Als erste Frau an der Verwaltungsspitze der Universität Bayreuth hat Nicole Kaiser dieser Tage ihre Amtsgeschäfte aufgenommen. Neben der Umsetzung begonnener Projekte will die Kulmbacherin auch die Digitalisierung von Verwaltungshandeln und die Kommunikation auf dem Campus voranbringen. Dabei wird sie auch den Aufbau der neu gegründeten Fakultät VII für Lebenswissenschaften, Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit am Außenstandort in Kulmbach im Fokus haben.

"Wir werden weiblicher und jünger"

Der Hochschulrat der Universität Bayreuth hat Nicole Kaiser zur Nachfolgerin von Markus Zanner gewählt, der als Kanzler zur neuen Technischen Universität nach Nürnberg wechselte. Die promovierte Sozialökonomin engagiert sie sich seit ihren Studientagen in der Hanns-Seidel-Stiftung. Die 33-Jährige stammt aus Mainleus.

"Wir werden mit der Wahl von Nicole Kaiser zur Kanzlerin weiblicher und jünger an der Spitze der Uni Bayreuth", sagt Universitätspräsident Professor Stefan Leible. "Ich freue mich auf die gemeinsame Umsetzung weiterer wichtiger Maßnahmen in dieser dynamischen Zeit und werde sie bei ihrer verantwortungsvollen Aufgabe voll unterstützen."

Minister gratuliert

Glückwünsche kamen auch vom Wissenschaftsminister Bernd Sibler: "Nicole Kaiser hat in verschiedenen Bereichen des universitären Lebens Erfahrungen gesammelt. Insbesondere in verschiedene Verwaltungs- und Organisationsaufgaben war sie bereits intensiv eingebunden, gerade auch die Strukturen der Universität Bayreuth sind ihr sehr vertraut. Damit ist sie bestens gerüstet für das Amt der Kanzlerin. Ich freue mich sehr, dass eine Frau das starke Team an der Spitze der Universität Bayreuth komplettiert. Für ihre neue Aufgabe wünsche ich ihr alles Gute."

Nicole Kaiser ist künftig Vorgesetzte der rund 1000 nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität Bayreuth. Sie ist verantwortlich für den Haushalt, aktuell umfasst der rund 180 Millionen Euro aus staatlichen Zuschüssen und Drittmitteln. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen auch Berufungsverhandlungen, und sie ist Mitglied der Hochschulleitung Bayreuth. Wir haben mit ihr gesprochen.

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu dieser Ernennung. Wie groß war die Freude, als Sie davon in Kenntnis gesetzt wurden?

Es ging ja eine längere Bewerbungsphase voraus. Als mich der Hochschulratsvorsitzende angerufen und mir das Ergebnis der geheimen Wahl mitgeteilt hat, waren natürlich eine große Freude und auch eine gewisse Erleichterung da. Das war für mich ein ganz besonderer Moment. Ich gehe mit Respekt und großer Vorfreude an meine Aufgabe und freue mich, dass ich zukünftig an einer Position mit enorm viel Gestaltungsraum die Geschicke der Universität Bayreuth mitlenken darf. Dass ich die meisten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bereits kenne, ist sicher von Vorteil, an sie gerichtet möchte ich sagen: Auch jetzt steht meine Tür immer offen!

Sie sind an der Uni Bayreuth die erste Kanzlerin - welche Gedanken schwingen da bei Ihnen als junge Frau mit?

Wir sind ja in Bayreuth noch eine sehr junge Uni und ich hatte drei männliche Vorgänger. Nach drei Kanzlern jetzt eine Kanzlerin - da gab es viel positive Resonanz. Es freut mich, dass es für so viele ein tolles Zeichen ist. Auch wenn ich denke, dass es im Jahr 2021 nicht mehr so das große Ding sein sollte, Frauen in der Hochschulleitung zu haben.

Sie haben sich nach dem Abitur am Kulmbacher Caspar-Vischer-Gymnasium 2007 für ein Studium der Sozialökonomik in Erlangen-Nürnberg entschieden. Was gab dafür den Ausschlag?

Meine Leistungskurse im Gymnasium waren Mathe und Sozialkunde. Mich faszinierten irgendwie Zahlen und Daten, und in dem interdisziplinären Studiengang hat sich auch die Sozialwissenschaft widergespiegelt. Meine Interessen wurden sehr gut getroffen. Ich hatte zwar auch ein Studium der Agrarwirtschaft in Erwägung gezogen, aber es hat sich dann sehr schnell gezeigt, dass die Kombination von Sozialwissenschaft und Statistik mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Wo setzen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit als Kanzlerin?

Die Universität Bayreuth steckt mitten in Wandel und Wachstum. Es stehen tolle große Projekte an, sie alle müssen vorangebracht werden, ohne den Campus in Bayreuth aus dem Auge zu verlieren. Ich habe auch die Verantwortung für etwa 1000 Mitarbeiter und den Millionenetat der Universität Bayreuth, unter anderem für den Aufbau der siebten Fakultät in Kulmbach, des Bayerischen Zentrums für Batterieforschung, oder des Afrikaforschungsbaus. Ein weiteres großes Thema ist die Digitalisierung von Verwaltungs- und Kommunikationsvorgängen. Natürlich freue ich mich, wenn alle wieder hier sind und wir das Schöne an unserem Campus - die persönliche, familiäre Atmosphäre - wieder genießen können. Aber ich freue mich auch, wenn wir das, was wir jetzt online gelernt haben, beibehalten. Hier können wir beispielsweise auf zwei wichtigen Feldern Akzente setzen: beim Austausch zwischen Wissenschaft und Verwaltung sowie bei der internen Kommunikation. Wer gute Leute gewinnen und halten will, muss diese Themen forcieren.

Sie werden sicherlich auch den Ausbau der 7. Fakultät der Uni Bayreuth in Kulmbach besonders im Fokus haben. Welche Wünsche verbinden Sie damit?

Ich wünsche mir, dass die Kulmbacher alle mitziehen und erkennen, welch tolle Chance das für die Stadt ist; dass auch alle Akteure mitziehen, anpacken und Aktivposten sind, damit wir den Campus gemeinsam gestalten und dabei die positive Grundstimmung in der Bevölkerung mitnehmen können. Es geht nicht nur darum, eine Fakultät mit einem Gebäude hinzustellen, sonder, dass Kulmbach mit neuem, frischem Leben erfüllt wird, dass viele davon partizipieren können. Und es geht um einen Mehrwert für die gesamte Region.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil bezeichnen?

Ich führe eher situativ. Aber wenn Sie mich damit nach meinen Eigenschaften fragen, so würde ich mich als teamorientierten und kommunikativen Menschen bezeichnen, der die flachen Hierarchien an der Uni Bayreuth schätzt und junge Menschen fördern möchte. Ganz besonders wichtig finde ich Netzwerke. Ich sehe es als meine Aufgabe an, Menschen aus unterschiedlichen Bereichen aktiv zusammen zu bringen. Ich glaube, so entsteht Gutes.

Sie haben bereits in jungen Jahren gelernt, Verantwortung zu übernehmen ...

Ja, ich bin auf dem Bauernhof meiner Eltern groß geworden. Da wird man schon früh in die Verantwortung genommen und bekommt betriebswirtschaftliches Wissen, denn so eine Landwirtschaft ist auch ein Wirtschaftsbetrieb.

Abschließende Frage: Was schätzen Sie besonders an Kulmbach?

Hier ist meine Heimat, ich schätze es, schnell in der Natur zu sein. Das ist insbesondere nach einem vollen Arbeitstag ein wichtiger Erholungsort für mich. Und nach dem Spaziergang ein Paar heimische Bratwürste oder die guten Pralinen aus der Gegend.