Walter Mackert klingelt um 7.30 Uhr an meiner Haustür. "Hier hast du die Handschuhe, du wirst sie brauchen", sagt er. Der Mann und Stadtrat, der vor seiner Pensionierung Polizeiuniform trug und ansonsten dezent leger unterwegs ist, gibt im Blaumann ein ungewohntes Bild ab. Ich folge ihm in die Welt elterlichen Engagements, des Abklapperns eines Schulsprengels und zu belegten Brötchen. Altmetallsammlung für die Ivo-Hennemann-Grundschule.
Mackert kennt Geschichten. Während wir an diesem Samstagmorgen im Geländewagen samt Anhänger nach Frauendorf unterwegs sind, erzählt er vom Aluminiumkurs, der 2016 je Tonne bei 700 Euro lag. Ich denke an die Badewanne, die hinten auf seinem Hänger liegt und überlege, ob es auch einen Kurs für Emaille gibt. Seit der Dämmerung sind Männer, Frauen und Traktoren unterwegs, um wie alljährlich bei Bad Staffelstein Orte anzufahren und mitzunehmen, was beim Metallhändler bares Geld bringt. "Meine Frau mit Schwiegermutter und Antje Höppel schmieren gerade 80 Brötchen", setzt Mackert grinsend fort. Es gibt Verpflegung und Organisation, so viel ist nun klar. 36 helfende Eltern samt Kindern sind im Einsatz, drei Container in Frauendorf¸ einen in Unnersdorf und Grundfeld voll zu machen. 200 Kubikmeter, immerhin.
Matteo Dinkel (9) ist Schüler der Frauendorfer Hennemann-Schule. Im Laufe des Vormittags wird auch ihm ein Magnet in die Hand gedrückt werden, damit er aussortieren kann. Er hat sichtlich Spaß. Seit 4.30 Uhr ist er wach, weil er "nicht mehr einschlafen konnte". Es geht durch Serkendorf, beispielsweise zu einer Metzgerei. An ihrer Straße steht eine sperrige Pökelmaschine. Eine Menge Metall, das so nicht mehr gebraucht wird. Metzger Reinhold Schütz überlässt sie gerne. "Man weiß ja, dass es für den guten Zweck ist [...] Man muss auch manchmal ein Herz haben", sagt er. Menschen mit Herz gibt es an diesem Tag einige in Serkendorf, Stublang, Unnersdorf, Grundfeld und anderswo. "Da war einer, der hat gesagt: ,Bevor ich das dem Schrotthändler gebe, gebe ich es lieber euch. ' Und der war nicht im Förderverein", hält Mackert fest.
Der Förderverein, der auf die Standorte Frauendorf, Uetzing, Grundfeld und Unnersdorf verteilten Schule war es samt Elternbeirat, der 2008 die Idee mit dem Sammeln in Schwung brachte, um auf diese Weise und mit Genehmigung des Landratsamtes vom Erlös Schulausstattung oder -verschönerung vornehmen zu können. Über 2000 Euro sind so jährlich in besten Jahren zusammengekommen. Doch das Anpacken ist auch Knochenarbeit. Ich packe mit an und stelle fest, welches Gewicht ein verrosteter Rübenhäcksler haben und wie sperrig er aufzuladen sein kann. Man braucht wirklich Arbeitshandschuhe. Vor allem wegen der Schnittgefahren. Die meisten Helfer haben auch Arbeitsschuhe mit Stahlkoppen. Ein Hercules-Fahrrad, wohl aus den 50ern, Dachrinnen, Sägeblätter, Motorblöcke, Badezuber, meterlange Güllefässer, Bremsscheiben, eine voll funktionsfähige Sähmaschine - es ist erstaunlich, was unter den Dächern und in den Scheunen des Schulsprengels so lagert und alljährlich zum Vorschein kommt. Aber auch Alltägliches gibt es, Kleinvieh, das eben auch Mist macht, so wie Gardinenstangen, Drähte, Schrauben, Wäscheständer. Das alles will in den entsprechenden Orten um die Hennemann-Schulen angehoben und in Hänger geworfen werden, das alles will auch mittels Magneten geprüft werden.
"Die Kids sind unsere Magnetspezialisten", sagt Mackert, Zweiter Vorsitzender des Fördervereins. "Messing, Kupfer, Aluminium, Edelstahl - alles nicht magnetisch, alles darum beim Metallhändler "extra abzuwiegen, dafür gibt's extra Geld, da gibt's mehr".
Eine der in die Organisation eingebundenen Frauen ist Beatrix Ruppenstein. Sie, ehemalige Kickboxerin, verdichtet gerade Metallkanister, indem sie diese zusammentritt. "Keiner sappt so schön wie Du", sagt ihr jemand. Sie muss lachen. Hier auf dem Frauendorfer Schulhof, so wie wohl an den anderen Containerstandorten auch, spielen sich Szenen ab: Traktoren fahren mit Hängern beladen ein, Kleintransporter auch, es wird ausgeladen, gescherzt, mittels Bulldog metallenes Gewicht über die Brüstung der hohen Container gehievt. Ein Traktor legt seine Gabel auf das über den Rand ragende Metall, es so zu verdichten. Dabei ragen seine Vorderreifen in die Höhe. "Unsere Papas sind echt klasse, die sind alle engagiert dabei [...] Ich frage die Leut': ,Macht ihr mit?' Alles andere machen die, da muss ich nicht fünfmal nachfragen", kommentiert Beatrix Ruppenstein eine Szene.
Nach vier Stunden Einsatz ist Schluss. Die Container haben an diesem Tag nicht ausgereicht. Geschnitten hat sich heute tatsächlich auch jemand. Die Vorsitzende des Fördervereins, Antje Höppel, beim Schmieren der Brötchen...