Wo das Grenzgebiet verläuft, haben die "Siebener" erkundet, die in Marktschorgast unterwegs waren und die Gemeindegrenzen zu Himmelkron und Wirsberg markiert haben.
Es ist früh um 9 Uhr und hat gerade mal sechs Grad, als sich 27 Marktschorgaster Bürger mit zweitem Bürgermeisters Nikolaus Ott auf machen, um zu Fuß die Gemeindegrenzen zu Himmelkron und Wirsberg zu erkunden. Die Aufforderung des 75-jährigen Richard Rupprecht, Obmann der Feldgeschworenen, Farbe mitzunehmen, um die Grenzstein zu markieren, hat gefruchtet. Hermann Müller, stellvertretender Obmann, hat jedoch seine liebe Mühe und Not, auf den vielen Steinen den Grenzverlauf mit Sprayfarbe zu kennzeichnen, mitunter muss er mit Hilfe einer Stahlbürste das darauf befindliche Moos entfernen.
Das Siebenergeheimnis Entlastet wird er, wenn entlang des Forstweges in erster Linie an der Grenze zu Himmelkron Steine mit weißer Markierung liegen. Landwirt Dietmar Stenglein glaubt den Grund hierfür zu kennen: "Die sind vermutlich bei der Holzabfuhr in Mitleidenschaft gezogen worden. Da haben die Feldgeschworenen die Aufgabe, sie an Ort und Stelle zu sichern, entsprechend des jeweiligen Siebenergeheimnisses." In der Nähe von Unter-Pöllitz, an der Grenze zu Wirsberg-, wird nach zweieinhalb Stunden auf dem Laubenweg eine Pause eingelegt.
Im Buch "200 Jahre Bayerische Vermessungsverwaltung" heißt es: "Grenzumgänge sind ein uraltes fränkisches Brauchtum. Die Begehung der Gemeindegrenzen erfolgt in regelmäßigen Abständen unter Beteiligung der Bevölkerung. Überliefert sind verschiedene Methoden, um die Erinnerung an die Grenzpunkte wach zu halten: Stauchen auf einen Grenzstein, Ziehen an den Haaren, Zupfen und Drehen an den Ohren, Ohrfeigen, Verteilen von Kuchen, Wecken oder Obst." Dieses Vorgabe wird in Marktschorgast um einen Punkt erweitert, wird bei Unter-Pöllitz doch eine Erfrischung gereicht. Alter Streit, der zwischen den Bürgern herrschte, muss zum Ende des Grenzganges übrigens begraben werden. So wollte es der alte Brauch. Und nicht zuletzt auch deshalb wird auch am Ende dieser Grenzbegehung noch eine gemeinsame Einkehr eingelegt.
Hüter der magischen Schwellen Schon die Beinamen der Feldgeschworenen klingen geheimnisvoll: "Siebener", "Hüter der Grenzen" oder sogar "Hüter der magischen Schwellen" werden sie genannt. Früher waren Grenzbegehungen notwendig, um den Waldbesitz der Gemeinden zu sichern, um Grenzstreitigkeiten mit den benachbarten Gemeinden an Ort und Stelle zu bereinigen und die Grenze durch natürliche Zeichen festzulegen, sagt Hermann Müller.
"Das fördert die Gemeinschaft" Als man alle Gemarkungs- und Waldgrenzen abgesteint hatte, waren die Grenzbegehungen nicht mehr durch die Behörde vorgeschrieben. Doch die Marktgemeinde Marktschorgast lädt in gewissen Abständen die Einwohner freiwillig zu einer Grenzbegehung ein. "Das fördert auch die Gemeinschaft, und die Bürger können sich ein Bild von der Größe des Gemeindegebietes machen, das rund 1582 Hektar umfasst", meint zweiter Bürgermeister Nikolaus Ott, der einer der wichtigsten Grenzgänger dieses Rundgangs neben den Feldgeschworenen Heinrich Günther, Ulrich Reinhardt und Martin Greim war.
Insgesamt erstreckt sich die Marktschorgaster Gemeindegrenze auf eine Länge von 26,9 Kilometer. Bei der diesjährigen, der dritten Begehung wurden rund neun Kilometer abgewandert. Die minimale Höhe des Gemeindegebietes liegt 409,35 Meter über dem Meeresspiegel. Die maximale Höhe liegt bei 593,18 Meter.