Der Mann hatte vor Gericht zugegeben, ab 2008 seine damals neun Jahre alte Nichte über einen Zeitraum von fünf Jahren immer wieder unsittlich berührt zu haben.

Das Kulmbacher Amtsgericht kam in der Verhandlung am Dienstag auf gut 40 Einzelfälle. Außerdem hatte er in einem Fall Sex mit einem anderen Mädchen im Alter von 13 Jahren. Letzteres ist, obwohl es einvernehmlich geschehen sein soll, dennoch strafbar und wird vom Gesetzgeber als schwerer sexueller Missbrauch eingestuft.


Sex mit einer 13-Jährigen


Der Mann aus Kulmbach hatte die 13-Jährige über ein einschlägiges Internetportal kennengelernt.
In der Nähe von Weidenberg im Landkreis Bayreuth war es Ende 2005 im Auto des Angeklagten zum Geschlechtsverkehr gekommen.

Während der Angeklagte das Geschehen ohne Umschweife über seinen Verteidiger einräumen ließ, hatte die heute 23-Jährige während der polizeilichen Ermittlungen angegeben, sich an nichts mehr erinnern zu können. Wahrscheinlich war es der jungen Frau heute peinlich. Der Angeklagte sprach jedenfalls von "einer Art Liebesbeziehung".


Nichte 40 Mal angefasst


Viel schwerer wog vor Gericht allerdings der Missbrauch der Nichte. Der Angeklagte hatte das Mädchen in über 40 Fällen über und auch unter der Kleidung berührt. Zum Geschlechtsverkehr war es nicht gekommen, obwohl der Angeklagte schon mal per SMS angefragt hatte, aber abgewiesen wurde.

Offen räumte der Mann ein, dass die Annäherungen von ihm ausgegangen seien und dass es dem Mädchen unangenehm gewesen sei. Die Übergriffe hatten sich in der Wohnung seiner Eltern und auch in der Wohnung der Schwester ereignet, wo er eigentlich auf das Kind hätte aufpassen sollen.


Mit der Mutter zur Polizei


Erst im März 2015 war die mittlerweile 16-Jährige zusammen mit ihrer Mutter zur Polizei gegangen und hatte die Fälle zur Anzeige gebracht, berichtete der ermittelnde Polizeibeamte der Kriminalpolizei in Bayreuth. Der Angeklagte habe daraufhin alles sofort zugegeben.

Ob das Mädchen denn traumatisiert sei, wollte Richterin Nicole Allstadt von dem Beamten wissen. "Eher nicht", antwortete der Kriminalbeamte.

Ein forensisch-psychiatrisches Gutachten über die Persönlichkeit des Angeklagten bescheinigte dem Mann eine eingeschränkte Intelligenzleistung, die aber nicht strafrechtlich relevant sei. Tatsächlich hatte der Angeklagte die Sonderschule besucht und keinen Schulabschluss erreicht. Wegen Spielsucht war er schon einmal in psychiatrischer Behandlung. Wegen der Vorfälle hatte er jetzt unter anderem freiwillig die Fachambulanz für Sexualstraftäter in Nürnberg und die Psychiatrie des Bezirksklinikums in Bayreuth besucht und regelmäßig Termine wahrgenommen.

Eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten beantragte Staatsanwalt Roland Köhler. Vor allem die Vielzahl der Einzelfälle über einen derart langen Zeitraum sei bedenklich, sagte er.


Verteidiger bittet um Bewährung


Verteidiger Alexander Schmidtgall aus Kulmbach plädierte dagegen auf zwei Jahre, die zudem zur Bewährung ausgesetzt werden sollten.

Sein Mandant sei von Anfang an geständig gewesen, habe den Opfern dadurch die Aussagen erspart, sei nicht vorbestraft und habe von sich aus eine Therapie begonnen, so der Rechtsanwalt.

"Pädophile Denkmuster kann man nicht einfach löschen oder überschreiben, sie sind da", sagte dagegen die Vorsitzende Richterin Nicole Allstadt in ihrer Urteilsbegründung.

Im vorliegenden Fall gehe es um schwere Straftaten, die auch entsprechend schwere Sanktionen nach sich ziehen müssen. Nicht zuletzt sollte es auch darum gehen, Generalprävention zu üben, das heißt, andere Straftäter durch deutliche Sanktionen abzuschrecken.