Druckartikel: Betriebe im Kreis Lichtenfels sind zufrieden

Betriebe im Kreis Lichtenfels sind zufrieden


Autor: Maximilian Glas

LKR Lichtenfels, Mittwoch, 29. Juni 2016

Eine Befragung der IHK für Oberfranken Bayreuth gibt Aufschluss über die wirtschaftliche Lage der Unternehmen im Landkreis Lichtenfels.
Wilhelm Wasikowski (links), Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels, und Geschäftsführer Peter Belina stellten bei einem Redaktionsgespräch in Bad Staffelstein die IHK-Konjunkturbefragung vor. Foto: Maximilian Glas


Die reine Symbolik verheißt nichts Gutes. Nach dem Redaktionsgespräch mit den IHK-Verantwortlichen Wilhelm Wasikowski und Peter Belina ziehen über dem Staffelsteiner Stadtturm am Mittwoch dunkle Wolken auf. Dazu schlägt es in wenigen Minuten 12 Uhr. Ein Fingerzeig für die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Lichtenfels?

Die aktuellen Zahlen der IHK-Konjunkturbefragung sprechen zumindest eine andere Sprache. Immerhin 42 Prozent der insgesamt 43 teilnehmenden Lichtenfelser Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut - 9,3 Prozent empfinden sie als schlecht. Im Vergleich zum oberfränkischen Mittel (Gut: 39,8 Prozent; schlecht: 11,7 Prozent) ein durchaus respektables Ergebnis.


Beschäftigung mit neuem Hoch

Gute Nachrichten gibt es auch auf dem Arbeitsmarkt. 1#googleAds#100x100 Nur 3,8 Prozent der Erwerbsfähigen waren der Arbeitsagentur im Mai als arbeitslos gemeldet - der niedrigste Wert in den vergangenen zehn Jahren. "3,8 Prozent, viel weiter nach unten kann es jetzt nicht mehr gehen. Bei drei Prozent kann man schon von Vollbeschäftigung sprechen", sagt Peter Belina, Geschäftsführer IHK-Gremium Lichtenfels.

Kann dieser hohe Beschäftigungsanteil in den nächsten Monaten und Jahren gehalten werden? Die Lichtenfelser Betriebe zeigen eine gewisse Skepsis. Nur fünf Prozent der befragten Unternehmen planen, die Zahl der Beschäftigten in den kommenden Monaten zu steigern (Oberfranken: 12,8 Prozent). Zehn Prozent der Betriebe im Landkreis (Oberfranken: 8,4 Prozent) sagen sinkende Beschäftigtenzahlen voraus. Gedämpft sind die die Erwartungen der Lichtenfelser Unternehmen auch für die Geschäftslage und für das Auftragsvolumen in den nächsten Monaten. Nur knapp zwölf Prozent rechnen in diesen Bereichen mit Steigerungen. Oberfrankenweit geht dagegen jedes vierte Unternehmen von künftigen Verbesserungen aus.

Wie lässt sich diese Zurückhaltung erklären? "Wir haben hier im Landkreis eine besondere Branchenstruktur mit viel Industrie in den Bereichen Polstermöbel oder Lederbekleidung. Die sind für die Zukunft etwas zurückhaltend", erklärt Belina. "Auch die Automobilzulieferer im Landkreis wissen im Moment nicht, in welche Richtung es geht." Unklar sind derzeit auch die konkreten Auswirkungen des Brexits auf die deutsche Wirtschaft. Die IHK-Befragungen fanden noch vor der Volksabstimmung in Großbritannien statt. Auf die neuen Zahlen im September ist Peter Belina deshalb schon gespannt: "Die Erwartungen werden generell etwas zurückgehen, immerhin ist Großbritannien zweitwichtigstes Exportland", sagt er. "Aber die Geschäftsbeziehungen werden ja nicht wegfallen, nur der Aufwand wird für die Unternehmen etwas steigen." Wilhelm Wasikowski, Vorsitzender des IHK-Gremiums, fügt an, dass sich die Geschäftsbeziehungen von Lichtenfelser Unternehmen nach Großbritannien ohnehin in Grenzen halten und daher der Brexit hier nicht das große Thema sei.

Ein Thema, das Lichtenfels bereits seit vielen Jahren begleitet, ist die Entwicklung des stationären Einzelhandels. "Der Einzelhandel steht überall unter Druck", erklärt Wasikowski. "Die Situation in der Lichtenfelser Innenstadt ist katastrophal. Bekleidung gibt es quasi gar nichts mehr, man muss sich langsam etwas überlegen."


Geeignete Ladenlokale fehlen

Interessierte Neumieter gebe es zwar gelegentlich, doch scheitere es meist an der entsprechenden Ladengröße. Eine Fläche von 500 Quadratmetern, wie sie ein Biofood-Markt in der Lichtenfelser Innenstadt suche, gebe es einfach nicht, so Wasikowski. Die leeren Immobilien mit Flächen von 50 bis 80 Quadratmetern seien für größere Handelsketten uninteressant. Als Vorbild könnte für Peter Belina die Stadt Forchheim dienen, wo man in der Innenstadt intensiv versucht, aus mehreren kleinen Ladenlokalen eine große Verkaufsfläche zu schaffen.
Ein wichtiges Ereignis für den Kammerbezirk der IHK für Oberfranken steht im Januar 2017 an: Die Neuwahlen der acht IHK-Gremien in Oberfranken. Für den Landkreis Lichtenfels vertreten 30 Beiräte aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen die Interessen der Wirtschaft gegenüber der Politik, Verwaltung und Gesellschaft.

Wilhelm Wasikowski appelliert sowohl an Geschäftsführer, sich zur Wahl zu stellen, als auch an alle IHK-Mitglieder im Januar wählen zu gehen. Denn bei der Wahlbeteiligung ist noch viel Luft nach oben. Dabei schnitt der Landkreis Lichtenfels bei der Wahl vor fünf Jahren mit knapp 21 Prozent noch mit am besten ab. "Bei der kommenden Wahl haben wir uns 25 Prozent Wahlbeteiligung auf die Fahnen geschrieben", so Wasikowski.




IHK Konjunkturbefragung


Vorgehen Dreimal im Jahr fragt die IHK für Oberfranken Bayreuth die Unternehmen aus ihrem Verbreitungsgebiet nach ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage und ihren Erwartungen für die Zukunft.

Befragung 43 Unternehmen aus dem Landkreis Lichtenfels haben sich an der aktuellen Konjunkturbefragung beteiligt. Im Vergleich zu den Durchschnittswerten der anderen sieben IHK-Bezirke fällt im Kreis Lichtenfels die positive Bewertung der aktuellen Geschäftslage und des Auftragsvolumens im Inland auf. Dafür sind die Erwartungen für die kommenden Monate in diesen Bereichen unter dem oberfränkischen Schnitt. Als Zusammenfassung für die Beurteilung der aktuellen und zukünftigen Wirtschaftslage gilt der Konjunkturklimaindikator. Dieser ist im Landkreis mit 115 etwas schlechter als der oberfränkische Schnitt mit 121.