Unterschiedliche Investoren, Architekten und Fachleute haben sich das Gebäude der ehemaligen Malzfabrik Müller über Jahrzehnte hinweg angeschaut und sind vor weiteren Planungen oder auch Investitionen zurückgeschreckt. Die Planungen ergaben stets zu hohe Kosten bis hin zur Aussage ,unbezahlbar'.
Der Zustand zeigt einen zu großen Verfall, eine (Um-)Nutzung in jeder erdenklichen Art und Weise ist nur hochgradig unwirtschaftlich realisierbar. Und das alles, ohne dass dabei Fragen wie die mögliche mangelhafte Standsicherheit oder Altlasten bereits Berücksichtigung gefunden haben.
Hinzu kommt die besondere Lage dieses ehemaligen Industriegebäudes, bei dem die Rückseite des Bauwerks 13 Meter tief im Hang steckt und durch fehlende Öffnungen in diesem Bereich unterschiedlichste Nutzungen unmöglich macht. Die Denkmalschutzbehörde stuft das Gebäude zudem (mit Ausnahme des sogenannten Darrturms) als nicht denkmalschutzwürdig ein.
Das Gebäude selbst befindet sich im Privatbesitz mit allen sich daraus ergebenden Rechten und Pflichten. Durch die vorhandene Bebauung in der direkten Umgebung ergeben sich rechtliche Ansprüche in Bezug auf Größe und Volumen eines neuen Gebäudes.
Erklärtes Ziel aller relevanten politischen Parteien und Gruppierungen ist es, Wohnungen in der Innenstadt neu zu schaffen und diese nachzuverdichten, um Bauflächen auf der grünen Wiese zu minimieren. Hätte es nicht zu Recht einen breiten Aufschrei gegeben, wenn die Stadt das Gebäude erworben und damit ein "Millionengrab" mit letztendlich höchst eingeschränkter Nutzungsmöglichkeit gekauft hätte, und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem der Einsatz städtischer Gelder und Fördermittel zielorientiert für viele notwendige Maßnahmen eingesetzt werden müssen?
Der zusätzliche Wohnraum, der hier geschaffen wird, sorgt letztendlich auch dafür, dass Wohnen in Kulmbach bezahlbar bleibt.
Politik ist auch die Kunst des Machbaren und Finanzierbaren - und deshalb haben wir uns unter Abwägung unterschiedlichster Gesichtspunkte entschieden, dem Bauantrag zuzustimmen. Dies war ganz sicher keine leichte Entscheidung, die wir uns auch nicht leicht gemacht haben.
Dankbar sind wir den Kollegen der CSU, der SPD und der Grünen, die sich in der Stadtratssitzung mit sehr sachlichen und nachvollziehbaren Argumenten ebenfalls für diesen Bauantrag ausgesprochen haben.
Schade ist, dass Stadtratskollege Thomas Nagel (FDP) seine Visionen, aber auch seine Bedenken weder im Bauausschuss, in dem er Mitglied ist, noch im Stadtrat vorgestellt hat. So bleibt der fade Beigeschmack, dass es ihm nicht um die Sache, sondern um die Positionierung für die Stadtratswahl im nächsten Jahr geht.
Eine sehr gute Darstellung des Sachverhaltes und seiner Hintergründe, die dann ja letzlich auch zu dem bekannten Abstimmungsergebnis von 29 zu 1 führten. Warum jemand (der Eine) dann dieses eindeutige Mehrheitsergebnis nicht anerkennen will geht allerdings über mein Demokratieverständnis.