Kegeln - der Sport der Serien-Meister
Autor: Tobias Herrling
Neudrossenfeld, Freitag, 13. März 2020
Wechselnde Titelträger? Nervenkitzel bis zum letzten Spieltag? Auf der Suche nach der "langweiligsten" Bundesliga gerät das Sportkegeln in den Fokus.
Die Ausbreitung des Coronavirus legt die Sportwelt lahm. Um das Virus einzudämmen, bleiben Fußballplätze und Hallen leer. Aktuellen Sport gibt es nicht mehr. Zeit, sich auf die Suche nach der vermeintlich "langweiligsten" Bundesliga Deutschlands zu machen. Eine Sportart rückt besonders in den Fokus: das Sportkegeln. "Schuld" daran sind auch zwei Oberfranken.
Spielen die Sportkegler in der langweiligsten Bundesliga Deutschlands? Timo Hoffmann verneint energisch. Der Neudrossenfelder hat mit dem SKC Rot-Weiß Zerbst (Sachsen-Anhalt) kürzlich die 15. Meisterschaft in Folge geholt - selbst wenn die im Moment ausgesetzte Saison nicht zu Ende gespielt wird. "Wir sind in jedem Fall Meister. Eine Annullierung wird es nicht geben. Pokal und Champions League sind aber abgesagt", sagt Hoffmann. Bis Anfang Juni hätten die Sportkegler Zeit, ihre Saison zu beenden.
Sollte die Saison abgebrochen werden, dann mit dem aktuellen Tabellenstand - und da liegt Zerbst uneinholbar auf Rang 1. "Es ist unser Wunsch, die beiden verbleibenden Spiele nach Möglichkeit noch zu spielen." Obwohl Zerbst seit Jahren die Liga dominiert, sagt Hoffmann: "Es ist jedes Mal eine neue Herausforderung, weil sich die Gegner verstärken und wir nicht jedes Jahr mit dem gleichen Kader antreten." Seit 2004 kegelt der 50-Jährige in Zerbst und wurde nur in seiner ersten Spielzeit bei den "Rot-Weißen" nicht Meister. Hoffmanns Ex-Klub Victoria Bamberg, zwischen 1990 und 2005 achtmaliger Meister, hatte sich die Meisterschaft geholt.
Seitdem gingen jährlich die Titel in die knapp 22 000 Einwohner zählende Stadt südöstlich von Magdeburg. Aber wie erklärt sich die Zerbster Überlegenheit? An den Rahmenbedingungen, sagt Hoffmann, liege es nicht. "Es gibt Vereine, die aufgrund ihrer Lage bessere Voraussetzungen haben." Zerbst profitiere aber davon, dass es keine höherklassige Konkurrenz gebe. Die Sponsoren investieren in die erfolgreichen Kegler und ermöglichen einen Etat von rund 160 000 Euro.
Weil Zerbst national und international an allen Wettbewerben teilnimmt, gehe ein Großteil für den Spielbetrieb drauf. Zudem stehe die Region hinter dem Dauer-Meister. 100 und mehr Zuschauer sind bei Heimspielen keine Seltenheit. "Wir haben ein treues Publikum und eine hohe Nachfrage. Durch unsere stetigen Erfolge haben wir in Sachsen-Anhalt eine sehr gute Stellung."
Handballer und Fußballer ohne Chance
Das zeigen auch die Wahlen zu den Sportlern des Jahres, bei denen die Zerbster regelmäßig gewinnen und selbst Magdeburgs Handballer und Fußballer kein Land gegen die Kegler sehen. Ein weiterer Erfolgsgrund sei die Konstanz im Kader. "Wir haben keine große Fluktuation und viele Spieler sind schon Jahre bei uns", sagt Hoffmann. Den Hauptgrund sieht er aber in der Organisation des Vereins. "Wir haben die besten Strukturen der Liga", ist sich der Neudrossenfelder sicher. Beispielsweise gibt es einen Teamchef, der sämtliche Organisation übernimmt. Für die Spieler bedeute das: volle Konzentration auf den Sport.
"Der Leistungsdruck in Zerbst ist natürlich hoch. Aber die Spieler kommen nur zum Kegeln und können alles andere ausblenden." Dass der Dauer-Meister abgelöst werden könnte, deutet sich nicht an. Denn die "Rot-Weißen" haben unter anderem mit dem Bamberger Florian Fritzmann die Mannschaft verjüngt. "Die Neuzugänge haben unser Niveau sogar noch angehoben", sagt Hoffmann. Für den Neudrossenfelder ist die Dominanz aber nicht in Stein gemeißelt: "Sport ist dynamisch. Wenn sich Rahmenbedingungen ändern, kann auch schnell die Konkurrenzsituation eine andere sein."