Studium: Haben Flüchtlinge Vorteile gegenüber Kulmbacher Schülern?
Autor: Ursula Prawitz
Kulmbach, Montag, 06. Juni 2022
Ein Beschluss der Kultusministerkonferenz sorgt bei den Abiturienten in Bayern für Diskussionen. Es geht um Schüler aus der Ukraine.
Die Abiturienten in Bayern standen kurz vor ihren Abschlussprüfungen, als die Kultusministerkonferenz (KMK) am 20. April verkündete: "Schülerinnen und Schüler, die fluchtbedingt ihren Sekundarschulabschluss in der Ukraine nicht abschließen können, können sich in Deutschland dennoch für ein Studium bewerben." Für die bayerischen Abiturienten das richtige Signal so kurz vor den Prüfungen?
"Ich sehe das schon kritisch", meint Katharina Piel aus Kulmbach, die ihre Abiturprüfungen jetzt hinter sich gebracht hat. "Viele von uns haben in ihr Abitur viel Zeit und vielleicht auch Geld (für Nachhilfe) investiert, vieles hängt von der Abinote ab", sagt sie und fragt sich, ob ihre Bemühungen auf einmal wertlos und sinnlos seien.
"Wir hatten auch viele Nachteile durch Corona, mussten mit massiven Unterrichtsausfällen und schlechten Internetverbindungen zurechtkommen." Viele Schüler hätten zudem Angst vor Ansteckung gehabt und mit Angst oder gar nicht im Unterricht gesessen. Etliche könnten aufgrund von Long-Covid nicht ihre beste Leistung erbringen.
"Natürlich ist diese Situation nicht vergleichbar mit einem Krieg, und prinzipiell ist es super, dass die ukrainischen Schüler die Chance erhalten, sich leichter zu integrieren", sagt die Schülerin. Gleichzeitig verweist sie aber darauf, dass auch viele afrikanische oder afghanische Flüchtlinge oft keine Chance hätten zu arbeiten. "Wenn man von Chancengleichheit spricht, sollte man auch auf Gleichheit achten."
Das findet auch Sama Kamgar (21). Sie flüchtete im Februar 2017 mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Deutschland und konnte sogar schon ein bisschen Deutsch und auch Englisch. "In Afghanistan besuchte ich mit 17 Jahren die 11. Klasse", erzählt die Schülerin, die derzeit die 11. Klasse der Fachoberschule besucht. Am Gymnasium in Kulmbach musste sie in 10 Fächern aus der 9. und 10. Klasse Prüfungen ablegen, alles in Deutsch, "dazu der normale Schulstoff, das war einfach zu viel und ich habe die Probezeit nicht bestanden".
Frustrierend für die junge Frau. Schließlich gab sie auf, ging an die Mittelschule, absolvierte Quali und Mittlere Reife und will jetzt erst einmal ihr Fachabitur machen, vielleicht auch noch das 13. Jahr, will gerne später Sozialarbeit studieren. "Damals empfand ich das Vorgehen als normal, heute empfinde ich es als ungerecht." Sie habe das Gefühl, dass es ukrainischen Flüchtlingen viel leichter gemacht werde. "Ich hätte mir auch so viel Hilfe gewünscht, Krieg ist Krieg."
Farah Al-Said (Name von der Redaktion geändert) aus dem Irak hatte ebenfalls zu kämpfen. "Es wurde absolut nichts anerkannt", erzählt die 32-Jährige, "dabei hatte ich im Irak bereits sechs Semester Lehramt studiert". Seit 2015 ist sie hier, ihre Deutschkenntnisse sind auf B2-Niveau, bald schon auf C1, und dennoch müsste sie zunächst das einjährige Studienkolleg absolvieren. "Das dauert für mich zu lange, ich werde nun eine Ausbildung machen", sagt die Mutter zweier Kinder.