Streik. Wohl rund 26 Stadtmitarbeiter legten am Donnerstag die Arbeit nieder. Nicht nur symbolisch und für eine Stunde, sondern für den ganzen Tag. 4,8 Prozent mehr Lohn war dabei die Kernforderung, die um 9 Uhr auf dem Marktplatz auch in Richtung von Bürgermeister Andreas Hügerich ging. An der von der Gewerkschaft Verdi aufgerufenen Aktion beteiligten sich städtische Mitarbeiter der Ver- und Entsorgung.

2,3 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen gibt es in Deutschland. Sie, so das Gewerkschaftsargument, halten "den Laden am Laufen, auch und gerade in der Corona-Pandemie". Die Kundgebung am Marktplatz trug durchaus eine vorwurfsvolle Note.

"Wir sind keine Bittsteller (...) wir fordern mehr Lohn", so Gewerkschaftsmann Dirk Schneider über Megafon zu den Versammelten vor sich, die in diesen Zeiten bei aller Entrüstung und Enttäuschung darauf zu achten hatten, genügend Abstand zum Nebenmann einzuhalten. Woher die Enttäuschung und Entrüstung rührt, brachte der Gewerkschaftssekretär Schneider in Erinnerung. Zwei Tarifrunden hat es gegeben, aber seitens der VKA, der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber, sei nichts gekommen, kein Angebot, kein Signal. Doch um Signalwirkungen gehe es bei alledem laut Schneider durchaus. Später, als sich die Veranstaltung aufzulösen beginnt, bringt er unserer Zeitung gegenüber an, dass es Facharbeitermangel gibt, dass Facharbeiter in Rente gehen werden und einem Nachwuchs das Arbeiten für die Kommunen nicht mehr reizvoll erscheinen könnte.

Nur bedingt Ansprechpartner

So sah das vorher auch Alexander Hohner. Der Mann ist Kfz-Mechaniker und sorgt dafür, dass die Fahrzeuge des Stadtbauhofs funktionieren. In Richtung Rathaus kommt ihm ein "Die wollen Facharbeiter haben und wollen nichts bezahlen" über die Lippen. Aber das Rathaus ist nur bedingt Ansprechpartner, denn entschieden wird bei der VKA. Die aber könne man ein wenig in Zugzwang bringen. Schneider erinnerte dabei an deutsche Bürgermeister und Oberbürgermeister, die ihre Briefe an die VKA adressierten, wohl mit der Empfehlung, sich bei Tarifverhandlungen beweglich zu zeigen. Speziell nannte er dabei den Coburger Oberbürgermeister Dominik Sauerteig. "Coburg hat es vorgemacht."

Auch an Andreas Hügerich sei man diesbezüglich herangetreten und er habe "zugesichert, sich damit zu befassen". Allerdings, das schob Schneider zum Lichtenfelser Stadtoberhaupt auch nach: "Er sollte mal ein bisschen in die Puschen kommen." Auf Anfrage bei Hügerich selbst zeichnete sich ein Bild, wonach es sich mit den Puschen erledigt haben dürfte. "Ich habe lange hin und her überlegt und bin zu der Entscheidung gekommen, dass ich mich raushalten werde." Begründet hat das der 37-Jährige eben mit den seiner Überzeugung nach künftig zu erwartenden geringeren Steuereinnahmen für die Stadt. "Wir werden einen Einbruch der Firmen haben und wir wissen, dass die Finanzen einbrechen." Doch abgesehen vom Bürgermeister ergingen Aufrufe Schneiders auch an Verwaltungsmitarbeiter des Rathauses. "Kommt zu uns, steht mit uns zusammen", so der Bamberger. Später, auf Nachfrage, wird er einräumen, auf 15, 20 sich dem Streik anschließende Verwaltungsmitarbeiter gehofft zu haben. Gekommen ist aus dem Rathaus letztlich einer. Dass der Streik bei den Verwaltungsmitarbeitern Interesse geweckt hätte, konnte man schwerlich sagen. An den Fenstern schien sich nichts zu tun, mit Ausnahme des einen im Parterre, welches sich aber zum Streikbeginn bald wieder schloss.

Bedauern in Richtung Rathaus

Unterstützung erhielt der Streik auch seitens des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Auch der DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt war vor Ort. Ein Bedauern äußerte er in Richtung Rathaus, bzw. dortige Mitarbeiter. "Es ist unsolidarisch, sich nicht zu beteiligen", so der Mann, der auch in seiner Rede dem Argument entgegentrat, wonach wegen coronabedingter Steuerausfälle keine Lohnerhöhung möglich sei. "Es gibt 118 Milliardäre in Deutschland, es ist genug Geld in Deutschland da." Das war ein Satz mit einer teilweise ungeschickten rhetorischen Note, dem sich eine grundsätzliche Äußerung über steuerliches Ungleichgewicht in Deutschland zwingend anschließen musste, denn schließlich dürfte Andreas Hügerich kaum einen dieser 118 Milliardäre persönlich kennen, um ihn für Lohnbezuschussungen zu gewinnen.

Eine Stunde lang währte die Aktion, die damit ihren Höhepunkt fand, dass das Rathaus von den 26 Streikenden nebst sechs Gewerkschaftsunterstützern "umzingelt" wurde. Zwei Angebote blieben seitens VKA unbeantwortet, der nächste und finale Stichtag sei diesbezüglich auf den 22. bzw. 23. Oktober angesetzt. Dann würde wieder gestreikt werden, vielleicht sogar ausdauernder und länger. Denn gerade in Corona-Zeiten, in denen die Ansteckung möglich sei, hätten die Stadtmitarbeiter unter Bedingungen zu arbeiten, bei denen Kontakt zu anderen Menschen und somit zu Ansteckungsherden unausweichlich sei. "Da reichen warme Worte und Applaus nicht", so Schneider. Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten.