Dieter Hecking würde sich wundern, wenn er noch den 1. FC Nürnberg trainieren würde. Bevor er nach Wolfsburg abwanderte, warf er dem fränkischen Fan zu großen Pessimismus im Umgang mit seinem Club vor. Davon ist kaum noch etwas zu spüren. Die meisten Anhänger der über 3.500 Zuschauer, die nach Weismain gekommen waren, sind zuversichtlich, dass es mit dem sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga klappt. "Wenn sie so weiterspielen wie heute, schaffen wir das", freut sich der Nachwuchs-Clubfan Jonas Storath.
Ismael: "Wir haben heute einen Schritt nach vorne gemacht"

Der Mann, der es richten soll, hat Heckings Weg in die andere Richtung genommen. Von der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg, mit der er den Aufstieg in die 3. Liga knapp verpasste, wurde er von Martin Bader losgeeist. In Niedersachsen soll man darüber nicht begeistert gewesen sein. Der in Straßburg geborene Ismael erfüllt nach Abpfiff geduldig alle Autogramm- und Fotowünsche. Er wird von allen Akteuren am meisten belagert, bleibt im Gedränge aber stets freundlich und höflich.

"Ich bin zufrieden mit meiner Mannschaft. Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht", gibt er den Journalisten zu Protokoll. Die Abwehr stand bis auf wenige Wackler stabil. Das ist dem ehemaligen Innenverteidiger wichtig. Aber auch nach vorne läuft es schon richtig gut beim Club. Die Mannschaft erspielt sich in der ersten Halbzeit sehr gute Tormöglichkeiten, lässt diese aber ungenutzt. Der ebenfalls aus Wolfsburg gekommene Rückkehrer Jan Polak, bekommt nach 20 Minuten den Ball an der Strafraumgrenze und schießt. Nur hauchdünn verpasst er die Führung für den FCN.

Colak trifft doppelt

An den schussgewaltigen Tschechen erinnern sich die Fans des fränkischen Traditionsvereins gerne. Er stand 2007 in der Mannschaft, die mit dem DFB-Pokal den letzten Titel für den 1. FC Nürnberg holte. Jetzt soll er im defensiven Mittelfeld die Abwehr organisieren und Vorstöße nach vorne unternehmen. Fünf Minuten nach der Pause unterläuft ihm allerdings ein Fehler am 16er. Er verliert den Ball an einen Gegenspieler. Jonathan Viera vom FC Valencia schaltet am schnellsten und überwindet Patrick Rakovsky zum 1:0 für die Spanier.
Wie schon im Testspiel sechs Tage zuvor gegen Grosny zeigt sich die junge Mannschaft nicht geschockt und spielt weiter mutig nach vorne. Eine Handschrift des Trainers scheint schon jetzt erkennbar, die Einstellung im Team stimmt jedenfalls. Im Stadion schwenkt die Stimmung ebenfalls nicht um. Die Tribüne treibt ihre Mannschaft trotz brütender Hitze weiter nach vorne. Keine fünf Minuten dauert es bis sich die Nürnberger für ihren Einsatz belohnen. Nach einer Flanke von Martin Angha steht Sylvestr plötzlich frei vor dem Tor und gleicht zum 1:1 aus.

Makellose Testspiel-Bilanz: Fünf Spiele, fünf Siege

Jetzt läuft es beim Club in der Offensive. Mit schnellem und direktem Spiel kombinieren sie sich immer wieder vor das gegnerische Tor. Nach einer Stunde Spielzeit läuft sich Schöpf am Strafraum fest. Die Kugel fällt Timo Gebhardt vor die Füße, der gefühlvoll quer legt. Am zweiten Pfosten schiebt Colak zur 2:1-Führung ein. Nur 60 Sekunden später zappelt der Ball schon wieder im Netz des FC Valencia. Diesmal setzt sich Sylvestr über rechts durch, findet in der Mitte Colak, der mit seinem zweiten Treffer die Partie entscheidet. Kurzes Staunen auf den Rängen, dann bricht Jubel aus. Antonio-Mirko Colak feiert seinen zweiten Treffer ausgelassen mit dem Mannschaftskollegen.

Danach gibt es noch Gelegenheiten auf beiden Seiten, Tore fallen aber nicht mehr. Der FC Valencia ist vom Trainingslager in Herzogenaurach müde und gibt sich dem 1. FC Nürnberg geschlagen. Erstaunlich weit scheint Nürnbergs Mannschaft in ihrer Entwicklung zu sein, schließlich musste man nach dem Abstieg 15 Abgänge kompensieren und zwölf Neue integrieren. Ismael leistet bisher gute Arbeit auf seiner ersten Station als Profi-Trainer. Das Spiel gegen Valencia hat er allerdings schon abgehakt: "Jetzt gilt es nächste Woche den nächsten Schritt zu machen", richtet der erfolgshungrige Coach den Blick bereits wieder nach vorne.

Ismael könnte für den Club der richtige Trainer zur richtigen Zeit werden. Er ist jung und will Erfolg. Bei den Fans ist die Talfahrt der letzten Spielzeit längst vergessen. Sie wollen der Zweitklassigkeit schnellstmöglich entfliehen. Der zurückhaltende Ismael macht den Eindruck eines akribischen Arbeiters. Solche Typen mag man in Franken. Trotzdem wird er auch schnell Siege einfahren müssen, denn die Anhänger rechnen fest mit dem sofortigen Aufstieg.