Es muss ein ordentlicher Schlag gewesen sein, der die Gäste eines Lokals in der Oberen Stadt am frühen Abend des 27. Juli aufschreckte. Ein Autofahrer war mit seinem VW Caddy zu weit nach rechts gekommen und hatte den Spiegels eines anderen Wagens, kurioserweise auch ein VW Caddy, erwischt.


Spiegel abgerissen


Die Berührung war so heftig, dass der beheizbare Außenspiegel des stehenden Wagens komplett abgerissen wurde, der Schaden lag bei fast 600 Euro. Der Unfallfahrer machte sich allerdings aus dem Staub. Er konnte aber durch eine aufmerksame Zeugin, die sich das Kennzeichen gemerkt hatte, ausfindig gemacht werden.

Wegen der Unfallflucht musste sich der 40-jährige Arbeiter am Donnerstag vor dem Amtsgericht verantworten. Der Mann hatte Glück, denn aus einem ursprünglichen Strafbefehl über 800 Euro und eines Fahrverbots wurde dank seines Einspruchs eine Einstellung mit einer Geldauflage über 600 Euro ohne Fahrverbot.


"Ich war in Gedanken versunken"


Ganz vom Tisch ist die Sache allerdings noch nicht, denn Richterin Sieglinde Tettmann kündigte an, die Akten zur Überprüfung an die Führerscheinstelle des Landratsamts zu geben. Grund dafür ist, dass der Angeklagte kurz nach dem Vorfall einen ähnlichen Unfall hatte und auch da angeben musste, nicht bei der Sache gewesen zu sein.

"Ich war im Gedanken versunken", räumte der Mann ein. Deshalb habe er den Anstoß an das parkende Fahrzeug nicht bemerkt. Die Mutter im Krankenhaus, der Vater in einer Pflegeeinrichtung, da habe er sich wohl nicht so recht auf den Verkehr konzentriert, so der 40-Jährige. Erst als die Polizeibeamten bei ihm zu Hause auftauchten und ihn mit dem Vorfall konfrontierten, habe er davon erfahren. Hintergrund dafür ist auch, dass sich der Schaden am eigenen Auto in engen Grenzen hielt. Am eigenen Spiegel seien lediglich ein paar Kratzer zu sehen gewesen.


Sofort entschuldigt


Der Mann hatte allerdings alles getan, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Bei der Polizei räumte er ohne Umschweife ein, dass er zum fraglichen Zeitpunkt am Steuer saß. Beim Geschädigten rief er sofort an und entschuldigte sich, und bei seiner Versicherung kümmerte er sich umgehend um die Regulierung des Schadens.

Sogar für die Zeugin, die sich das Kennzeichen gemerkt und der Polizei mitgeteilt hatte, zeigte er Verständnis: "Man kann doch froh sein, dass es Leute gibt, die so etwas melden", sagte der Angeklagte.

Der Beamte der Polizeiinspektion Kulmbach, der den Unfall aufgenommen hatte, war sich sicher, dass der Mann den Schlag gehört haben muss. "Wenn das die Zeugin in 20 Metern Entfernung gehört hat, dann muss es auch der Unfallverursacher gehört haben", sagte er. Der Angeklagte sei nach seiner Identifizierung auffallend bedrückt und nachdenklich gewesen, so der Polizist, und weiter: "Lebensfreude sieht anders aus."


Verfahren eingestellt


Nachdem der Angeklagte nicht vorbestraft war und von Anfang an alles zugegeben hatte, stellte das Gericht das Verfahren kurzerhand ein. Die Vertreterin der Staatsanwalt wollte dem Mann zwar nicht glauben, dass er gar nicht gehört hatte, stimmte der Einstellung aber dennoch zu, da zur weiteren Aufklärung ein Kfz-Sachverständiger und notwendig gewesen wäre. Die Verhandlung hätte noch einmal ganz neu angesetzt werden müssen.

Die Geldauflage geht zugunsten der Kreisverkehrswacht Kulmbach.