Die Flut war in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember 1967 hereingebrochen. Extrem warme Temperaturen Mitte Dezember, ausgiebige Regenfälle und Schneeschmelze im Fichtelgebirge und im Thüringer Wald hatten innerhalb weniger Stunden schmale Bäche in reißende Ströme verwandelt. Die Flut wälzte sich von Kronach über das oberfränkische Land. Sie erreichte den Landkreis Lichtenfels am Morgen des 24. Dezember. In Schwürbitz stieg der Mainpegel von 1,50 auf 4,90 Meter. Als die Kerzen an den Christbäumen angezündet wurden, stand der Landkreis Staffelstein unter Wasser. Um 21 Uhr wurde in Kemmern im Landkreis Bamberg Katastrophenalarm gegeben.
Noch vor Mitternacht gingen Teile von Hallstadt unter, kurz darauf das Dorf Dörfleins. Zwischen den beiden Orten zerbarst der Hochwasserdamm. Fast alle Straßen im Obermaingebiet wurden unpassierbar, mehrere Brücken wurden zerschmettert. Während Feuerwehren, Polizei, Militär, Technisches Hilfswerk und sonstige Nothelfer Hunderte von Familien evakuierten und Vorräte und Inventar bargen, wurde entlang der Zonengrenze vor einer anderen Gefahr gewarnt: vom Hochwasser losgerissene Minen.
Der Bamberger Erzbischof Schneider reiste durch die nassen Gemeinden am Obermain und verteilt Geld. Der bayerische Finanzminister Pöhner versprach Geld. Abgeordnete wateten zu den Wählern durch den Schlamm und beantragen Geld beim Staat. Wohlfahrtsverbände sammelten Geld. In den vom Hochwasser besonders betroffenen oberfränkischen Landkreisen Bamberg, Coburg, Kronach, Lichtenfels und Staffelstein begann das neue Jahr mit der Anfertigung von Schadensübersichten. Die Verluste durch das Hochwasser wurden auf mehr als 50 Millionen Mark beziffert. Fernsehen und Rundfunk berichteten ständig und gaben Warnungen heraus.
Erst am 27. Dezember erschienen wegen der Feiertage die Tageszeitungen. Die Berichte umfassten mehrere Seiten. Wir haben beim Lichtenfelser Tagblatt (heute Obermain-Tagblatt), bei Fränkischen Tag (Ausgabe Kronach), der Neuen Presse (Ausgabe Coburg) und in den Protokollbüchern der Feuerwehren nachgeblättert.
Feuerwehr Marktzeuln: Hochwassereinsatz am Damm in der Quellengasse und an der Turnhalle am Heiligen Abend und 1. Feiertag. Einsatz 29 Stunden ohne Unterbrechung. Feuerwehr Michelau: Bei der am Heiligen Abend beginnenden, letzten großen Hochwasserkatastrophe stand die Wehr wieder einmal den Fluten des Maines gegenüber. Die 72 Einsatzstunden des Weihnachtsfestes werden vielen unvergessen bleiben. Lichtenfelser Tagblatt: "Solange Lichtenfels noch nicht den Hochwasserdamm besitzt, musste man mit der Unheimlichkeit der Wasserüberflutung durch den Main rechnen. Bislang war man guter Zuversicht und glaubte, von einer derartigen Katastrophe verschont zu bleiben. So erlebte die Stadt einen Heiligen Abend 1967 von schauriger Unaufhaltsamkeit. Das Hochwasser kam mit Macht und Ausdehnung stärker als in früheren Jahren und drang in über 120 Häuser ein." Am 1. Feiertag war der Höchststand des Hochwassers mit einem Pegelstand von 5,25 Metern an der Mainbrücke erreicht. Die Eisenbahnunterführung mit einer lichten Höhe von 3,55 Metern war bis zum Rand überflutet. Der Übergang nach Lichtenfels-Nord war nur beim Schrankenübergang möglich. Die Polizei regelte den Verkehr und ließ nur Anwohner des nördlichen Stadtteils den Übergang benutzen. Mittels Bohlen war ein Notsteg errichtet worden. Auf schwankenden Brettern wurde vom Bahngelände aus der wasserlose Teil der Coburger Straße erreicht. Zum Einsatz kamen neben den Männern der Stadt, die Feuerwehr, auch mit auswärtigen Fahrzeugen und Pumpeinrichtungen, das Rote Kreuz, die Wasserwacht und das Technische Hilfswerk. Bürgermeister Dr. Hauptmann, Ingenieur Sabisch und Landrat Walther waren nachts und am Tage unterwegs, um Hilfsmaßnahmen zu fördern.
Die Wasserwacht in Michelau verhalf einem Trauerzug mittels Motorboot zum Beerdigungsort zu gelangen. Das Tagblatt forderte, einen Hochwasserdamm und eine Flutmulde so anzulegen, dass ein Hochwasser wie an den letzten Tagen gefangen werden kann. Das Ausmaß der Überflutung unterstrichen die Notwendigkeit des Dammbaus.
Coburger Tageblatt: Am 24. Dezember brach das Hochwasser alle Rekorde. Zwischen Mitternacht und 1 Uhr fuhr die Polizei mit Lautsprechern durch die Straße und kündigte Hochwassergefahr an. Es wurde aufgefordert, die Keller so weit wie möglich zu räumen und Gegenstände zu sichern. Ein Bewohner der Ratsstraße: "Wir standen also auf, räumten aus den verschiedenen Kellern Lebensmittel, Holz für die Küchenherde und Öl für die Ölöfen nach oben." Strom und Telefonnetz waren weitgehend ausgefallen. Am 25. Dezember fuhr der Bundesgrenzschutz mit Panzerspähwagen durch die Straße und bot Hilfe an.
Fränkischer Tag: In Kronach fiel ein fünfjähriger Bub in die Fluten der Haßlach und wurde nicht wiedergefunden. In Schmölz ertrank ein 61-Jähriger in einem überfluteten Straßengraben. Von den Lagerplätzen der zahlreichen Sägewerke an den Bachufern rissen die Wassermassen Rundhölzer und schwere Bretter mit und führten sie als gefährliche Fracht weiter. In Neuses bei Kronach brach der Damm der Rodach. Die Bahnlinie nach Nordhalben wurde unterbrochen.