Nach einer mehrstündigen Suchaktion konnten ein 27-jähriger Mann und seine vierjährige Tochter nur noch tot vom Grund des Trebgaster Badesees geborgen werden. Die Mutter, die mit dem jüngeren Kind am Platz geblieben war, hatte die Polizei gerufen, nachdem sie zweieinhalb Stunden auf die Rückkehr der beiden gewartet hatte. Seit dem Badeunfall sind knapp drei Wochen vergangen.

Der Badesee in Bad Staffelstein wird zu den Öffnungszeiten ständig bewacht. "Wir werden von der Wasserwacht unterstützt, außerdem ist immer ein Kollege von der Freizeit GmbH Bad Staffelstein vor Ort", sagt Geschäftsführer Martin Lüders. Die Kollegen sind zum Facharbeiter für Bäderbetriebe ausgebildet und haben mindestens eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer. "Je nach Besucherlage wird das Personal natürlich aufgestockt."

Kinder nicht überschätzen

Generell warnt Lüders davor, Kinder zu überschätzten: "Viele Eltern denken, dass das Kind schwimmen kann, wenn es das Seepferdchen hat. Um die Auszeichnung zu erhalten, muss allerdings nur eine Bahn im klaren Wasser geschwommen werden." Dabei ist es seiner Einschätzung nach wichtig, dass die Eltern auch nach dem Seepferdchen dranbleiben und mit ihren Kindern regelmäßig schwimmen gehen. "Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hatten wir eine Seepferdchen-Gruppe in unserem Hallenbad, die sich einmal pro Woche getroffen hat, um gemeinsam zu schwimmen." Lüders selbst würde seine 7-jährige Tochter nicht alleine in den See lassen, obwohl sie mittlerweile das Schwimmabzeichen in Bronze besitzt.

Er appelliert, dass Eltern ihre Kinder gerade am See immer im Auge haben sollten. "Es kann schnell zu Situationen kommen, mit denen Kinder nicht umgehen können." In der Schwimmhalle seien die Kinder wegen des klaren Wassers immer gut zu sehen, im See ist das nicht möglich. "Bei der richtigen Verwendung sind Schwimmflügel eine gute Option zur Unterstützung - ein sicherer Schutz sind sie aber nicht."

Das leise Ertrinken

Dass immer eine Badeaufsicht vor Ort ist, ist keine hundertprozentige Sicherheit. Wie Lüders betont, sind immer die Eltern für ihre Kinder verantwortlich. "Oft ist Selbstüberschätzung die Ursache für Unfälle", berichtet er. Kinder würden, wenn ihnen die Kraft fehlt, einfach untergehen ohne vorher zu schreien. Deshalb ist es Lüders zufolge umso wichtiger, als Eltern realistisch abzuschätzen, was möglich ist. "Ein Kind von der Mitte des Sees aus ans Ufer zu ziehen, istsehr schwer", erklärt Lüders. Er rät, den Kinderbereich des Sees nicht zu verlassen. Immerhin sei der Badesee 250 Meter breit und 450 Meter lang.

Verantwortung für sich selbst

Während die Strömung am Bad Staffelsteiner See keine Rolle spielt, rät Lüders davon ab, im Regen zu schwimmen. "Wenn der Regen auf das Wasser trifft, prallt die Aerosole zurück - man kann ertrinken ohne dabei unter Wasser zu kommen. Je stärker es regnet, umso größer ist die Gefahr." In den Stand-Up-Paddleboards, die in Bad Staffelstein verliehen werden, sieht Lüders nicht nur ein weiteres Freizeitangebot, sondern auch eine zusätzliche Sicherheit für die Badegäste. "Badegäste, denen die Kraft ausgeht, können sich an das Board hängen - die Boards können zu einer Art Badeinsel werden", erklärt Lüders. Kinder müssen auf den Boards eine Schwimmweste tragen, auch wenn sie schwimmen können.

Bernhard Storath, Bürgermeister der Marktgemeinde Ebensfeld, appelliert an die Eigenverantwortung der Bürger: "An einem Badesee kann immer etwas passieren, bei uns Gott sei Dank noch nicht." Im Ebensfelder Naturbad gebe es einen Sicherheitsbereich, über den hinaus nicht, oder nur auf eigene Verantwortung geschwommen werden darf. "Wir haben ständig eine Badeaufsicht vor Ort und halten uns an die Vorgaben", sagt Storath. Trotzdem sei es schwer, den ganzen See zu überblicken.

So können Badeunfälle im Vorfeld vermieden werden

Damit es gar nicht erst zu einem Badeunfall kommt, empfiehlt Konrad Hauptmann, Vorsitzender der Wasserwacht Bad Staffelstein, mit Kindern, die noch nicht so sicher schwimmen, in der Nähe des Ufers zu bleiben. "Dort kann ich mich selbst jederzeit hinstellen und dem Kind so helfen, wieder ans Ufer zu kommen", sagt der 50-Jährige.

Doch nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen kommt es vor, dass ihnen mitten auf dem See die Kraft ausgeht. "In dem Fall ist es am besten, in Rückenlage zum nächsten Ufer zu schwimmen. Oft sind die Ursache dafür, dass Erwachsene nicht mehr weiterkommen, Krämpfe in den Beinen. In Rückenlage kann man sich mit den Armen bewegen.

Bretter und Bojen zur Rettung

In jedem Fall, so berichtet Hauptmann, ist es eine Option, um Hilfe zu rufen. "Die Wasserwacht und die DLRG haben bestimmte Bretter, mit denen sie den Badegästen zurück ans Ufer helfen." Außerdem gibt es Rettungsbojen, an denen sich die Personen festhalten können, um dann ans Ufer gezogen zu werden. "Für uns Rettungskräfte ist es besser, wenn sich der Gast in Rückenlage befindet. So kann während der Rettung beruhigend auf ihn eingeredet werden, was sehr viel bringt."

Wer langsam ins Wasser geht beugt dem Ebensfelder zufolge der Gefahr vor, einen Kälteschock zu bekommen. "Das Wasser hat im Sommer etwa 18 bis 19 Grad, wer langsam reingeht, gewöhnt sich an die Temperatur." Weil Badeseen stille Gewässer sind, sagt Hauptmann, sind Strömungen eher unüblich. Wasserpflanzen würden auch keine große Gefahr darstellten. "Wer sich dennoch in einer Pflanze verheddern sollte, soll sich auf den Rücken legen und langsam ans Ufer schwimmen. Wasserpflanzen wachsen in der Regel in Ufernähe."

Auf schwere Mahlzeiten, wie einen Sauerbraten, sollte vor dem Schwimmen verzichtet werden. "Man sollte generell nach dem Essen eine Stunde lang keinen Sport machen", sagt Hauptmann. Nach dem Essen sei es am besten, im Schatten zu bleiben. "Wer einen kleinen Snack, wie zum Beispiel Obst zu sich nimmt, kann danach ohne Bedenken schwimmen."