Mehr als 100 Wohneinheiten hängen bereits am Nahwärme-Netz in Marktschorgast
Autor: Rebecca Vogt
Marktschorgast, Montag, 27. Mai 2019
Ende 2015 ging das Marktschorgaster Nahwärme-Netz an den Start. Schlug dem Projekt anfangs noch Skepsis entgegen, haben sich inzwischen knapp 100 Anschlussnehmer gefunden. Eine Bilanz.
Das Haus von Holger Funk und seiner Familie war Ende 2015 das Erste, das ans Marktschorgaster Nahwärme-Netz angeschlossen wurde. "Eine Nacht lang hatten wir damals quasi das ganze Heizwerk für uns", erinnert sich der Hausbesitzer mit einem Schmunzeln. In mehreren Bauabschnitten sind seitdem viele weitere Häuser in Marktschorgast ans Netz gegangen. Etwa 20 Prozent der Haushalte im Ort würden inzwischen mit Nahwärme versorgt, schätzt Marc Benker, Vorstandsvorsitzender der Bürgerenergiegenossenschaft "Zukunftsenergie Marktschorgast" (ZEM).
Den Entschluss, sein Haus an das Nahwärme-Netz anschließen zu lassen, hat Funk bis heute nicht bereut. Die Nahwärme stellt für ihn eine "optimale" Lösung dar. "Ich bin kein Öko, aber ich denke, dass es wichtig ist, mit den vorhandenen Ressourcen vernünftig umzugehen", erklärt Funk seine Entscheidung. Zuvor hatte er sein Haus mit Öl beheizt. Im Keller sieht man noch das Fundament, auf dem der Tank stand. An der Wand gegenüber hängt jetzt ein weißer Kasten: die Übergabestation des Nahwärme-Netzes.
Insgesamt besteht das Nahwärme-Netz in Marktschorgast aus 93 Anschlüssen. Da auch Mietshäuser angeschlossen sind, werden Benker zufolge mehr als 100 Wohneinheiten mit Nahwärme beliefert. 82 der Anschlüsse entfallen auf Gebäude der Genossenschaftsmitglieder, elf auf Gebäude der Gemeinde. Zu Letzteren zählen etwa das Schulhaus, die Turnhalle und Wohnungen in der Bahnhofstraße und am Marktplatz. Bürgermeister Hans Tischhöfer (FW) ist "soweit zufrieden", was die Nutzung des Nahwärme-Netzes betrifft.
Einstiegskosten in Höhe von 4570 Euro
Nach wie vor besteht die Möglichkeit zum Anschluss an das Netz. "Wir haben noch Kapazitäten frei", sagt Benker. Aktuell laufe eine Aktion mit der Naturstrom AG, welche in Marktschorgast für die Betriebsführung zuständig ist. Ziel der Aktion sei es, das Netz weiter zu vergrößern. Wie Benker erklärt, besteht in diesem Zusammenhang im Neubaugebiet Steinhügel die Möglichkeit, sich zu den günstigen Anfangskonditionen ans Netz anschließen zu lassen. Die Kosten für einen Anschluss inklusive Übergabestation und Beteiligung an der Genossenschaft lägen demnach bei 4570 Euro.
"Die Erweiterung hängt vom Interesse ab, aber wir sind guter Dinge", zeigt sich Benker optimistisch. Anfangs sei das Projekt im Ort auf Widerstand und Skepsis gestoßen, erinnert er sich. "Viele konnten sich nicht vorstellen, dass es funktionieren würde." Diese Bedenken hätten sich inzwischen gelegt. Grundsätzliches Ziel war es Benker zufolge, das Netz auf die Beine zu stellen. Als Richtgröße wurden damals 100 Anschlüsse ins Auge gefasst. "Mit 93 sind wir gut dabei."
Die Naturstrom AG sei vor allem in der Anfangsphase "als Partner unheimlich wichtig gewesen". Auch jetzt erlebt der Vorsitzende der Genossenschaft das Unternehmen als "fairen Geschäftspartner", mit dem eine Zusammenarbeit "auf Augenhöhe" stattfinde.
Blockheizkraftwerk und Gaskessel
Die Heizstation des Nahwärme-Netzes besteht aus einem Blockheizkraftwerk und sechs Heizkesseln. Das Blockheizkraftwerk erzeugt dabei nicht nur Wärme, sondern auch Strom für den Eigenverbrauch im Heizhaus. Wie Benker berichtet, wird das kleine Blockheizkraftwerk aus der Anfangsphase in Kürze durch ein Größeres ersetzt. Außerdem hat man die Station um einen Gaskessel erweitert. Dieser diene in erster Linie dazu, die Spitzenlasten im Winter abzufangen. Über die Naturstrom AG werde der Kessel mit Biogas beliefert. Eine Solarthermieanlage, die auf dem Dach des Heizhauses installiert ist, trägt im Sommer zur Wärme-Erzeugung bei.