Ein gebürtiger Altenkunstadter war für den Bayreuther Dichter Jean Paul (1763-1825) die wohl wichtigste Bezugsperson außerhalb seiner Familie. Die Rede ist von dem 1766 in Altenkunstadt zur Welt gekommenen, 1842 in Bayreuth verstorbenen Emanuel Samuel.

Mit ihm schätzte der Dichter nicht nur den Austausch über seine Arbeiten und über schöngeistige Fragen, sondern auch die lebenspraktische Hilfe, die ihm der jüdische Kaufmann angedeihen ließ. Offenkundiges Zeugnis hierfür bildete die von Emanuel organisierte Lieferung von Bayreuther Bier an Jean Pauls zeitweilige Wohnorte Meiningen und Coburg.

Emanuels Vater Samuel Enzel (1733-1814), aus dem mittelfränkischen Uehlfeld stammend, hatte die Altenkunstadterin Rösle (1736-1808) geheiratet. Mit ihr und den gemeinsamen Kindern übersiedelte er 1767 nach Bayreuth, wo erst wenige Jahre zuvor eine jüdische Gemeinde erstanden war. Samuel war, wie so viele andere fränkische Juden, Hausierer. Sein typisches Handelsgut trug ihm den Beinamen "Bänder-Schmul" ein. Er brachte es dabei zu Wohlstand. 1796 heißt es, er lebe von seinem Besitz im Ort Thiergarten nahe Bayreuth. Sein zweiter Sohn Emanuel, orthodox frommer Jude, vergrößerte das Familienvermögen. Er treibe "Wechselgeschäfte", heißt es in der Judenmatrikel, die wohl in den 1820er Jahren angelegt wurde. Er kaufte und verkaufte Grundbesitz, war aber auch in der Verwaltung von Gütern erfolgreich. Seit 1805 besaß er das Rittergut Döhlau bei Hof, und 1815 kaufte er dem verschuldeten Friedrich Wilhelm von Aufseß die Rittergüter Weiher, Neidenstein, Freienfels und Kainach in der Fränkischen Schweiz ab. 1812 versuchte Emanuel, fast 4900 Tagwerk Staatswald zu kaufen, für den er den Betrag von 166 000 Gulden bot - das entsprach dem Jahresgehalt von über 500 Dorflehrern. Er griff auch über Franken hinaus; so war er 1832 an der Zerschlagung des Klosterguts Scheyern (bei Pfaffenhofen a. d. Ilm) beteiligt. Emanuel verkörpert die Zwiespältigkeit jüdischer Existenz im Zeitalter der Staatsaufklärung. Einerseits war er akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft, insonderheit der Gelehrtenrepublik. Er konnte schon in jungen Jahren im Hause der freiherrlichen Familie von Lindenfels verkehren und wechselte Briefe mit Johann Gottfried Herder (1744-1803) in Weimar.

Der Wirtschaftselite zugehörig

Er korrespondierte häufig mit Jean Paul, seinem Nachbarn in der Bayreuther Friedrichstraße, und mit dessen Freunden. Mit der Familie des Dichters verbrachte er manchen Abend. Als reicher Mann gehörte Emanuel zur Wirtschaftselite nicht nur der Stadt, sondern des ganzen Fürstentums Bayreuth. Andererseits war er als Jude diskriminiert. 1793 wurde er von zwei Offizieren aus der Familie von Lindenfels, die seine Anwesenheit bei ihrer Schwester als ehrverletzend verstanden, derart misshandelt, dass sein Gehör dauerhaft litt; er war in der Folge zeitlebens auf ein Hörrohr angewiesen. Eine jahrelange Klage gegen die Täter blieb erfolglos. Seine Rittergüter konnte Emanuel nicht offiziell erwerben; formal gehörten sie weiterhin den Voreigentümern, er war auf dem Papier bloß deren "Special-Bevollmächtigter". Ohnehin war es aus staatlicher Sicht undenkbar, dass ein Jude die mit den Rittergütern verbundene Gerichtshoheit ausübe. Er versuchte deshalb 1819, die Erhebung in den Adelsstand zu erlangen, wie sie die Würzburger Bankiersfamilie Hirsch als Eigentümer des Ritterguts Gereuth in den Haßbergen erwirkt hatte. Doch Emanuel fand kein Gehör.

In seiner Eingabe beim bayerischen König sprach Emanuel sein damit verbundenes Ziel offen aus: Er wolle seine Rittergüter auf seinen eigenen Namen besitzen und "mit den denselben anklebenden Rechten genießen". Sich selbst charakterisierte Emanuel in diesem Schreiben so: "Das Studium der Moral und pracktischen Philosophie, der Erziehungslehre, der Kameral- und Finanzwissenschaften machte einen Theil meiner Lieblingsbeschäftigung aus, und mein Hang zur Landwirthschaft entriß mich allmählig der merkantilen Welt." In Döhlau sei er aus dieser Haltung heraus der "angetroffenen ökonomischen, topographischen und moralischen Verwilderung" erfolgreich entgegengetreten.

Als er 1820 seine Rittergüter in der Fränkischen Schweiz an den preußischen Hauptmann Carl Ferdinand von Borstel verkaufte, zahlte dieser nach einiger Zeit die vereinbarten Raten nicht mehr. Da ein Jude in Bayern kein Rittergut besitzen dürfe, so argumentierte Borstel, könne Emanuel nicht der rechtmäßige Verkäufer gewesen sein. Über Jahrzehnte versuchte Emanuel, zu seinem Geld zu kommen, doch erst seinen Erben glückte zumindest ein Vergleich.

Wie herzlich das Verhältnis zwischen Emanuel und Jean Paul war, spiegelt sich in Namen: Das bayerische Judenedikt von 1813 gebot den Juden, einen unveränderlichen Familiennamen anzunehmen. Jean Paul unterbreitete Emanuel mehrere Vorschläge. Aus ihnen wählte er im August 1814 "Osmund", was laut einer Veröffentlichung über altdeutsche Namen soviel wie "Beschützer" bedeutete. Schon 1803 hatte Jean Paul seinen Sohn nach dem Freund benannt: Maximilian Ernst Emanuel Richter.