Als Abdo Al Jerodi (45) mit seiner Frau Wofa Mahmud (38) und den Kindern Mohammad (20), Hidr (19), Ali (16), Salam (10) und Isla (2) sein Heimatland Syrien verließ, hatte er nur eines im Sinn: in Frieden leben. Die Kinder sollten in einem Land ohne Krieg aufwachsen, eine gute Zukunft haben. Mehr Wünsche hat die Familie nicht. Sie beantragte Asyl in Deutschland, kam schließlich in einem Haus in Losau unter.

Das war im August 2014. Jetzt - ein halbes Jahr später - hat die Familie den Flüchtlingsstatus bekommen, der zunächst auf drei Jahre begrenzt ist. Damit hat die Familie das Recht auf Bewegungsfreiheit innerhalb Deutschlands und auch in anderen Ländern. Die Familie hat ein Recht auf Bildung, auf medizinische Versorgung und auf Programme, die die Eingewöhnung erleichtern. Und vor allem ein Recht, sich eine eigene Wohnung zu suchen. Denn in dem Moment, als die Familie den Flüchtlingsstatus erhielt, wollte und sollte sie aus der dezentralen Unterkunft in Losau ausziehen.

Schwierige Wohnungssuche

"Aber für eine siebenköpfige Familie ist das gar nicht so einfach", sagt ein Ehepaar aus Stadtsteinach, das der arabischen Sprache mächtig ist und engen Kontakt mit den Al Jerodis pflegt. Das Ehepaar, das sich ehrenamtlich stark für die Flüchtlinge engagiert, aber davon kein Aufhebens machen möchte, hat versucht, gemeinsam mit der siebenköpfigen Familie eine Wohnung zu finden.

Fehlanzeige. Nirgendwo war eine Wohnung in Sicht, die auch nur annähernd groß genug war. Nicht in Rugendorf, nicht in Kulmbach, nicht in Coburg oder der näheren Umgebung. Schließlich schaute sich die syrische Familie das ehemalige Gasthaus Hümmer an - und bot an, bei der Instandsetzung selbst mit Hand anzulegen. Auch wenn das Gasthaus und die im Obergeschoss liegende Wohnung seit Jahren leer steht, könne man etwas daraus machen, sagt Abdo Al Jerodi. Der 45-Jährige wurde sich mit dem Besitzer schnell handelseinig.

Eigentümer hilft mit

Mit Unterstützung von Eigentümer Benno Dressel wollen die Al Jerodis jetzt im Obergeschoss ein neues Leben beginnen. Sie räumen das alte Gasthaus aus, sanieren und werden nicht müde zu werkeln. "Wir sind froh, dass wir nicht mehr rumsitzen müssen, sondern etwas tun können", sagt der Familienvater. Seine Söhne Mohammad und Hidr haben keine Zeit, Auskunft zu geben. Sie schaufeln gerade das Flachdach ab, beseitigen die alten Schieferplatten im Dachgeschoss, die bei der Notsicherung achtlos in die Zimmer geworfen worden waren. Auch wenn sie gar nicht ins Dachgeschoss einziehen, sondern ins mittlere Stockwerk, sind sich die Jungs für keine Arbeit zu schade. Sie packen mit an, werkeln, machen sauber.

"Wir schaffen es nicht, zum Termin auszuziehen. Denn erst in zwei Wochen werden Strom und Wasser verfügbar sein", sagt Abdo Al Jerodi. Doch bis dahin erledigen die Männer die gröbste Arbeit. Einige Zimmer sind, obwohl sie jahrelang leer standen, in einem Zustand, der gar nicht einmal so schlecht ist. Al Jerodi setzt sich - wie zum Beweis - auf ein Jugendbett und findet es sichtlich gut. Schon bald könnte in dieses Zimmer eines der Kinder einziehen. Dass an der Wand ein überdimensionaler Weltball prangt, der sicherlich nicht mehr ganz modern ist, stört ihn nicht.

Das alte Gasthaus mit Wohnung, das viele Jahre vor sich hinvegetierte, soll für die syrischen Flüchtlinge zum Haus der Hoffnung werden. "Es ist natürlich eine tolle Sache, dass wieder Leben in die ehemalige Gaststätte kommt", sagt Bürgermeister Roland Wolfrum und freut sich, dass der syrischen Familie geholfen werden kann. "Jetzt ist sie auf sich gestellt. Das ist sicher nicht leicht", räumt auch Wolfrum ein und hofft auf einen guten Neustart.

"Nebenbei" bemühen sich die Flüchtlinge darum, alle Behördengänge zu erledigen. Sie müssen Hartz IV beantragen, sich um einen Job kümmern. "Arbeit ist wichtig", sagt der Familienvater. Eigentlich sind die Al Jerodis gelernte Restaurant-Fachkräfte. Auch in Syrien haben sie damit ihr Geld verdient, eine Hühnerfarm hatten sie obendrein. Auch für andere Arbeiten sind sie sich nicht zu schade. Hauptsache, der Neuanfang gelingt, sagen alle.

Intensiv-Sprachkurs geplant

Dass sie nach dem Einzug an einem Intensiv-Sprachkurs teilnehmen werden, ist für Al Jerodis selbstverständlich. Die jüngeren Kinder lernen ohnehin schon kräftig Deutsch. Sie besuchen die Stadtsteinacher Schule und erhalten von der ehrenamtlichen Lehrerin Bettina van Plüren Sprachunterricht.