Auf dem Gelände des Busunternehmens Vogel in Thurnau brummten Dienstagabend die Motoren. Spontan, über eine Chatgruppe, hatten sich 26 Teams der Deutschland-Rallye bei der Oldtimerwerkstatt Exmotors verabredet. Die Fahrer, meist zu zweit in einem Wagen, reisen innerhalb einer Woche 3000 Kilometer quer durch Deutschland. Start des Rennens war am Samstag in Hann. Münden in Niedersachsen. Über Hamburg, die Ostseeküste und den Spreewald ging es weiter. Die vierte Etappe war Oberfranken. Zwar müssen sich die Teilnehmer nicht an bestimmte Streckenvorgaben halten, aber der Veranstalter hatte als Tagesziel den Raum Kulmbach empfohlen.

Straßen-Tagebuch mit Fotos

Nach Thurnau führte sie dieses Jahr die Einladung von Exmotors-Inhaber Benjamin Küttner und seinem Mitarbeiter Stefan Wanzek. Die beiden hatten vergangenes Jahr selbst bei der Deutschland-Rallye teilgenommen. "Ich weiß, wie schwierig es ist, einen Stellplatz zum Übernachten zu finden", sagt Wanzek. So habe man sich kurzerhand entschlossen, die Fahrer einzuladen und mit Bratwürsten und Steaks zu versorgen.

Die Ersten, die ankamen, waren Matthias Hellmich (51) mit Lebensgefährtin Christiana Möhle (54) aus der Nähe von Hannover. "Wir fahren aus Spaß mit", erklärt Möhle und präsentiert das Roadbook, das der Veranstalter Superlative Adventure Club GmbH in Hamburg allen 80 Teams an die Hand gegeben hat. Es ist eine Art Tagebuch, in das sie die Fotos von ihrem Fahrzeug, einem caprigrünen Zweier-Golf, vor bestimmten Tagesstationen als Beweis einkleben, etwa vor dem Schloss Marienburg bei Hannover oder von der Köhlbrandbrücke in Hamburg. Als Nächstes stünde ein Bild mit dem Schneeberggipfel im Fichtelgebirge an, so Möhle.

Besonders spannend finde sie die Tagesaufgaben, die ebenfalls das Roadbook vorgibt. Sie sollen beispielsweise ihr Fahrzeug aufgebockt auf Baumstämmen fotografieren oder eingeparkt zwischen zwei Trabis. Auch wenn sie sich mit jemandem namens Fritz fotografieren lassen oder beim Schuhplattler auf Neuschwanstein, bekommen sie Extrapunkte. "So kommt man mit den Leuten ins Gespräch", scherzt die Fahrerin.

Das Land besser kennenlernen

Genau das scheint auch ein Grundgedanke der Rallye zu sein: Das eigene Land besser kennenzulernen. Der letztjährige Teilnehmer Wanzek schwärmt von der schönen Landschaft im Schwarzwald. Durch die Rallye habe er viele interessante Ecken Deutschlands kennengelernt, die ihm als Reiseziel sonst nicht in den Sinn gekommen wären. "Dass man nur mit Karte fahren darf, ist ein Vorteil. Da prägt man sich die Route besser ein", sagt er. Für den letztjährigen Teilnehmer und Ex-Motors-Inhaber Kuettner ist die Reise mit zwei Freunden in einem 89er Chevy Suburban mit dem Smoker auf dem Fahrradträger zu einer schönen Erinnerung geworden. Vor allem die Bilder von den Tagesaufgaben hat er gesammelt und in einem Kalender verewigt. In Eiseskälte sieht man die drei Männer auf der Zugspitze bibbern oder einen Eimer Wasser vom Titisee im Schwarzwald zum 30 Kilometer entfernten Schluchsee fahren.

Bei der Deutschland-Rallye geht es nicht allein um den Spaß der Fahrer. Jedes Team hat sich einen wohltätigen Zweck ausgesucht, für den es Spenden sammelt. Im Fall von Hellmich und Möhle aus Hannover handelt es sich um den Verein "Krass Unartig", der jedes Jahr eine Weihnachtsfeier für Obdachlose veranstaltet.

Bei Meike Köser (45) und ihrem Lebensgefährten Marc Häberle (49) aus Siegburg bei Köln ist es Machwerk e.V., eine ehrenamtlich betriebene, offene Werkstatt in Hennef, die den Wissenstranfer zwischen Generationen und sozialen Schichten fördert.

Insgesamt 40 000 Euro hätten die diesjährigen Teams der Deutschland-Rallye bereits für verschiedene wohltätige Projekte gesammelt, so Köser. Sie mache mit, weil sie einfach gern Auto fahre und neue Erfahrungen sammle. Beeindruckt sei sie von ihrer Unterkunft, dem Hotel Schloss Thurnau. Die Unterbringung dort sei "traumhaft".