Er wettert gegen den Westen. Sie "schauen uns an wie Freunde, aber sie erfreuen sich an unserem Tod und an dem unserer Kinder", hat der türkische Präsident Erdogan jüngst geschimpft. "Ich kann mich mit so manchen Aussagen Erdogans natürlich nicht anfreunden", sagt der Kulmbacher Martin Schunk, der die Aufgabe hat, die Türkei 2015 in den USA zu repräsentieren. Der 21-Jährige nimmt nämlich als Mitglied einer Delegation der Uni Bamberg vom 28. April bis zum 2. Mai am National Model United Nations (NMUN) teil, der größten Konferenzsimulation der Vereinten Nationen im UN-Hauptquartier in New York.

Der oberste Knopf bleibt zu

Business-Anzüge hat sich Martin Schunk für den Amerika-Trip schon gekauft, denn bei der Studenten-UN-Konferenz wird auf Etikette großer Wert gelegt.
"Bei Reden, die wir halten, muss der oberste Knopf der Jacke wie bei einer UN-Vollversammlung immer geschlossen sein", weiß der 21-Jährige, der am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium sein Abi gemacht hat. Schunk freut sich darauf, in den USA Politik hautnah zu erleben. "Das wird interessant. Wir lernen dort, wie man auf internationaler Ebene arbeitet."

Studenten aus aller Welt

Kennenlernen wird er auch viele Studenten aus aller Welt. Über 5000 nehmen an der Konferenz teil. "Da findet ein großer kultureller Austausch statt." Der 21-Jährige, der Anglistik und Germanistik im fünften Semester studiert, liebt, wie er betont, Sprachen. Er werde wohl später auch keinen Job im diplomatischen Dienst anstreben, sondern wolle im Bereich Medien oder PR tätig werden.

Syrien und die Flüchtlingspolitik

Die Türkei ist das Land, das er und die anderen 15 Studenten der Uni-Delegation vertreten. Die Türkei wurde den Bambergern in einem Bewerbungsverfahren zugelost. "Es geht um die türkische Außenpolitik, um Syrien und die Flüchtlingspolitik, generell aber um Menschenrechte und auch um den Konflikt zwischen Israel und Palästina im Nahen Osten", informiert Schunk, der in die Rolle eines türkischen Diplomaten schlüpfen wird. "Wir müssen türkische Positionen vertreten, auch wenn wir persönlich nicht dahinter stehen." Das sei grundsätzlich machbar. "Man muss in einer 60 Sekunden langen Rede eine Rolle spielen und sich in Politiker des jeweiligen Landes hineinversetzen." Um deren Sichtweisen kennenzulernen und deren Argumente in New York vertreten zu können, informieren sich die Studenten über die Medien, sie werden sich im Vorfeld aber auch noch mit einem türkischen Diplomaten in Berlin treffen.

Im Sheraton-Hotel

Die Konferenz findet nicht im UN-Hauptquartier, sondern im Sheraton-Hotel statt. Dort übernachten die Studenten auch. "Das ist uns aber nur möglich, weil die Kosten von Sponsoren übernommen werden."