Die vier Schirradorfer Oskar Krause, Roland Otto, Günther Bergmann und Alfred Weiß treffen sich seit 40 Jahren jeden Montagabend zum Kartenspielen.
"Vier verheiratete Männer - immer widder schö!" So hatte ein Besucher der Schirradorfer Gastwirtschaft Bergmann Ende der 1970-er Jahre den angehenden Kartenspieler-Stammtisch kommentiert. Neben Beruf, Familie und ehrenamtlicher Vereinstätigkeit fanden die vier Schirradorfer Oskar Krause, Roland Otto, Günther Bergmann und Alfred Weiß dennoch die Zeit, sich jeden Montagabend im Wirtshaus zu treffen, um ihrer Leidenschaft, dem Schafkopf-Spielen, nachzugehen. Ihre Ehefrauen störte das nicht. Sie trafen sich ebenfalls zum geselligen Abend in der sogenannten Rockenstube.
Am 16. Januar 1978 wurde der Stammtisch dann offiziell unter dem Namen "immer widder schö!" gegründet. Am Dienstag feierten die Kartenspieler - noch immer in der gleichen Besatzung - ihr 40. Jubiläum. Auf ungefähr 2000 Schafkopf-Abende können die vier zurückblicken. Die Kulmbacher Brauerei spendierte zum festlichen Anlass 20 Liter Bier. Burkhard Holzapfel, Gebietsverkaufsleiter für die Fränkische Schweiz, überreichte zusätzlich jedem Kartenspieler einen Keramik-Bierkrug. "Vor 20 bis 30 Jahren hat es in beinahe jedem Wirtshaus solche Kartler-Stammtische gegeben. Heute sind sie zur Seltenheit geworden", stellte Holzapfel fest. Es sei schade, dass immer mehr Dorfwirtshäuser mangels Gästen zumachen würden.
Gelebte Wirtshauskultur
Auch die Wirtsstube der Gasthof-Pension Bergmann in
Schirradorf ist nur noch unregelmäßig geöffnet, montagabends aber sicher. Wirtin Heike Kolb freut sich über den wiederkehrenden Besuch. "Wir wissen es zu schätzen, dass der Stammtisch so lange existiert", sagt sie. Mittlerweile seien die Wirtsleute gut befreundet mit den Kartenspielern und deren Ehefrauen. Für die langjährige Treue gab es für alle einen Verzehrgutschein. Einen weiteren bekamen die "Kartler" überreicht vom Zweiten Bürgermeister der Gemeinde Wonsees, Wolfgang Schleicher, mit den Worten: "Es ist nicht selbstverständlich, dass Leute so lange zusammenhalten." Er sei stolz auf das aktive gesellschaftliche Leben in der Gemeinde und die gemütliche Wirtshauskultur, die es in dieser Form nicht mehr überall gebe.
Auf rund 1100 Einwohner kommen im Gemeindegebiet Wonsees immerhin noch fünf traditionelle fränkische Wirtshäuser, teilweise mit regelmäßigen Stammtischen. Schleicher lobte auch das ausgeprägte ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung in zahlreichen Vereinen, wie etwa der Freiwilligen Feuerwehr, Gartenbauverein, Sportverein, Landjugend oder Posaunenchor.
Selbst beigebracht
Ebenfalls vom Aussterben bedroht ist das traditionelle Kartenspiel "Schafkopf". "Früher konnte das jeder", erzählt "Kartler" Roland Otto. Gelernt hätte er es schon als Bub mit zwölf Jahren. Mitspieler Oskar Krause erinnert sich: "Wir haben immer im Zug gespielt, auf dem Weg zur Schule." Beigebracht habe es ihnen freilich niemand, nur durch Zuschauen und selbst Spielen hätten sie die komplizierten Regeln gelernt.
"Jedes Spiel ist anders. Schafkopf hält das Hirn fit", schwärmt Günther Bergmann. Egal ob Wenz, Geier, Farbsolo oder Rufspiel - bei jeder Runde muss man sich konzentrieren und sich die bereits gespielten Karten merken. Kein Wunder also, dass beim Kartenspieler-Stammtisch kaum geschwätzt wird, höchstens ab und zu ein bisschen geschimpft über ein schlechtes Blatt. Dafür haben sich die Schirradorfer "Kartler" ein Trostpflaster ausgedacht. Teilt der Geber zufällig vier 9er an einen Spieler aus - die schlechtesten Karten im Spiel - so darf dieser ein Glöckchen läuten und die Wirtin bringt eine Runde Schnaps auf Kosten des Gebers. Das Konzept bewährt sich bereits seit 40 Jahren. Die Schirradorfer "Kartler" freuen sich auf viele weitere gesellige Abende mit ihrem Lieblingsspiel. "Solange ich strampeln kann, spiele ich Schafkopf", sagt der 76 Jahre alte Günther Bergmann mit Nachdruck.