Wer das Laienschauspiel liebt, sollte sich eine der weiteren Aufführungen der Theatergruppe Brücklein nicht entgehen lassen. Denn die Premiere des Fünfakters "Oma gibt Gas" zur Kerwa entpuppt sich als wahres Feuerwerk der Komik. Pointenreich, akzentuiert und voller Power präsentiert sich die Gruppe grandios.

Die Handlung hat Fahrt, die Rollen sind gut verteilt, ein Brückleiner Plus unter der geschickten Regie von Susanne Hofknecht. Es kommen viele Facetten ins Spiel, von Kochkünsten und einem Spezialsprudel, der Liebesgelüste weckt, bis zu Schwangerschaften und militärischen Formationen. So, wie es in deutschen Haushalten tatsächlich zugehen könnte.



Italiener bringt Blut in Wallung


Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein smarter italienischer Nachbar bringt das Blut von drei Frauen - Oma, Schwiegertochter und angeheiratete Enkelin - in Wallung, sie verfallen ihm, weil die Liebe zum eigenen Partner nur noch blass glüht.

Es löst sich jedoch alles in Wohlgefallen auf, die Damen finden nach turbulenten Szenen, Missverständnissen und Eifersuchtsdramen zurück in heimische Gefilde. Die Vernunft siegt nach einer vermeintlichen und einer echten Schwangerschaft.

Aber vorher Mafia-Methoden, die Beretta am Kopf des Südländers, eine kurze Krimi-Einblendung, makabre Situationen à la "Der Pate".


Sieben Akteure in bester Spiellaune


Bei einer solchen Konstellation kommt es auf das Wie der Lösung an und das beherrschten die sieben Akteure perfekt. Allen voran Carmen Wich, die die Oma exzellent mimt. Ihr Gesichtsausdruck spricht Bände, alle Gefühlsregungen auslotend. Mit dem herben fränkischen Esprit - von dominant bis herzerweichend. Die Garantin für Lachsalven und Blicktiefe.

Auch ihr Pendant Frank Stöcker ist ein schauspielerisches Vollblut. Er kann Berliner Dialekt, den perfekten Stechschritt, sein Tanz ins Liebes-Nirwana hat Seltenheitswert. Stöcker ist der Inbegriff des Mimen, wenn er auch diesmal nicht im Mittelpunkt steht. Als Zinnfiguren-Fetischist balanciert er glänzend zwischen Hobby und Liebe.

Marco Zapf steigert sich von Jahr zu Jahr, die frühere Reserviertheit ist längst verschwunden. Locker, routiniert, souverän, spielt er seine Rolle mit einem großen Sprechpart.


Kongeniale Partnerin


Seine kongeniale Partnerin ist Tanja Herrmannsdörfer, fränkisch forsch und gleichermaßen moderat. Die frisch Getrauten Annika Schott und Christian Neus ergänzen das Team großartig. Sie, gut aussehend mit bestimmenden Charakter, zuweilen sensibel, hat den gewissen Brückleiner Charme. Herrlich auch, wie der Student Neus die Oma in die Geheimnisse des I-Pad einweiht.

Aber was wäre das alles ohne den neuen italienischen Nachbarn, dem Alexander Jungwirth eine persönliche, südländische Note verleiht. Ein Gigolo en vogue mit Goldkettchen- Handküsse und Rosen verteilend.

Dem gesamten Team gilt ein Sonderlob: Textsicher und auf den Punkt in Form. Eine gelungene Premiere mit den Gags an der richtigen Stelle und dem Herzblut der Akteure.

Für die Maske waren Tanja Schirmer, Michaela Schirmer und Jeanette Beetz verantwortlich, für das Bühnenbild Silke Strobel. Soufleuse war Kerstin Neumann. Teamarbeit wird in Brücklein groß geschrieben.

Weitere Auftritte am Freitag, 9. September, um 20 Uhr, in Leuchau in Werners Festhalle; am Samstag, 10. September, um 19,30 Uhr und am Sonntag, 11. September, um 16 Uhr im Untersteinacher Kleinkunstbrettla (www.okticket.de); am Freitag, 16. September, um 20 Uhr, am Samstag, 17. September, um 20 Uhr und am Sonntag, 18. September, um 16 Uhr im Schützenhaus in Neudrossenfeld.