Ein Feuerwehrhaus hatten sie sich immer gewünscht. Ein Fahrzeug erst recht. Das Gebäude blieb 1947 im Planungsstadium stecken, es wurde nie gebaut. Ein Auto bastelten sich die Niederauer Feuerwehrleute in den 1960ern selbst: Sie schnitten das Dach eines Goggomobils ab und lackierten das Vehikel rot. Mit diesem Mannschaftstransporter, der übrigens ein reguläres Nummernschild trug, dürfte die Niederauer Truppe bei so manchem Feuerwehrfest für Heiterkeit gesorgt haben.

Kaum Sekundärliteratur

Niederau ist ein kleiner Ort. Nur 28 Menschen leben heute in dem Dorf, das vom Main umflossen und öfters mal überflutet wird. Sekundärliteratur über die Ortsgeschichte ist praktisch nicht vorhanden. Wer über Niederau schreiben möchte, muss sich auf Primärquellen stützen, also auf Protokollbücher, Belege oder Korrespondenzen. Genau das tat Hubert Kolling. Der promovierte Politikwissenschaftler und Historiker, der als Dozent beim Staffelsteiner Bildungszentrum (ehemals Zivildienstschule) arbeitet, verfolgte einen "mikrohistorischen Ansatz". Er sammelte jedes Detail zur Niederauer Feuerwehr, das er finden konnte. Herausgekommen ist - in kleiner Auflage von 200 Exemplaren - ein Buch, das Maßstäbe setzt. Auf 464 Seiten, die mit rund 380 Bildern und Dokumenten illustriert sind, entsteht der Mikrokosmos des kleinen Ortes in den vergangenen Jahrhunderten.

Das Buch trägt den Titel "'Löschen, Bergen, Schützen, Retten' in Niederau vom 18. bis 21. Jahrhundert". Durch den Ansatz des Autors, Niederau in die Zeitläufte in der Region einzubeziehen, wird es interessant für jeden Geschichtsfreund. Als klassische Jubiläumsschrift war es nie gedacht. Die kleine Wehr, die 1931 gegründet worden ist, hat heute 16 Mitglieder. Gemessen an der Einwohnerzahl Niederaus ist das beachtlich - ein Organisierungsgrad, den sich bestimmt manche Wehr in größeren Orten wünschte.

Historische Baupläne

Hubert Kolling beschreibt den Feuerschutz in Niederau anhand vieler Details von den Anfängen bis in die Gegenwart. Interessant ist zum Beispiel der Exkurs zum baulichen Brandschutz im Dorf. Zahlreiche Grundriss- und Baupläne machen dieses Kapitel authentisch. Dabei beschränkt sich der Autor nicht darauf, einfach nur Dokumente aufzunehmen, er versieht sie auch mit möglichst exakten Unterschriften.

"Das Projekt, die Geschichte von Unterzettlitz und Niederau zu erforschen, hat einen großen Stellenwert in meinem Leben", sagt Hubert Kolling. Gerne sei er deshalb auf die Jagd nach Dokumenten gegangen. Viele Unterlagen habe er im Staatsarchiv Bamberg einsehen können. Aber auch das Staffelsteiner Stadtarchiv, in dem die Akten des ehemaligen Gemeindearchivs Unterzettlitz liegen, habe einen großen Fundus für das Buch geboten.

Geringe Auflage ist teuer

Ein solches Buch herauszugeben ist natürlich ein Wagnis. Die ehrenamtliche Arbeit des Autors nicht gerechnet, verschlingen alleine die Druckkosten bei einer so geringen Auflage sehr viel Geld. Eine höhere Auflage zu drucken, um den Verkaufspreis zu senken, wäre widersinnig angesichts der Größe des Dorfes. Das Projekt ließ sich also nur mit Hilfe von Sponsoren verwirklichen. Die Herausgeber - die Geschichtsfreunde Unterzettlitz und die Feuerwehr Niederau - wünschen sich deshalb, die Bücher verkaufen zu können.

Apropos: Das Goggomobil mit dem abgeschnittenen Dach bekam einen Nachfolger: Weil sie eine "Zugmaschine" für ihren Tragkraftspritzenanhänger brauchten, schnitten die Niederauer einfach einem Opel Kadett das Dach ab. Wer wissen möchte, wie der rote Feuerwehr-Kadett aussah, sollte sich das Buch zulegen.

Buchvorstellung

Hubert Kolling wird das neue Buch "'Löschen, Bergen, Schützen, Retten' in Niederau vom 18. bis 21. Jahrhundert" am heutigen Freitag öffentlich vorstellen. Dazu sind alle Interessierten um 18 Uhr ins Ebensfelder Rathaus eingeladen.

Erhältlich ist das Buch mit 464 Seiten sowie rund 380 Bildern und Dokumenten für 25 Euro über die Geschichtsfreunde Unterzettlitz (Georg Lorenz, Telefon 09573/ 5032).