Mit der Stundenplanerstellung an der Berufsschule ist Hans-Jürgen Lichy seit fast zwanzig Jahren befasst. Doch Routine hat sich nicht wirklich eingestellt. Planungssicherheit gibt es noch nicht einmal zum Schuljahresbeginn im September, denn Ausbildungsverträge werden mitunter bis in den November hinein abgeschlossen. "Es kam schon vor, dass wir eine zusätzliche Klasse bilden mussten, als das Schuljahr bereits begonnen hatte", sagt der Schulleiter, der seit vier Jahren in dieser Verantwortung steht. Ihm und seinem Lehrerteam wird enorme Flexibilität abverlangt. Nach der Umstellung in der Ausbildung der Technischen Produktdesigner (vormals Technische Zeichner) hätten sich Lehrkräfte in wenigen Wochen in die 3-D-Programmierung einarbeiten müssen, sagt Lichy, der von "Crashkursen" bei großen Industriebetrieben berichtet. Auch die Infrastruktur stellt eine Herausforderung dar.
Ein Rechner samt Software, an dem ein Schüler in dieser Abteilung arbeiten muss, koste etwa 2000 Euro. Da kommen schnell stattliche Summen zusammen. Doch dieser Ausbildungszweig mit derzeit 169 Schülern ist für die Lichtenfelser Berufsschule zu einem wichtigen Standbein geworden, verzeichnet er aktuell - neben der Lagerlogistik, den Fachinformatikern und der Metalltechnik - die höchsten Schülerzahlen. Im kommenden Schuljahr werden 20 angehende Technische Produktdesigner aus Nürnberg erwartet, denn Lichtenfels ist in der Fachstufe der Unterrichtsstandort für ganz Nordbayern.

Schwerpunkte setzen

Solche Schwerpunkte sind für die Staatliche Berufsschule wichtig. Schulleiter Hans-Jürgen Lichy ist stets bestrebt, keine allzu großen Verluste bei den Schülerzahlen hinnehmen zu müssen. Freilich entkommt man dem demografischen Wandel nicht ganz. Aber dem Trend der bayernweit sinkenden Schülerzahlen, wie ihn das Landesamt für Statistik vermeldet (und zwar mit einem Minus von rund 7 % binnen drei Jahren) konnte man durch das Setzen bestimmter neuer Schwerpunkte bislang zumindest erfolgreich entgegensteuern. Im Schuljahr 2009/10 zählte die Schule samt ihrer beiden Berufsfachschulen (für Technische Assistenten für Informatik sowie für Flechtwerkgestaltung) 1475 Schüler, im Schuljahr 2012/13 waren es 1557. Diesen hohen Stand werde man vermutlich nicht halten können, meint Hans-Jürgen Lichy. Der Rückgang auf die aktuellen 1514 Schüler sei aber nicht dramatisch.


Abhängig von Ausbildungsmarkt

Schon seit Jahren unterliegt die Schule dem Wandel, ist abhängig von Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt. Die angekündigte Betriebsschließung von Knorr-Prandell in Lichtenfels-Schney oder eine Umstrukturierung bei Baur bekommt auch die Schule zu spüren - in den genannten Fällen im Bereich der Groß- und Außenhandelskaufleute. Die Holztechnik wird im nächsten Schuljahr wegfallen, weil die Schülerzahlen - obwohl hier bereits die Landkreise Lichtenfels und Kronach zusammen genommen wurden - nicht mehr ausreichend zur Bildung einer Klasse sind.

Bei den Bankkaufleuten wird es im Schuljahr 2014/15 zum ersten Mal keine zweite Eingangsklasse geben. "Wir hoffen, dass das nur eine vorübergehende Erscheinung ist", sagt Hans-Jürgen Lichy, denn der Blockunterricht sei mit insgesamt nur zwei Klassen schwieriger zu organisieren. In Sachen Bankkaufleute hat die Lichtenfelser Berufsschule aber schon wieder ein neues Eisen im Feuer, wie der Schulleiter berichtet. "Wir bewerben uns für den DBFH-Standort." DBFH steht für duale Bildung mit Fachhochschulreife. An einem Standort in Oberfranken soll es ab dem übernächsten Schuljahr möglich sein, binnen drei Jahren eine Banklehre zu absolvieren und das Fachabitur zu erwerben. "Ein Anreiz für gute Realschüler", wie Lichy findet, der sich wünscht, dass dieser eine Standort in Oberfranken Lichtenfels sein wird.

Die Bewerbung wird im Juni abgegeben. Der Zuschlag wäre eine Möglichkeit, Lücken durch den Wegfall anderer Sparten zu kompensieren. "Es ist ein Baustein von vielen." So ergeht es der Schulleitung schon seit Jahren: Auf der einen Seite bricht etwas weg, auf der anderen Seite gilt es, einen Ansturm zu bewältigen. Um zumindest eine grobe Vorstellung von dem zu bekommen, was auf einen zukommt, steht die Schule im Kontakt zu Firmen, organisiert regelmäßig Ausbildertreffen.

Abitur um jeden Preis?

Lichy weiß um das Problem der Betriebe, Ausbildungsstellen zu besetzen und Fachkräfte zu bekommen. Einerseits stellen Verantwortliche das hohe Niveau des beruflichen Bildungssystem in Deutschland heraus, andererseits scheinen in der Bevölkerung vor allem Abitur und Hochschulstudium als erstrebenswert zu gelten. "Deshalb sind gerade am Gymnasium viele, die da gar nicht glücklich sind", meint Lichy und verweist auf das florierende Nachhilfewesen. Die Möglichkeit, über die berufliche Bildung einen höheren Schulabschluss zu erwerben, sei oft nicht in den Köpfen verankert. Dabei sieht Lichy hierin sogar den Königsweg, wenn ein Studium in Informatik oder in einem technischen Studiengang angestrebt wird. Er berge einen zeitlichen Vorteil und sei für die berufliche Orientierung und auch für die Persönlichkeitsbildung sehr gut. "Jemand, der bereits in einem Betrieb hat seinen Mann stehen müssen, tut sich oft leichter als jemand, der aus dem geschützten Bereich des Gymnasiums kommt." Man müsse nicht um jeden Preis auf direkten Weg einen möglichst hohen Schulabschluss erringen.