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Stolperfallen in Bad Staffelstein: Der Gefahrenstreifen für Blinde


Autor: Sarah Zubel

Bad Staffelstein, Donnerstag, 07. April 2016

Eine Vertreterin des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes begab sich für uns auf die Suche nach Stolperfallen in der Innenstadt.
Bad Staffelstein wimmelt nur so vor Stolperfallen und Gefahren. Da nützt auch der beste Blindenhund wenig.  Fotos: Sarah Zubel


"Elisabeth, bleib stehen!" Gerade noch rechtzeitig bleibt Elisabeth Seemüller, Verwaltungsangestellte vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund, stehen. Wenige Zentimeter vor ihrem Gesicht hängt ein Schild, das in Augenhöhe an einem Laternenmast befestigt wurde. "Für so etwas habe ich kein Verständnis. Hier wird es kriminell", schimpft die Bambergerin.

Als blinder Mensch ist sie eigentlich Hindernisse und Gefahren gewöhnt - deshalb suchte sie bei einer Begehung nach möglichen Stolperfallen in der Innenstadt Bad Staffelsteins.


Viele Hindernisse und Gefahren

Abgesenkte Bordsteinkanten, fehlende Bodenindikatoren, wenig Kontraststreifen und zu tief hängende Schilder sind Probleme, mit denen sehbehinderte und blinde Menschen tagtäglich im "Gottesgarten" zu kämpfen haben.
Dabei scheint es für Elisabeth Seemüller, als habe man beim Umbau der Innenstadt mehr auf die Schönheit der Straßen als auf die Sicherheit der Passanten gesetzt. "Oftmals trifft das Schönheitsempfinden der Planer auf das Nutzempfinden der Blinden", kritisiert Elisabeth Seemüller die Planung.

Besonders schlimm ist es in der Bahnhofstraße, die Joseph Braun, Rentner aus Ebensfeld, den "Todesstreifen für Blinde" nennt. In einem Parcours müssen dort nicht sehende Passanten um Mülleimer herum, an Tischen und Stühlen vorbei, um in letzter Sekunde Schildern, Bäumen, Aufstellern und Laternenmasten auszuweichen.
Walter Mackert, Senioren- und Behindertenbeauftragter der Stadt Bad Staffelstein, versteht den Einwand weniger. "Wenn ich in ein belebtes Quartier gehe, ist es klar, dass mich dort Risiken erwarten."


Gemustertes Pflaster irritiert Blinde

Auch am Bahnhof findet Elisabeth Seemüller Ungereimtheiten - beim gemusterten Pflaster in der Unterführung bleibt sie ruckartig stehen. Was für Sehende schön sein mag, irritiert Sehbehinderte stark. Denn: Die unebene Bodenfläche erinnert sie an das Noppenpflaster, das vor Gefahren wie einer Stufe warnt. Gefährlich wird es an der Bahnhofstraße/Einmündung Am Unteren Lauterdamm. Dort geht der Fußgängerweg in die Straße über - einen Bordstein sucht man hier vergeblich. Deshalb läuft Elisabeth Seemüller während dem Spaziergang auf die Straße, ohne es zu merken. "Die Kante ist so stark abgesenkt, dass ich sie nicht spüren kann", ärgert sich die Bambergerin. Dieses Problem kann Walter Mackert sehr gut nachvollziehen. "Wir nehmen diese Anregung sehr gerne auf. "

Auch die abgesenkten Bordsteinkanten im zweiten und dritten Bauabschnitt kritisieren Joseph Braun und Elisabeth Seemüller - ihnen fehlt dort die Orientierung. Diese Homburger Kanten waren von der Stadt aber gewollt. "Wir haben das bewusst für Menschen im Rollstuhl, mit Rollator und Familien, die mit Kinderwagen unterwegs sind, gemacht", sagt Walter Mackert.


Richtlinien wurden eingehalten

Außerdem habe sich die Stadt in diesen Abschnitten an die vorgegebenen Richtlinien gehalten. Sogar mit dem Behindertenbeauftragten des Landkreises Manfred Robisch wurde eng zusammengearbeitet. Zudem fand vor zwei Jahren eine Begehung statt, an der Blinde teilnahmen.

Beim ersten Bauabschnitt am Anfang der Bahnhofstraße sieht Walter Mackert genauso Verbesserungspotential wie Elisabeth Seemüller. Hier befinden sich Bürgersteig und Straße auf einer Ebene - eine Katastrophe für Blinde, die sich größtenteils an der seitlichen Bordsteinkante orientieren. Und zumindest ein Problem werde bald gelöst: Es sei geplant, die Fußgängerampeln am Rathaus blindenfreundlich zu machen.