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Stadtsteinach: Kostet die Umgehung Kunden?


Autor: Sonja Adam

Stadtsteinach, Montag, 20. Dezember 2021

Die Umgehung um Stadtsteinach ist eröffnet. Die Innenstadt ist jetzt verkehrsärmer. Doch wie wirkt sich das auf die Stadtsteinacher Geschäfte aus? Aktuell sind die Händler noch uneins.
Ulrike Groß von der Bäckerei Groß in Stadtsteinach hat aktuell noch keine Umsatzeinbußen. Sie hat eine Hermes-Paketdienststelle und sie profitiert von der Sperrung des Kreisels. Foto: Sonny Adam


"Die Umgehung ist nicht gut für Stadtsteinachs Ladenbesitzer." - Mit diesen klaren Worten ziehen Günter und Martina Kodisch eine erste Bilanz. Das Bäckerehepaar hält nicht viel von Schönrederei. "Warum denn? Man muss sagen, wie die Entwicklung ist. Sonst meinen die Leute hinterher, wenn es nicht mehr geht, wir haben es nicht gewusst. Wir hatten durch Corona schon 25 Prozent Einbußen. Jetzt geht es weiter. Das langsame Sterben hat begonnen", sagt Bäcker Kodisch.

Um die Traditionsbäckerei weiter am Leben zu halten, haben die Inhaber das Personal von acht auf vier reduziert. "Wir merken es vor allem früh, wenn es den Leuten auf jede Minute ankommt, dass das Geschäft zurückgeht", sagt das Ehepaar. Es werden weniger Leute, die zufällig an der Bäckerei vorbeifahren, die direkt auf der Straße vor dem Laden halten und sich eine Brotzeit mitnehmen, fehlen - aktuell auch deshalb, weil Pendler aus Richtung Rugendorf nicht mehr durch die Stadtsteinacher Innenstadt kommen.

Zunehmend schwerer

"Wir haben natürlich aktuell das Weihnachtsgeschäft, das einiges auffängt", will der Traditionsbäcker dennoch nicht zu sehr schwarzmalen. Doch kleine Bäckereien hätten es zunehmend schwerer, auch deshalb, weil die Supermärkte Backwaren anbieten und ebenfalls Bäckershops integriert hätten.

Das Weihnachtsgeschäft tröstet auch die anderen Stadtsteinacher Ladenbesitzer. "Zu uns kommen die Leute und kaufen Plätzchen und Stollen. Eigentlich ist es sogar ein bisschen besser als sonst", erklärt Ulrike Groß von der Bäckerei Groß. Natürlich lockt die Hermes-Paketstation einige Kunden zusätzlich in die kleine Bäckerei, gerade jetzt, wo viele Pakete verschickt werden.

"Es ist schon ruhiger geworden", sagt Schuhhändler Heiko Wich. Er hat sein kleines Geschäft direkt gegenüber der Bäckerei Kodisch. "Wir profitieren natürlich auch von Touristen, die wandern und die sich neue Schuhe kaufen. Aktuell ist es sehr ruhig", sagt Wich. Er hofft einfach darauf, dass die Tagesgäste und Touristen in der nächsten Saison trotz Umgehung wieder den Weg in sein kleines Schuhgeschäft finden werden. "Und ich habe ja auch viele Stammkunden", weiß der Schuhhändler. Diese Kunden schätzen es, dass er ein überschaubares Sortiment hat, dass er jeden Wunsch erfüllt und auch Schuhe nach individuellen Wünschen bestellt.

Eine gewisse Ruhe vor den Feiertagen stellt auch Konditor Michel fest. "Im Café haben wir einige Stammgäste. Die kommen immer", erklärt Erika Michel. Aktuell kaufen die Stadtsteinacher handgemachte Plätzchen und erlesene Lebkuchen - sonntags natürlich die legendären Michel-Torten. "Wie sich die Umgehung auswirkt, werden wir wohl erst im Sommer sagen können. Dann sehen wir, ob die Leute in die Innenstadt kommen", so Gerhard Michel.

Blumen Birgit hat vor den Feiertagen Hochkonjunktur. "Wir sind nicht von Leuten, die zufällig vorbeifahren, abhängig. Unsere Kunden kommen gezielt. Das sind Stammkunden, die die Atmosphäre lieben. Um Weihnachten geht das Geschäft, Januar wird es ohnehin ein bisschen ruhiger", erklärt Birgit Riemer.

Kunden bleiben treu

Derzeit hat sie ihren Laden in ein adventliches Weihnachts-Wunderland verwandelt: Weihnachtssterne, Orchideen und Blumenarrangements verbreiten ein bisschen festliches Flair. Die Kunden strömen aus der gesamten Umgebung herbei - auch aus Rugendorf, Ludwigschorgast, Untersteinach, Kupferberg. Selbst die Tatsache, dass der direkte Weg aus Rugendorf gesperrt ist und die Kunden über die Abfahrt Mitte in die Innenstadt fahren müssen, tut dem Geschäft keinen Abbruch.

Kundin Marion Lindner kommt eigens von Marktleugast nach Stadtsteinach, um hier einzukaufen. "Wir gehen heute in Stadtsteinach zum Testen und dann kaufen wir auch noch Anisknoten. Die gibt es so nur beim Kodisch", schwärmt sie. Die Umgehung kann sie daran nicht hindern. "Wenn man in die Innenstadt möchte, fährt man halt runter", sagt Lindner.

Hoffen auf gute Entwicklung

Auch Elke Wagner vom Stadtsteinacher Teeladen will in das Wehklagen nicht einstimmen. In ihrem Laden geben sich derzeit Geschenk-Suchende die Klinke in die Hand. "Ich habe ja erst im Juli eröffnet. Dann war erst mal drei Wochen Vollsperrung. Jetzt habe ich einige Stammkunden gewonnen - ich hoffe, diese gute Entwicklung geht weiter", gibt Elke Wagner Auskunft.

Sie berät aktuell wieder eine Kundin. 90 Teesorten hat sie im Angebot. Doch der absolute Renner sind das Pressecker Schneegestöber und der Stadtsteinacher Winterzauber. Denn diese Teesorten gibt es nur bei ihr. Auch Elke Wagner sammelt Punkte, weil sie DHL-Pakete annimmt. Und beim Verschicken der Pakete nehmen viele auch gleich noch Geschenke, Bio-Wein, Honig oder Pralinen mit. "Und weil ich Lebensmittel habe, gibt es auch keinerlei Beschränkungen", so Wagner. Sie setzt auf Stammkunden und auf die Treue der Stadtsteinach. Schließlich ist der Teeladen einer der letzten Läden am Stadtsteinacher Marktplatz.