Auf den Spuren der Kelten
Autor: Redaktion
Bad Staffelstein, Sonntag, 09. August 2020
Das Evangelische Bildungswerk bot eine eine Führung in die Zeit von vor 2000 Jahren an
Hoch oben über dem Obermain. Ein leiser Wind trägt das nicht weit entfernte Stimmengemurmel der Bergbesucher über das Plateau. Versammelt am Staffelbergkreuz blickt eine Gruppe von Menschen gebannt in die umliegenden Täler. Doch wer glaubt, hierbei handelt es sich um einen einfachen Staffelbergbesuch um den sonnigen Sommerferientag zu nutzen, liegt nicht ganz richtig.
Unter der Leitung von Bernhard Christoph traten im Rahmen des Sommerferienprogramms des evangelischen Bildungswerks Lichtenfels (EBW) 20 Geschichtsinteressierte eine Reise in die Zeit von vor über 2000 Jahren an und begaben sich damit auf die Spuren der Kelten.
"Herr Christoph hat sich darauf eingerichtet, kindgerecht zu zeigen, was hier vor 2000 Jahren passiert ist", erklärt Joachim Wegner, Leiter des EBW, zunächst zu Beginn der Führung auf dem Wanderparkplatz Romansthal den Umstehenden und nach kurzem Hinweis zum coronabedingten Abstandhalten übergibt er das Wort an seine Frau Martina. "Wo komm' ich denn her?" und "Wie haben die früher gelebt?", "Wie sah es hier in der heute so beliebten Wanderregion am Staffelberg eigentlich früher aus?" Das sind die Fragen, denen die Erkundungstruppe mit der Führung nun nachgehen wird und sich damit auf den Spuren der Kelten macht.
Um das Bild eines typischen Kelten wie wir ihn uns vorstellen vor Augen zu führen, stattet Christoph einige der kleineren "Krieger" als Einstieg mit der richtigen Bewaffnung aus. Die hölzernen "Lanzen", die er aus den Tiefen seines Kofferraums hervorholt, haben etwa die Größe der jungen Träger und vermitteln ihnen auch ohne metallener Spitze, wie sich ein Krieger damals wohl in Erwartung eines Angriffs gefühlt haben muss. "Sie sind nach allen Abbildungen, die wir kennen, die Hauptbewaffnung gewesen", erklärt er und weißt anschließend darauf hin, das Replikat eines echten Keltenschwertes haltend: "Das Schwert hier ist komplett aus Metall und war meist nur die fantastische Waffe des Häuptlings".
Rund ums Oppidum
Bevor die Erkundungstour rund um das Oppidum, so die Bezeichnung für eine damalige stadtähnliche Siedlung, in Bewegung kommt, zeigt der Keltenexperte noch eine 2400 Jahre alte Vase, denn "Kelten waren vor allem eines: Handwerker und nicht nur Krieger."
An der ersten Informationstafel zum keltischen Oppidum auf dem Staffelberg angekommen, verlässt die Gruppe bereits die bekannten Wege des gewöhnlichen Wanderers und Christoph führt zielstrebig über das nächste Feld, entlang des ehemaligen Schutzwalls. Früher eindrucksvolle fünf Meter hoch, zeugen heute nur noch mit Buschwerk bewachsene Hügelerhebungen von den Stufen, auf denen früher die keltischen Behausungen standen. "Auf der Hochebene hier verlaufen die alten Straßen der Kelten", beginnt Christoph vor dem weitläufigen Ausblick auf das Löwental zu erzählen.
Oben auf der Hochebene, an einer Stelle, die gut zu schützen ist, sei dafür die optimale Situation, da Angreifer erst 80 Meter am Wall entlang müssten. Mit dieser logischen Schlussfolgerung und Hinweisen aus der Erdmagnetik konnte erst vor wenigen Jahren der Standort eines zweiten Tores, dem Osttor zum Oppidum, neben dem bereits bekannten ausgegrabenen Westtor am Staffelberg topografisch bewiesen werden.