Mit Glasflaschen, Pizzakartons und Verpackungen, bedruckt mit dem McDonald's-Logo, hat das Ehepaar Heer innerhalb kürzester Zeit seine großen blauen Mülltüten gefüllt. Das Müllsammeln ist für sie coronabedingt zum Hobby geworden - und ein sinnvoller Nebeneffekt des Spazierengehens: "Es gibt sich nichts, ob wir zusätzlich noch etwas Müll aufsammeln," erzählt Reinhard Herr.

Die Intention dahinter? "Vielleicht sieht der ein oder andere uns dabei und nimmt sich ein Beispiel daran," erklärt der Rentner. Er und seine Frau empfinden ihr Hobby als einen "kleinen Beitrag zur Sauberkeit und zur Verschönerung der Stadt". Sie tun das für ein schönes Stadtbild. "Für mich ist es unvorstellbar, wenn jemand direkt neben einem Mülleimer auf einer Parkbank sitzt und dann trotzdem seinen Müll auf dem Boden wirft." Das lässt bei Heer nur Kopfschütteln zurück.

Beim Feiern entsteht Müll

Der Inspektionsleiter der Polizei Kulmbach, Peter Hübner, weiß auf die Frage nach dem Warum eine klare Antwort: "Leute feiern weltweit, auch in Deutschland und auch in Kulmbach. Da kommt es ab und an auch dazu, dass sie ihren Müll liegen lassen." Er berichtet davon, dass von der Polizei immer wieder sogar ganze Müllhalden gefunden werden. Verursacht werden diese aber sowohl von jung als auch von alt, betont der Inspektionsleiter.

Umweltverschmutzung ist übrigens ein Verstoß und wird mit Bußgeldern laut dem Bußgeldkatalog "Umweltschutz" des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (siehe Infobox) geahndet. Die Polizei ist stets dazu berechtigt, Personalien aufzunehmen, Beweisstellen zu inspizieren und gegebenenfalls auch den Müll zu durchsuchen, da dieser oftmals Aufschluss auf den Täter gibt.

Laut Hübner bestreift die Polizei bestimmte Kulmbacher Bereiche und kann im Fall eines Verstoßes natürlich Anzeige gegen den Täter erstatten.

Auch Heer lobt die Polizei, die regelmäßig Streife fahren, um so bei Hotspots für etwas mehr Ordnung sorgen zu können. Er wünsche sich einfach nur, dass die Menschen nicht gedankenlos ihre Sachen in die Natur werfen. "Das fängt ja schon klein an mit Kippen und Kronkorken."

Müll-Hotspots

Sogenannte Hotspots in der Stadt sind Berichten zufolge die Flutmulde, die Kieswäsch, die McDonald's-Filiale - und auch unter Brücken ist immer wieder Müll zu finden. "Das sind alles Orte, an denen gefeiert wird und wo Leute sich niederlassen," so Peter Hübner.

Der Pressesprecher der Stadt Kulmbach, Jonas Gleich, versichert, dass "der Bauhof immer dabei ist, die Stadt sauber zu halten." Zudem erklärt er, dass diese Hotspots zwar öfters von Mitarbeitenden des städtischen Bauhofs gereinigt werden könnten, jedoch "würde das dann an anderen Ecken fehlen". Zu wenig Mülleimer in der Stadt und auch bei der McDonald's-Filiale in Kulmbach gebe es nicht. Die Innenstadt ist nach Angaben des Pressesprechers gut versorgt, und sogar Wanderbänke im Umkreis seien mit Mülleimern bestückt.

Wunsch nach Sensibilität

"Man kann McDonald's nicht für seine Kundschaft verantwortlich machen. Jedoch könnte das Unternehmen beispielsweise Schilder aufstellen, wie der Müll richtig zu entsorgen ist," schlägt Reinhard Heer vor. "Schimpfen und Ärgern bringt da nichts," findet er.

Was er sich wünscht, ist eine gewisse Sensibilität gegenüber dem Umweltschutz bei den Leuten. Viele Menschen, die die Heers beim Müllsammeln sehen, loben sie - und manche belächeln sie auch. Das ist Reinhard Heer aber egal; denn ihm gehe es keineswegs darum, in der Gesellschaft gut dazustehen. Er will lediglich seinen kleinen Beitrag zur Verschönerung des Stadtbildes leisten. Aktionen für eine Sensibilisierung zum Thema Umweltschutz bieten unter anderem das Bayrische Landesamt für Umweltschutz, Schulen in Form von Umwelttagen und auch Umweltgruppen, wie sie beispielsweise das Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium hat. "Daran beteiligt sich die Stadt Kulmbach immer gern," merkte Pressesprecher Gleich an.

Problem liegt an der Faulheit

Solche Aktionen befürwortet Reinhard Heer zwar, jedoch behebe das nicht das eigentliche Problem. Das Hauptproblem liegt für ihn "in der Faulheit der Menschen", ihren Müll selbst zu entsorgen.

Hier benötigt es wahrscheinlich mehr Zeit und Sensibilisierungsarbeit, um ein Umweltbewusstsein bei allen Menschen etablieren zu können. Heer tut bereits seinen Teil: "Ich muss die Welt nicht um 100 Prozent verändern, aber mit einem kleinen Beitrag fühle ich mich einfach wohler."