung. Nur wenige Minuten nach dem Treffen hat sie ein Bild auf ihrem Handy, das sie fast ein bisschen sprachlos macht. Ein überdimensionierter EM-Schriftzug in ihrem Rasen in Bad Staffelstein - gekonnt gemäht von ihrem Ehemann Sven. "Mein Mann ist nicht fußballbegeistert, das wundert mich jetzt schon", sagt sie. "Aber beim Rasen experimentiert er halt gerne mal."
Deutschland gegen Italien, ein ewiger Fußball-Klassiker, der heute Abend wirklich fast jeden elektrisiert. "Bei EM und WM bin ich schon mit viel Euphorie dabei", sagt Cristina Düber. Insofern es die Arbeit in ihrer Pizzeria Dal Trullo zulässt, fiebert die Italienerin bei jedem Spiel ihres Heimatlands mit. Natürlich auch heute.
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"Wir haben zwar normal offen, aber kurz vor Spielbeginn tut sich gar nichts mehr", spricht die Italienerin, die seit 24 Jahren in Deutschland lebt, aus Erfahrung der letzten deutschen EM-Spiele. Die deutschen und italienischen Mitarbeiter verfolgen das Spiel dann gemeinsam auf einem kleinen Fernseher in einem Küchen-Nebenraum. Bereits seit Tagen wirft das Spiel auch in ihrem Restaurant seinen Schatten voraus. "Am Samstag müsst ihr ja alle weinen", hörte die Italienerin in den vergangenen Tagen vermehrt von ihren deutschen Gästen. Pfiffig hat Düber entgegnet: "Natürlich werden wir weinen. Entweder vor Trauer oder vor Freude."
Nur kein Elfmeterschießen
Von der bisherigen Turnierleistung der Azzurri ist sie angenehm überrascht. "Es ist einfach eine Mannschaft, man hört alle elf Namen, alle sind aktiv", sagt sie. "Trainer Antonio Conte hat das Team sehr gut zusammengestellt.
Schade, dass er nach der EM geht." Dass die DFB-Elf aufgrund der katastrophalen Turnierbilanz gegen Italien (noch kein Sieg in acht WM- und EM-Spielen) stärker unter Druck steht, glaubt Düber nicht: "Die Italiener wollen diese Serie auch fortführen und stehen deshalb auch unter Stress." Und wie geht das Spiel nun aus? Die Italienerin muss lange in sich gehen. "Ich sage 2:1 für Italien nach Verlängerung", orakelt sie und fügt an: "Hauptsache kein Elfmeterschießen, da haben wir meistens Pech und die Nerven spielen nicht mit." Einige Hundert Meter Luftlinie weiter werden in Bad Staffelstein auch in der Pizzeria "bei Manu" die Daumen für die italienische Mannschaft gedrückt. "Natürlich will man, dass sein eigenes Land gewinnt", sagt Inhaber Emanuele Gatani.
"Aber traurig wäre ich bei einer Niederlage auch nicht, um Gottes willen." Man bekommt fast den Eindruck, als würde der Italiener der deutschen Mannschaft den Sieg gönnen. "Naja, irgendwann müssen die Deutschen ja mal gegen Italien gewinnen", sagt Gatani. Auch ihm fällt es schwer, sich auf einen Tipp festzulegen. "Unentschieden gibt es ja leider nicht", lacht der Gastronom. Gerecht geht es auch in der Küche zu. Dort arbeiten neben Italienern auch ein deutscher und spanischer Koch. "Paar Witzeleien sind dabei, besonders beim Achtelfinale Spanien gegen Italien, aber das ist doch total normal", so Gatani. Normal sei für seine Mitarbeiter auch mal, die Trikots zu tauschen. So ziehe sich der deutsche Koch während der EM schon mal das italienische Trikot über. Gatani: "Alles ganz entspannt bei uns." Entspannt bleibt es heute hoffentlich auch nach dem Spiel beim echten Trikottausch. Wer dann weint oder lacht? "Lassen wir uns einfach überraschen", bringt es Gatani auf den Punkt.