Wolfgang Popp ist ein umgänglicher Mensch. Friedfertig. Kein Aufwiegler oder aggressiver Typ. Wenn der Schreinermeister spricht, dann klingt das ausgewogen, sachlich, moderat. Doch dem 64-Jährigen, dessen Familie das Anwesen am Mühlbach 3 schon seit Generationen bewohnt, reicht es. Er berichtet von Schäden an seinem Anwesen, offenbar angerichtet von überbreiten landwirtschaftlichen Gespannen. Die quetschen sich durch das kleine Sträßchen, das von Ködnitz aus zu den Rangenortschaften oberhalb führt. Die Traktoren sind so breit, dass sie akribisch in Zentimeterarbeit dirigiert werden müssen auf der maximal 3,90 Meter breiten Trasse. Riesige Anhänger mit drei Achsen machen es Popp zufolge unmöglich, die dortige Kurve zum Kulmbacher Tierheim in einem Zug zu meistern. Das Gespann müsse mehrfach zurücksetzen.

Dennoch bleibe es nicht aus, dass der Privatgrund der Popps überfahren wird. Das wollte die Familie nicht mehr dulden - auch aus Sorge um ihre Schreinerei, die dicht an der Straße steht. Tochter Bettina sicherte das Grundstück mit Steinen - ohne Erfolg. Der Fahrer eines großen Traktors schob mit seinen Anhängerreifen die Barriere weg und rollte abermals über den Rasen. Auch die Einfriedung wurde beschädigt - nach Spurenlage offensichtlich von einem Anhänger. Seine Reifen schoben die Platten auf der kniehohen Mauer einfach weg.

Gleich gegenüber liegt das Anwesen der Lepperts. Hier überfahren die Zugmaschinen den Rinnstein und nähern sich bedrohlich dem Haus. Das hat bereits Schaden genommen - allerdings durch einen Laster. Doch bei der Größe der heutigen Traktoren-Monster scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es wieder kracht. "Die fahren mit Kisten, die so groß sind, dass einem himmelangst wird", sagt Marco Leppert (44).

"Es wird einem himmelangst"

Auch außerhalb der Ortschaft sind Schäden entstanden. Dort misst die Straße hoch zum Tierheim nur 2,4 Meter. Die Gespanne müssen ob ihrer immensen Breite die Bankette befahren, die merklich gelitten haben. Zahlreiche Leitpfosten wurden abgeknickt, und einige Hundert Meter oberhalb der Ortschaft sind Leitplanken so instabil geworden, dass sie abrutschten. Die Fahrbahnränder weisen teils Risse auf. Die Strecke ist eigentlich auf 7,5 Tonnen limitiert. Mit einer Ausnahme - landwirtschaftlichen Maschinen. "Die Landwirtschaft hat einen Freifahrtschein", so Leppert.

Weitere Schäden sind zu befürchten: Im Straßenkörper der betroffenen Bereiche sind diverse Versorgungsleitungen verlegt: Die Wasserleitung etwa, aber auch die Verrohrung des Mühlbaches nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Bei einer derartigen Belastung werden über kurz oder lang Schäden auftreten, die dann auf Kosten der Allgemeinheit behoben werden müssen.

Fahrer: Umweg ist unwirtschaftlich

Bei einer Gemeinderatssitzung versuchte ein Vertreter des Maschinenrings, diese Befürchtungen zu zerstreuen. Mit dem Hinweis darauf, dass die breiten Reifen den Druck der Maschinen so verteilen, dass hier keine Gefahr besteht.

Damit aber geben sich die Betroffenen nicht zufrieden. Marco Leppert weist darauf hin, dass die Gespanne locker "50 bis 60 Tonnen auf die Waage bringen können", also das Achtfache der höchstzulässigen Tonnage. Für die Straße sei es gleich, ob die Belastung von einem Traktor herrührt oder von einem anderen schweren Fahrzeug. Deshalb fordert der 44-jährige Industriemeister die Bestellung eines "wirklich unabhängigen Sachverständigen", der die Gefährdungslage objektiv einschätzt. "Wir brauchen eine Tonnage-Beschränkung für ausnahmslos alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen."

Bislang war eine solche Forderung unnötig. Denn mit den örtlichen Bauern gab es derlei Probleme nicht. "Wir kommen gut miteinander aus, und wir haben auch Verständnis für die Lage der Landwirtschaft", wirft Wolfgang Popp ein. Zu den Problemen sei es erst seit Sommer letzten Jahres gekommen, als ein Unternehmer aus dem Neuenmarkter Gemeindebereich Auftragsfahrten für Landwirte übernommen hat. Man habe mit den Fahrern über die Situation gesprochen und vorgeschlagen, eine andere, besser geeignete Route über Trebgast zu wählen oder kleinere Gespanne einzusetzen. Beides aber sei abgelehnt worden: unwirtschaftlich. Und der Umweg von acht Kilometern war den Fahrern zu lang.

Die Stimmung ist gereizt

Ein sachlicher Diskurs in dieser Angelegenheit scheint immer schwerer. Zwar sind die Anlieger eigenen Angaben zufolge für alle sinnvollen Lösungen offen, die Traktor-Fahrer aber reagieren demnach zunehmend gereizt. So haben sich am letzten Juni-Sonntag angeblich fernsehreife Szenen in Ködnitz zugetragen. Ein landwirtschaftliches Gespann hatte sich wieder einmal festgefahren, dahinter standen drei Pkw-Lenker, die empört hupten, weil sie ihren Weg fortsetzen wollten. Als dann noch Anlieger Siegfried Leppert die Szene mit der Kamera festhalten wollte, sei es zu einem Übergriff gekommen. Der Traktorfahrer sprang demnach wutentbrannt aus dem Führerhaus und wollte dem 80-jährigen Senior in Wildwestmanier die Kamera entreißen.

"Mit der Polizei gedroht"

Emotionale Ausbrüche hat auch schon Bettina Popp miterlebt, die Tochter des 64-jährigen Schreinermeisters. Sie wurde aufgefordert, die Steine zu entfernen, mit denen sie das familieneigene Grundstück sichert. "Der Fahrer hat mir mit der Polizei gedroht." Zudem sollte sie schon ihren geparkten Wagen wegfahren, der an der Straße geparkt ist und den Traktoren im Weg steht. Doch das vorübergehend stillgelegte Auto befindet sich nicht auf öffentlichem, sondern auf privatem Grund der Familie Popp.

Dem Gemeinderat ist die Problematik bekannt, eine Lösung des grundsätzlichen Problems lässt aber seit langem auf sich warten. Einen möglichen Grund hierfür machen die Anlieger in der Zusammensetzung des Gremiums aus: Im Rat haben verschiedene Landwirte Sitz und Stimme.