Druckartikel: Mit offenen Augen durch den Frankenwald

Mit offenen Augen durch den Frankenwald


Autor: Adriane Lochner

Stadtsteinach, Donnerstag, 04. Mai 2017

Mehr als ein Dutzend Foto- und Naturinteressierte nahmen an einer Fotowanderung rund ums Kosertal bei Wirsberg teil.
Auf Fotosafari durch den FrankenwaldFoto: Adriane Lochner


"Fotografie ist kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung", sagt Günter Nietert von der Fotogruppe Stadtsteinach. Ihm zufolge eröffnet die Fotografie neue Blickwinkel auf die Welt, in diesem Fall auf den Wald. Wer hätte gedacht, welche Schönheit in einem einfachen Buchenkeimling steckt oder in den spiralförmig aufgerollten Blättern eines jungen Farns.


"Waldgebiet des Jahres 2017"


Mehr als ein Dutzend Foto- und Naturinteressierte nahmen an der Fotowanderung rund ums Kosertal bei Wirsberg teil. Sie stellte den Startschuss dar für einen Fotowettbewerb anlässlich der Auszeichnung des Frankenwalds als "Waldgebiet des Jahres 2017".

Während Nietert als Mentor für die Kameratechnik fungierte, machte die Stadtsteinacher Försterin Anja Mörtlbauer die fotofreudigen Wanderer auf mögliche Motive aufmerksam und lieferte sowohl die biologischen als auch die geschichtlichen Hintergründe.


Früher gab es viele Laubbäume


Die Wanderung begann auf dem Marktplatz in Wirsberg und führte über kleine Steige auf die Theresienhöhe in ein Laubwaldgebiet. "Beim Frankenwald denkt man immer an einen Fichtenwald", sagte Mörtlbauer. Bis ins 15. Jahrhundert bestand der Frankenwald jedoch zu 60 Prozent aus Tanne und zu 40 Prozent aus Buche und anderen Laubhölzern. Buchenholz war jedoch zu schwer zum Flößen, daher wurden die Nadelhölzer bevorzugt. Unter anderem die Kahlschlagstrategie in der Waldwirtschaft begünstigte den Siegeszug der Fichte, die mittlerweile knapp 80 Prozent des Baumbestands im Frankenwald ausmacht. Künftig soll sich das wieder ändern, denn der Klimawandel macht der Fichte schwer zu schaffen. Immer wieder kamen die Wanderer an Kahlflächen vorbei, die der Borkenkäfer hinterlassen hat. "Die steinigen Böden werden schnell trocken", erklärte Mörtlbauer, so habe der Käfer leichtes Spiel.

Als sich der Weg an einer Eibenpflanzung vorbeischlängelte, erklärte die Försterin: "Als Baumart ist die Eibe fast völlig verlorengegangen." Einst sei das Eibenholz sehr wertvoll gewesen, fränkische Eiben seien bis nach England verschifft worden. Da die Nadeln jedoch giftig waren für das Vieh, das damals im Wald grasen durfte, hat man Eiben fast überall entfernt.


Einzigartiges Motiv


Nach der Einkehr im Gasthof Steinlein in Neufang ging es weiter zu einem einzigartigen Motiv: die Ruine Heilingskirche. Von der zwischen 1433 und 1469 erbauten Wallfahrtkirche ist lediglich die Giebelfront mitsamt Eingangsportal erhalten geblieben, ein seltsamer Anblick inmitten der grünen Landschaft.

"Mich interessiert das Thema Frankenwald, vor allem die geschichtlichen Hintergründe", sagte der Mittfünfziger Hans Häußinger aus Neudrossenfeld. Eine Kamera hat er nicht mitgebracht. Dem 29-jährigen Matthias Entreß-Fürsteneck aus Bayreuth ging es um das Fotografieren, vor allem in Sachen Landschaftsfotografie wollte er sich fortbilden. "Das Licht spielt dabei eine wichtige Rolle", sagte er. Ein bewölkter Himmel sei vorteilhafter als pralle Sonne, denn die verursache allzu harte Kontraste. Die 53-jährige Cornelia Kastner aus Wirsberg ist einfach gerne in der Natur. Sie hat ihre Kompaktkamera dabei.


Technische Ausrüstung nicht so wichtig


"Die technische Ausrüstung spielt bei dem Wettbewerb eine untergeordnete Rolle", sagte Nietert. Gute Fotos ließen sich heutzutage auch mit der Kompaktkamera knipsen. Eine teure Spiegelreflex sei nicht notwendig, um an dem Wettbewerb teilzunehmen. Der Titel laute "Schätze des Frankenwaldes". Nietertt: "Die Teilnehmer sollen sich mit dem Thema auseinandersetzen und mit offenen Augen durch den Wald gehen."

Von der Waldlandschaft im Sonnenuntergang über Großaufnahmen von Pflanzen und Tieren bis hin zu Fachwerk- oder Schieferhäuschen, der Motivwahl sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, die Bilder sind typisch für den Frankenwald und wurden hier aufgenommen. Pro Teilnehmer sind fünf Fotos erlaubt. Die Bilder müssen querformatig sein. Eingesandt werden sollen asie inklusive Teilnehmerformular via E-Mail an: fotowettbewerb@aelf-ku.bayern.de. Teilnehmerformulare gibt es auf der Website des AELF Kulmbach unter www.aelf-ku.bayern.de.


250 Euro und ein zerlegtes Wildschwein


Hauptpreis sind 250 Euro, der Zweitplatzierte bekommt ein küchenfertig zerlegtes Wildschwein, für den Dritten gibt es einen Ster Brennholz. Ausgewählte Bilder gehen auf eine Wanderausstellung in den Landkreisen Kulmbach und Kronach, die besten zwölf werden als Wandkalender veröffentlicht. Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2017. Übrigens: Im Laufe des Sommers sollen weitere Fotowanderungen folgen.