Im Ängerlein kocht in stellenweise die Volksseele - genau gesagt dort, wo seit wenigen Tagen weit mehr Verkehr herrscht als sonst: Der Grund: ein Probelauf für eine mögliche neue Verkehrsführung, die letztlich zu Entlastung der Blaich beitragen soll.

Knapp 30 Anlieger hatten sich am Samstagmittag vor Ort getroffen, um ihrem Unmut und Ärger über die geänderte Verkehrsführung Luft zu machen. Henry Landeck, der als unmittelbar Betroffener die "kleine Bürgerversammlung" organisiert und sich zum Sprecher gemacht hatte, zeigte kein Verständnis: "Da vorne wohnen zwei Stadträte und der Zweite Bürgermeister. Da wurde eine Einbahnstraße angeordnet, und bei uns kann alles durchfahren. Alle Verkehrsteilnehmer, die bisher nach der Brücke nach rechts in das Ängerlein abgebogen sind, um stadtauswärts fahren zu können, müssen jetzt nach links in unseren Straßenbereich abbiegen, und sie fahren durch wie die Verrückten."

Henry Landeck betonte, dass man unabhängig von dem gemeinsamen Ortstermin einen entsprechenden Antrag an die Stadtverwaltung richten werde, der auch von allen Anliegern unterzeichnet werden soll: "Was da gemacht wurde, ist eigentlich eine Sauerei."

Kein Be- und Entladen

Landeck forderte, die Einbahnregelung am Beginn des Straßenzuges Ängerlein wieder abzuschaffen: "Wir können ja an unseren Grundstücken mit dem jetzt aufgestellten absoluten Halteverbot nicht einmal zum Be- und Entladen anhalten", schimpft Landeck. Und weist darauf hin, dass man schon 2017 wegen einer Baustelle in der Blaich mit Einschränkungen habe leben müssen. "Also: Vorne aufmachen und hier wieder die Einbahnstraße, dass man wenigstens be- und entladen kann." Das ist mein Anliegen."

Jörg Dillner wohnt seit 2013 im Ängerlein. Er hat seit der Änderung der Verkehrsführung eine Verkehrszählung vorgenommen: "Ich habe auf meinem Grundstück eine kleine Kamera hängen, die bei einer Belastung von über 40 Dezibel die Fahrzeuge zählt, die hier täglich durchfahren. Bevor diese Maßnahme angeordnet wurde, hatte ich am Tag ungefähr 500 Meldungen bekommen. Seitdem hier die Änderung erfolgte, sind wir bei 1900 bis 3500. Das ist mehr als eine Vervierfachung des bisherigen Verkehrs."

Jörg Dillner und seine Eltern wohnen direkt an der Michel-Weiß-Straße. "Hier gilt Rechts vor Links. Aber nur 30 Prozent der Autfahrer wissen das, der Rest fährt wie die Kaputten durch. Das funktioniert so auf Dauer überhaupt nicht." Jörg Dillner ist für eine komplette Einbahnlösung bis zum Pörbitscher Platz.

Der Blaicher hat aber noch ein anderes Anliegen: "Hinter unserem Grundstück wurde ein Spielplatz gebaut mit einem Soccer-Court, der zu einer extremen Lärmbelastung führt. " Die Anlieger seien beim Bau des Spielplatzes übergangen worden. "Man hat uns nur mitgeteilt, dass der Spielplatz jetzt ohne unsere Zustimmung gebaut wird, gefragt hatte uns keiner."

Mittlerweile, so sagt seine Mutter Anita, könnten sie und ihr kranker Mann den Garten nicht mehr nutzen.

Anwohnerin Waltraud Giesert, die von Beruf Krankenschwester ist, ist ebenfalls betroffen. Sie wohne seit 1986 in jenem Bereich des Ängerlein. "So viel Verkehr hatte ich noch nie vor dem Haus. Ich hatte diese Woche Nachtdienst, das war die Hölle." Die Anwohner dürften nicht mehr vor ihren Grundstücken parken, auch nicht zum Be- und Entladen. Derzeit fließe wegen der Baustellen-bedingten Sperrung der Hofer Straße dort der ganze Durchgangsverkehr. "Es ist einfach unzumutbar, und das alles ohne eine Vorwarnung."

Alten Zustand wieder herstellen

Werner Volger wohnt seit 17 Jahren im vorderen Bereich vom Ängerlein: "Ich bin dafür, dass der alte Zustand wieder hergestellt wird. Erstens die Raserei, denn es wird durchgefahren wie die Wilden. Mit dem bisherigen Parken im vorderen Bereich wird auch der Verkehr langsamer." Horst Stübinger ist aufgewachsen im Ängerlein: "Wir haben den Krawall mit dem Soccer-Platz und jetzt den Verkehr, das ist ja schlimmer wie auf der Umgehungsstraße."

Auch für Klaus Bär kam die Verkehrsänderung überraschend: "Es ist halt jetzt so, dass der Verkehr verstärkt auf unserer Straße erfolgt. Ich bin für eine Einbahnstraße im vorderen Ängerlein, aber auch dafür, dass bei uns eine Einbahnregelung gemacht wird. Was jetzt an Verkehr abgeht, ist Wahnsinn."

Für ein Gesamtkonzept

Wolfgang Druse bemängelt die Vorbereitung der Verkehrsänderung. Entscheidend seien für ihn, dass die Zufahrt zu und die Abfahrt von den Einkaufsmärkten in der Albert-Ruckdeschel-Straße durch die Blaich erfolgt: "Da fehlt eindeutig ein Gesamtkonzept. Dieser Verkehr sollte nicht durch die Blaich, sondern über die Hofer Straße rollen."

Bürgermeister Frank Wilzok: "Es ist erst einmal ein Probelauf"

Eingeladen war er nicht. Aber weil sich Dinge in der Blaich schnell herumsprechen, war auch Zweiter Bürgermeister Frank Wilzok (CSU) zur Stelle, als Anwohner des Ängerlein ihrem Ärger über die geänderte Verkehrsführung Luft machten. Er hatte ursprünglich gemeinsam mit seinen Stadtratskollegen Jörg Kunstmann (CSU) und Hans Werther (SPD) den Vorschlag einer neuen Verkehrsführung gemacht: "Um die Autos, die nichts im Ängerlein verloren haben, dort rauszubringen", wie er erläuterte.

Wilzok versuchte am Samstag, die aufgeheizte Stimmung ein wenig abzukühlen. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir einen Versuchslauf machen wollen. Es geht uns allen darum, eine Verkehrsberuhigung in der Blaich herzubringen." Die derzeitige Verkehrsführung sei nur ein Vorschlag, betonte Wilzok. "Das heißt nicht, dass es so bleiben muss. Wir können darüber diskutieren und können irgendwann abwägen, was sinnvoll ist und was nicht."

Ein halbes Jahr

Zum Vorwurf, dass man nicht vorher das Gespräch mit den Bewohnern gesucht hatte, sagte Wilzok: "Wir wollten die Pläne mit allen Anwohnern im Bräuhaus besprechen, doch wegen der Corona-Pandemie mussten wir die Versammlung absagen." Nun mache man eben einen Versuch, der eine Diskussionsgrundlage liefern soll. "Und danach gibt es die Versammlung, wo jeder seine Meinung sagen kann und uns mitteilen kann, was er gut findet und was nicht."

Der Probelauf in der Blaich soll ein halbes Jahr laufen. Dann wird auch die Baustelle am Fuß des Krankenhausberges abgeschlossen sein und die Umleitung wird aufgehoben.red