Die Sparkassen in Oberfranken weisen in ihrer Jahresbilanz 2020 ein solides Wachstum aus - trotz Pandemie. Die sechs Häuser haben sich gleichzeitig den verschärften Rahmenbedingungen in der Finanzdienstleistungsbranche erfolgreich gestellt. Das war die zentrale Botschaft, die Bezirksvorsitzender Landrat Klaus Peter Söllner aus Kulmbach und Bezirksobmann Ewald Maier bei einem Pressegespräches im Konferenzraum der gastgebenden Sparkasse Kulmbach-Kronach verkündeten.

"Flutung mit Spargeldern" verhindern

Der positive Trend werde jedoch durch die EZB-Geldpolitik und den damit verbundenen Negativzins für Banken getrübt. Die Sparkassen seien daher gezwungen, Verwahrentgelte für hohe Einlagensummen an Kunden weiterzugeben, um eine "Flutung mit Spargeldern" zu verhindern. Wie die weitere Entwicklung des Verwahrentgeltes ausschaut, werde derzeit bei den Banken "heiß diskutiert".

Söllner zeigte sich optimistisch, sprach sogar von einer Aufbruchstimmung und kündigte für dieses Jahr eine Offensive in Sachen Öffentlichkeitsarbeit an. Ewald Maier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Forchheim, wies darauf hin, dass sich die Wege zu den Kunden verändert haben. Die Corona-Pandemie habe wesentliche Entwicklungstrends der Banken und Sparkassen beschleunigt. Hinzu kamen ihm zufolge die Herausforderungen aus dem anhaltenden Zinstief und die nochmals zunehmende Regulatorik. "Mit Blick auf die weiterhin anspruchsvollen und sich stets verändernden Rahmenbedingungen und die besonderen Herausforderungen der Pandemie freuen wir uns daher über das letztjährige Ergebnis", so Klaus Peter Söllner.

Weiter der Marktführer

So stieg 2020 die Bilanzsumme der oberfränkischen Sparkassen im Vergleich zum Vorjahr um gut neun Prozent auf knapp 20 Milliarden Euro. Wegen des rückläufigen Zinsüberschusses verringerte sich das Betriebsergebnis von 133 auf 122 Millionen Euro. Bezirksobmann Maier sprach von einem soliden Ergebnis, das sich auch in den Gewerbe- und Körperschaftssteuerzahlungen von zusammen 37,1 Millionen Euro an Kommunen und Staat niederschlage. "In der Corona-Zeit haben wir unsere Rolle als Marktführer im Kundengeschäft behauptet."

Die rasche Anpassung der Prozesse an die Ausnahmesituation und eine überaus effektive Unterstützung im Lockdown in Kombination mit einem guten Krisenmanagement hätten die Kunden noch enger an ihre Sparkassen gebunden. "Jetzt geht es darum, unseren Kunden die notwendige Unterstützung und Begleitung im erwarteten Aufschwung nach der Pandemie zu bieten."

Sparer geben weniger aus

Das Volumen der Kredite stieg 2020 um 2,7 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro an. Die Ausleihungen an Privatkunden stiegen um 5,1 Prozent auf 4,6 Milliarden, die an Firmenkunden um 1,2 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Klaus Peter Söllner sieht den Zuwachs als Beleg für das Vertrauen bei den Kunden. "Trotz des negativen Zinsumfeldes haben unsere Kunden mehr gespart beziehungsweise pandemiebedingt weniger ausgegeben."

Die Pandemie wirkt auch als Beschleuniger im Bereich Online-Banking und auf die Zahlungsgewohnheiten der Kunden. So konnten auch die oberfränkischen Sparkassen einen großen Schub bei der Nutzung digitaler Angebote verzeichnen. Gleichermaßen ist das kontaktlose Bezahlen im Kommen. Immer weniger Kunden würden dadurch auch ihre Geschäftsstelle aufsuchen. Maier ließ nicht unerwähnt, dass die Sparkassen-App vom Wirtschaftsmagazin "Capital" hervorragend bewertet wurde.

Die Sparkassen haben 2020 im Rahmen der Corona-Hilfe zahlreiche KfW- und LfA-Darlehen vermittelt. Bedingt durch den Lockdown und das Wegbrechen von Liefer- oder Abnehmerketten müssen Unternehmer sehr schnell zu liquiditätssichernden Maßnahmen greifen. Hier, wo Maier, habe man rasch und pragmatisch geholfen.

"Klare Vorteile

"Wir bieten klare Vorteile gegenüber Mitbewerbern, denn wir spiegeln in den regionalen Wirtschaftsräumen die dezentrale mittelständische Struktur wider, sind vor Ort, kennen die Verhältnisse und die Kunden persönlich. Deshalb können wir auch schnelle und unmittelbare Finanzierungshelfer in der Corona-Zeit sein", ergänzte Söllner. Zudem sei man ein attraktiver Arbeitgeber und ein beliebter Ausbildungsbetrieb. Man sei sogar der größte regionale Ausbilder.

Ewald Maier stellte zudem fest: "Wir stehen für eine soziale Teilhabegesellschaft, die allen die Chance auf ein selbstbestimmtes, gutes Leben in einem starken sozialen Miteinander erschließt." Dies schließe das vielfältige Engagement ein. Laut Söllner reicht dieses von Projekten für Kindergärten und Schulen über die gezielte Förderung von Vereinen und Feuerwehren, die Unterstützung karitativer Einrichtungen bis hin zur Heimat-, Brauchtums- und Denkmalpflege. 2020 hätten die oberfränkischen Sparkassen hierfür mehr als 3,5 Millionen Euro gespendet.

In seinem Fazit kam Bezirksobmann Ewald Maier zum Ergebnis: "Die Sparkassen in Oberfranken sind stark im Verbund. Auch 2021 wird für uns alle ein herausforderndes Jahr, doch wir sind überzeugt: Gemeinsam sind wir allem gewachsen. Unsere Kunden können sicher sein, dass wir fest an ihrer Seite stehen."