Trockenheit und Schädlinge bedrohen den Wald im Landkreis Kulmbach
Autor: Rebecca Vogt
LKR Kulmbach, Mittwoch, 24. Juli 2019
Die aktuelle Situation in den Wäldern im Landkreis Kulmbach ist katastrophal, wie zwei Fachleute erklären. Gegenmaßnahmen lassen sich jedoch nur bedingt ergreifen.
Ein Waldstück bei Marktschorgast. Die Sonne scheint durch die Baumwipfel. Unter den Füßen rascheln Fichtenzapfen und Zweige bei jedem Schritt. Eigentlich die pure Idylle. Doch der Schein trügt. Denn den Bäumen ringsum geht es nicht gut. Von Zeit zu Zeit ist ein leises Rieseln zu hören - immer dann, wenn wieder einige Nadeln von den Baumwipfeln aus auf den Boden fallen. "Die Bäume sind vom Borkenkäfer befallen", erklärt Carmen Hombach, Försterin der Stadt Kulmbach und Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kulmbach-Stadtsteinach.
Sie deutet auf verschiedene Stellen im unteren Bereich eines der Baumstämme. Kleine Häufchen aus bräunlichen Ablagerungen sind dort zu entdecken: Bohrmehl. Zwei von Hombachs Mitarbeitern bei den Stadtwerken sind gerade damit beschäftigt, die befallenen Bäume zu fällen und aus dem Wald zu räumen. Bei der Hitze der vergangenen Tage ein Knochenjob - in voller Montur mit schweren Sicherheitsschuhen, dicken Arbeitshosen und Schutzhelm.
"Für den Wald ist das eine Katastrophe", sagt Hombach, angesprochen auf die große Trockenheit und den starken Schädlingsbefall. Auch Michael Schmidt, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kulmbach, greift zu einer ähnlichen Wortwahl und betont: "Die Situation ist nicht mehr nur angespannt, sondern katastrophal." Trockenheit und Schädlinge machen den Bäumen zu schaffen. Die Holzpreise befinden sich im Keller. Waldbesitzer seien oft nicht nur finanziell, sondern auch emotional von den Schäden betroffen, berichtet Schmidt. Gegenmaßnahmen lassen sich indes nur bedingt ergreifen. Ein Überblick:
1. Trockenheit
Wie Schmidt erklärt, wirkt die Trockenheit aus dem vergangenen Sommer immer noch nach. Auch im Winter habe es zu wenig geregnet. Heuer schließlich setzt sich die große Trockenheit fort. Einzig der eher kühle und feuchte Mai habe hier eine Ausnahme gebildet. Dass es immer wieder einmal besonders trockene Jahre gibt, sei normal - so geschehen etwa 1976 oder 2003. Aber: "Zwei Jahre in Folge - das ist verheerend." Auch kurze Schauer oder Gewitter brächten keine Entspannung, da Bäume tiefer wurzeln als etwa Garten- oder Ackerpflanzen und sich dementsprechend auch aus diesen Schichten ihr Wasser holen.
2. Schädlinge
Begünstigt durch Trockenheit und Wärme fühlen sich Insekten wie der Borkenkäfer in unseren Gefilden sehr wohl, was zu einer regelrechten Massenvermehrung der Tiere geführt hat. Zudem mache die Trockenheit die Bäume anfälliger. "Eine Borkenkäfer-Welle in dieser Art und Weise habe ich so noch nicht erlebt", berichtet Schmidt. Die Käfer bohren sich in die Rinde der Bäume ein. Deren Brut bringt den Baum zum Absterben. Etwa 50 Borkenkäfer, die ihre Brut ablegen, würden pro Baum ausreichen. "Wir sprechen hier von hunderten Millionen. Das kann man gar nicht zählen", sagt Schmidt. Fichte, Tanne, Lärche und Kiefer zählten zu den am stärksten betroffenen Bäumen.