Die Richter der Strafkammer haben sich im Prozess um den Ebensfelder Banküberfall viel Zeit zum Nachdenken genommen. Nach den mehrstündigen Plädoyers am Dienstag haben sie den Termin der Urteilsverkündung auf Donnerstag, 24. April, festgesetzt.

Erwartungsgemäß klaffen die Bewertungen der Sachlage durch die beiden Verteidiger und Oberstaatsanwältin Ursula Haderlein weit auseinander. Letztere ist der sicheren Überzeugung, dass der Angeklagte Kosovo-Albaner P. einer der beiden Täter ist. "Es sind ein paar Zufälle zu viel", resümierte sie nach Aneinanderreihung der zusammengetragenen Fakten und forderte für den u. a. wegen Diebstahls- und Körperverletzungsdelikten vorbestraften 37-Jährigen eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren wegen schweren Raubes und schwerer räuberischer Erpressung. Bei der Strafzumessung müsse zugunsten des Angeklagten berücksichtigt werden, dass es eventuell keine echte Schusswaffe war, die gegen die Bankbediensteten und Kunden gerichtet worden war.
Die beiden Verteidiger, Jochen Kaller aus Bamberg und Jan Bockemühl aus Regensburg, plädierten auf Freispruch, weil ihr Mandant nicht mit Sicherheit als Täter zu überführen sei.

Einig waren sich beide Seiten nur darin, dass ein Bekannter des Angeklagten, der sich unter falschem Namen illegal in Deutschland aufhielt und jetzt auf der Flucht ist, einer der bei der Tat maskierten Räuber ist. Nach Ansicht von Rechtsanwalt Kaller ist jener auch der Mann, der auf dem Video der Überwachungskamera zu sehen ist. Vom anderen gab es keine verwertbaren Bilder.

Das Gutachten mit Vergleichen der Silhouetten des Mannes auf dem Video mit denen des Angeklagten hielt er für fehlerhaft und wertlos, weil es eine Unsicherheit in den Körpermaßen von fünf Zentimetern beinhalte. Auf Größenschätzungen von Zeugen, wonach die Täter etwa gleich groß waren, wollte Rechtsanwalt Bockemühl nicht viel geben. Schätzungen seien häufig falsch. Ein Mann, gegen den anfangs als Mittäter ermittelt worden war, ist deutlich größer als die beiden Beschuldigten. Jener Größere, der auch Zugang zu dem Fluchtfahrzeug hatte, das einem Vorgesetzten gehörte, käme nach Meinung der Verteidiger genauso in Betracht wie noch jemand gänzlich unbekanntes. Die als wichtigstes Indiz geltende auf dem Fluchtweg aufgefundene Hose ist nach Meinung der Verteidiger kein hartes Faktum, nachdem ihre Sicherstellung durch die Polizei nur lückenhaft dokumentiert ist und nicht nachvollziehbar ist, zu welchem Zeitpunkt welche DNA-Spur an die Hose gebracht wurde. Der Hose haftete DNA-Material beider Beschuldigter an; das des flüchtigen Tatverdächtigen am Hosenbund, das des Angeklagten am Knie auf der Innenseite. Als der illegal in Deutschland lebende Landsmann vor Jahren einmal bei P. untergekommen war, könne dieser die Hose auch getragen haben, lautete die Version der Verteidigung. Und bei der Tat könne ja nur einer in dieser Hose gesteckt haben. Dass sich der Angeklagte bei polizeilichen Vernehmungen eines falschen Alibis bedient hatte, erklärten die Anwälte damit, dass P. bereits einmal im Dunstkreis des nun Flüchtigen in den Verdacht einer Straftat gekommen war und ein Jahr unschuldig in U-Haft saß. In so eine Lage habe er nicht mehr kommen wollen.

Der Angeklagte selbst sagte an diesem siebten Verhandlungstag, er habe sein ganzes Leben gearbeitet, Steuern gezahlt und Schulden beglichen und werde das auch weiter tun. Er verwies auf seine Frau (die im Zuhörerraum saß) und seine beiden kleinen Kinder und beteuerte, die Tat nicht begangen zu haben.

Das Gericht wird nun die Aussagen und Spuren auswerten und eine Entscheidung treffen müssen.