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Wohnmobil-Raritäten touren durch Oberfranken


Autor: Werner Reißaus

Wirsberg, Montag, 01. Sept. 2014

Mikafa-Wohnmobile sind selten. Der Wirsberger Hotelier Werner Herrmann schaffte es aber, dass sich 14 Besitzer der kultigen Fahrzeuge im Luftkurort trafen.
Vor dem Wirsberger Romantik-Posthotel präsentierten die Oldtimer-Fahrer ihre Mikafa-Wohnmobile. Fotos: Werner Reißaus


Die Mikafa-Liebhaber waren am vergangenen Wochenende unter sich. Die Besitzer der seltenen Wohnmobil-Oldtimer erregten nicht nur am Herrmann's Romantik Posthotel Aufsehen, sondern vor allem am Samstag bei der gemeinsamen Ausfahrt durch ganz Oberfranken. Auch Wolfgang Wagner, der verstorbene Leiter der Bayreuther Festspiele, reiste einst in einem der ersten Luxus-Wohnmobile, das heute im Besitz des Hoteliers Werner Herrmann ist.

Er war es auch, der das Mikafa-Treffen unter dem Begriff "Heimat erleben" mit einer Tages-Ausfahrt über 99 Kilometer organisierte. Nicht fehlen durfte Hermann Hajek aus dem Berchtesgadener Land. Der Polizeibeamte aus Freilassing ist leidenschaftlicher Mikafa-Sammler, und niemand kennt die einstige Luxus-Marke besser als er.

So hatte Werner Herrmann die Idee zu der Veranstaltung auch im Gespräch mit dem 60-Jährigen: "Hermann Hajek ist der erste Name, der im Internet unter dem Suchbegriff Mikafa erscheint, und das hat mich 1#googleAds#100x100 neugierig gemacht. Herr Hajek hat ja auch die ganze Dokumentation dieser Automarke. Seine Regale füllen viele Aktenordner mit Prospekten, Zeitungsausschnitten und Pressefotos, er hat auch das Bestandsverzeichnis derjenigen, die einen Mikafa fahren."

Zu seinem Wohnmobil kam der 60-jährige Polizist aus Freilassing wie die Jungfrau zum Kind, obwohl er schon immer eine Faible für die alte Technik hatte: "Ich habe in den 90-er Jahren einen stabilen Wohnwagen für die Familie gesucht. Da bin ich auf diese Firma gestoßen. Die Fahrzeuge sind komplett aus Aluminium und haben einen Stahlrohrrahmen. Sie sind für die Ewigkeit gebaut. Das Mobil ist zum Teil auch mit Holz aufgebaut. Es kann auch mal umfallen, aber es geht nicht kaputt."

Seinen "Tempo Matador 1400 Standard" aus dem Jahr 1954 hat Hermann Hajek nahezu zehn Jahre lang aufwendig restauriert: "Man muss halt die Teile mitunter ewig lang suchen." Der Zeitaufwand ist riesig, aber der Polizeibeamte nahm die Restauration mit viel Herzblut vor.

Lukratives Angebot abgelehnt

Vor zehn Jahren hätte ihm ein Niederländer auf die Hand 35.000 Euro für sein Fahrzeug geboten, doch Hajek fährt seinen Mikafa heute noch. Gegenwärtig arbeitet er an der Wiederbelebung eines 1955-er De Luxe. Zur Frage, was ihn am Mikafa-Wohnmobil immer wieder aufs Neue begeistert, sagte Hermanan Hajek kurz und trocken: "Schaun's rein, dann sehen Sie es!"

14 stolze Mikafa-Besitzer waren am Samstag in der Region unterwegs. Gegen 9 Uhr wurde am Posthotel gestartet, erstes Ziel war die Kleinrehmühle. Weiter ging es nach Kleinlosnitz, wo das oberfränkische Bauernmuseum besucht wurde. Danach wartete die Familie Rupprecht im Restaurant Egertal in Weißenstadt auf die Oldtimer-Fahrer. Am Fichtelsee unternahmen alle einen Spaziergang, für den Werner Herrmann einen hochprozentigen "Gruß" vom heimischen Schnapsbrenner Herbert Steinlein aus Neufang im Gepäck hatte. Abgerundet wurde der herrliche Sommertag mit einer Führung im Deutschen Dampflokomotiv-Museum. Im Wirsberger Schlossgarten wurden die Mikafa-Freunde zum Aperitif mit anschließendem Barbecue erwartet.

Hier gesellte sich auch Eva Wagner-Pasquier dazu, die Tochter Wolfgang Wagners. Sie kennt den Mikafa ihres Vaters noch aus ihrer Jugend: "Ich habe sehr viel Beziehung zu diesem Wohnmobil, weil ich mit meinem Vater damit viel unterwegs war. Deswegen bin ich auch so erfreut, dass dieses Fahrzeug wieder so schön hergerichtet wurde."

Dennoch war es für Eva Wagner-Pasquier kein Thema, das Wohnmobil zu behalten: "Ich werde doch nicht mit so einem Ungetüm durch die Gegend fahren, aber ich finde es großartig. Deswegen bin ich auch hier. Mein Vater war ja mit einer der Ersten, der diese Marke fuhr."

Ein Zufallskauf

Die Gründe, die die einzelnen Liebhaber zum Kauf eines Mikafa-Wohnmobils bewegten, sind unterschiedlich. Jochen Hauff, der auch Plochingen bei Stuttgart angereist war: "Es war eher Zufall, denn im Internet war ein kleiner Wohnwagen aus Aluminium aus dem Jahr 1954 inseriert. Der hat mich interessiert, und ich habe ihn dann günstig erworben. Erst später habe ich festgestellt, was ich da bekommen habe. Die Bauweise aus Aluminium war ja was Besonderes, denn der Hersteller hat dafür seine restlichen Flugzeugbleche verwendet. Das ist das Besondere an dem Fahrzeug, denn die sind komplett aus Aluminium. Mein Wohnwagen ist nunmehr 60 Jahre alt und rostet praktisch nicht. Wir sind jedes Jahr zwei, drei Mal mit dem Wohnwagen unterwegs, und alle Leute auf dem Campingplatz freuen sich, wenn sie dieses Fahrzeug sehen."

Jochen Hauff schätzt besonders die Einmaligkeit des Mikafa: "Wenn man sich heute einen Wohnwagen anguckt, dann sind die meistens aus Pappe und Plastik. Dieses Fahrzeug ist wirklich noch handwerklich gefertigt - mit Alu, Holz und Glas. Kunststoff gibt es hier gar nicht."

Keine Frage, die Mikafa-Liebhaber versuchen, das einfache Camping zu pflegen. Das bestätigt Holger Libuda:
"Nicht das, was man im Fernsehen immer wieder von irgendwelchen Dauercampern sieht, sondern hier stecken teilweise tolle Ideen dahinter. Die alten Wohnwagen wurden teilweise noch von den Firmeninhabern gebaut, die selber Camping machten. Heute sind es Ingenieure, die vielfach gar keinen Bezug mehr zu dem haben, was sie da herstellen."

Von der Landschaft begeistert

Das Resümee von Heike Berhorst aus Alsfeld nach der Rundreise lautete am Samstagabend: "Es war sehr schön, und die Ecke kannte ich überhaupt nicht. Wir hatten fantastisches Wetter. Die Landschaft hat mich besonders begeistert, die Höhenmeter und die riesigen Steine, die wir unterwegs gesehen haben. Ich habe noch nie so große Steine gesehen. Für mich war auch das Eisenbahn-Museum sehr interessant. Rundum eine gelungene Geschichte."