Obere Stadt: So mancher ignoriert die Regeln
Autor: Sonja Adam
Kulmbach, Sonntag, 12. Juli 2020
In der Oberen Stadt scheint dem einen oder anderen Besucher das Corona-Virus egal zu sein. Es wird gefeiert ohne Maske und Abstand - trotz neuer Vorschriften. So schlimm wie am "Altstadtfest"-Wochenende war es diesmal aber nicht
Die Obere Stadt wird am Wochenende zum Treffpunkt für alle, die endlich einmal wieder raus wollen. Sich mit Freunden treffen, miteinander reden, Cocktails oder Bier trinken und einfach Spaß haben. Das ist die Devise. Vorletztes Wochenende sorgte die Tatsache, dass sich Hunderte Menschen auf offener Straße trafen, für Schlagzeilen und für eine Intervention der Behörden. "An diesem Wochenende war die Lage entspannter, ruhiger", zog die Polizei in Kulmbach ein Fazit.
Schon am frühen Abend zeigte die Polizei erhöhte Präsenz. Im Halbstundentakt fuhr eine Streife durch die Obere Stadt. Es galt, Menschenansammlungen von mehreren Hundert Feierlustigen zu verhindern. "Wir hatten keinen Einsatz. Die Abstandsregeln wurden deutlich besser eingehalten", zog die Polizei ein Resümee.
Auch Anwohnerin Lotte Brach bestätigt, dass es an diesem Wochenende gesitteter zuging. "Am letzten Wochenende bin ich aufgewacht, weil um 23.45 Uhr die Autos nicht mehr durchkamen", erzählt sie. Auch wurde lautstark gesungen, gegrölt - wie bei einem Mega-Fest. An diesem Wochenende war es ruhiger, die Situation ist nicht aus dem Ruder gelaufen. "Vor allem die, die im oberen Bereich wohnen, sind betroffen: der Lärm ist das eine, Corona das andere", sagt Brach.
Doch diese positive Bilanz ist nur die halbe Wahrheit. Mit fortschreitender Stunde und zunehmendem Alkoholpegel wird die Einsicht geringer. Immer wieder muss Sohle-Wirt Sinan Portakaal Feierlustige ermahnen, doch die Maske aufzusetzen, wenn sie das Lokal betreten. Und so mancher pöbelt, lacht und setzt sich bewusst über die Regeln hinweg.
Leute, die die Maske aufhaben, werden offen verlacht. Sprüche wie "Jetzt chill mal deine Nuggets" oder "Was soll die Verkleidung?" sind noch harmlos. Verletzung der Abstands- und Maskenregeln scheinen wie eine Mutprobe. "Ich sitze ja jetzt schon", sagt eine Gruppe und lacht über die Ermahnungen des Wirtes.
"Ich halte mich an die Vorgaben. Das heißt, dass um 22 Uhr die letzten Getränke ausgeschenkt werden und dass ab 22.30 Uhr die Sitzplätze draußen geräumt werden müssen", sagt Sinan Portakaal. Doch die Praxis zeigt, dass der Wirt allein nichts ausrichten könnte.
Während sich in allen anderen Lokalitäten die Sitzplätze nach 22 Uhr langsam leerten, strömten immer mehr Menschen in den oberen Teil der Oberen Stadt. Ziele sind immer der Dönerladen Mufasa, die Sohle und das Pina. Innerhalb von Minuten sammeln sich Dutzende Menschen an. "Bei uns geht es immer erst dann los, wenn die anderen zumachen", sagt Portakaal und vergleicht die Situation mit einem Überfall.