Altenkunstadter Kids steigen in die Zeitmaschine
Autor: Bernd Kleinert
Altenkunstadt, Freitag, 03. November 2017
Eine ebenso vergnügliche wie lehrreiche Zeitreise stand im Mittelpunkt einer "Luther-Party für Kids" der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde.
"Herzlich willkommen in unserer Zeitmaschine! Ihr habt einen Flug in die Vergangenheit gebucht. Unser Ziel ist das Mittelalter. Dafür müssen wir ein halbes Jahrtausend zurück!", verkünden die Reiseleiterinnen Daniela und Anna den jungen Passagieren. "Mit so vielen Kindern haben wir gar nicht gerechnet. Und besonders schön ist, dass etliche sich mittelalterlich kostümiert haben«, freut sich Kids-Club-Leiterin Sabine Krausche. Zusammen mit jungen Leuten aus der Gemeinde hat sie das Mittelalterfest aus Anlass des Jubiläums "500 Jahre Reformation« organisiert. Langeweile dürfte ihrer Ansicht nach nicht aufkommen: "Bei dem tollen Programm, das wir auf die Beine gestellt haben."
Ein Meer von Lichtern schmückt das Kreuzberg-Gemeindezentrum und sein Außengelände bei der "Abfahrt«. "Habt ihr alle den Sicherheitsgurt angelegt und den Helm aufgesetzt? Dann kann es ja losgehen«, rufen die Reiseleiterinnen den 25 Mädchen und Jungs zu. Nach einem unfreiwilligen Zwischenstopp bei den Dinosauriern erreicht die Zeitmaschine samt Passagieren wohlbehalten das Jahr 1517. Sie "landet" auf einem Marktplatz, wo gerade ein Dorffest gefeiert wird. Während eine Gauklerin mit einer faszinierenden Fackel-Show die Menschenmenge begeistert, versucht ein ungewöhnlich gekleideter Mann in Marktschreier-Manier, Ablassbriefe zu verkaufen: "30 Jahre weniger Fegefeuer für nur 15 Gulden!" Zwei Frauen unterhalten sich über Martin Luther und seine 95 Thesen. "Ich bin nach Wittenberg gereist und habe dem Mönch mal auf den Zahn gefühlt. Und weißt du was? Er hat recht. Der gnädige und barmherzige Gott vergibt uns, ohne dass wir etwas dafür tun müssen. Die ganzen Ablassbriefe sind Quatsch und ziehen den Leuten nur das Geld aus der Tasche", erklärt Clara. Aber woher weiß sie das alles? "Ich habe es selbst gelesen und zwar in der Bibel. Die gibt es jetzt auch auf Deutsch. Hier, schau mal, was im Römerbrief steht", erzählt die Frau. Ihre Freundin Bine ist erleichtert: "Ich bin froh, dass man keine Ablassbriefe mehr kaufen muss. Bei den vielen Schulden, die ich habe."
Eine Postbotin drückt den Frauen ein Flugblatt von Martin Luther in die Hand. Woher das wohl kommt? Zusammen mit den Zeitreisenden besuchen Clara und Bine eine mittelalterliche Schreib- und Drucker-Werkstatt, die man in der Kreuzbergkirche eingerichtet hat. Die Kinder drucken mit Stempeln bunte Motive und schreiben mit Feder und Tinte eine Einkaufsliste. "Gar nicht so einfach", meint Justus aus Rheinland-Pfalz, der seine Herbstferien am Obermain verbringt. Neugierig betrachten sich die Mädchen und Jungs alte, im 18. und 19. Jahrhundert gedruckte Bibeln. In einer Holzwerkstatt basteln die Zeitreisenden dekorative Laternen. Zurück auf dem Dorfplatz bringt ihnen die Gauklerin einen mittelalterlichen Tanz bei. In einem Gasthaus lassen sich die "Besucher aus der Zukunft" Buchstabensuppe und Würstchen schmecken. Doch vor dem Schlemmen müssen sie erst aus dem Berg von "Nudel-Lettern" - beim Kochen in der Kirchenküche waren sie mächtig gequollen - auf dem Tellerrand das Wort "Gnade" bilden. So verlangt es der Wirt.
Eine Glocke ertönt. "Alles einsteigen! Unsere Zeit im Mittelalter ist vorbei. Wir müssen zurück in das Jahr 2017", rufen die Reiseleiterinnen Anna und Daniela den Passagieren zu. Zurück in der Gegenwart geht es nicht minder fröhlich zu. "Zwischen 1517 und 2017 liegen genau 500 Jahre. Na, wenn das kein Grund ist, weiterzufeiern", stellen Hannes und Peter fest. Ob bei Donikkls kultigem "Fliegerlied" (Heut´ is so a schöner Tag) oder dem Ohrwurm "Cotton Eye Joe" der Gruppe "Rednex« - auf der Tanzfläche herrscht stets Hochbetrieb. "Und denkt immer daran: Gott liebt uns so, wie wir sind. Und diese Liebe müssen wir uns nicht verdienen und für sie müssen wir auch nichts bezahlen", fasst Sabine Krausche zusammen.
"Was, schon vorbei?", ist am Ende der vierstündigen Party aus vielen Kindermündern zu hören. "Keine Angst. Im nächsten Jahr gibt es garantiert wieder eine", erklärt Krausche und erntet dafür spontanen Beifall. Und wer nicht so lange warten möchte, dem empfiehlt sie den großen Kindervormittag am schulfreien Buß- und Bettag (22. November) von 8 Uhr bis 13 Uhr im Kreuzberg-Gemeindezentrum Altenkunstadt. Unter dem Motto "Denn Langeweile muss nicht sein!" werden verschiedene Workshops angeboten. "Für jeden von euch müsste eigentlich etwas dabei sein", verspricht die Kids-Club-Leiterin. Wer einen schönen Vormittag erleben möchte, meldet sich im evangelischen Pfarramt Altenkunstadt, Telefon 09572/9280. Krausche dankt am Schluss allen Helfern sowie den Mitwirkenden. Für die Kinder gibt's zum Abschied "süße" Geschenktüten.