Lernen, mit Tinnitus gut zu leben

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Hier begrüßt der Vorsitzende der Kulmbacher Selbsthilfegruppe, Her-bert Rösch, die Teilnehmer. Von links Dr ...

Mit Unterstützung der Tinnitus-Selbsthilfegruppe Kulmbach veranstaltete die Deutsche Tinnitus-Liga am Samstag das 2. Franken-Symposium im Rasthof Opel. Neben praktischen Erfahrungen in der Behandlung von Tinnitus und Hörsturz galt die Veranstaltung auch als Symposium für Betroffene und Behandelnde.

Der Kulmbacher Selbsthilfegruppe mit ihrem Vorsitzenden Herbert Rösch, die seit nunmehr 14 Jahren besteht, ist es dabei gelungen, hochkarätige Chefärzte bekannter Tinnituskliniken in Deutschland als Referenten zu gewinnen.

Die Tinnitus-Betroffenen sind Männer und Frauen ganz unterschiedlichen Alters und zum Teil auch mit Hörminderung. Herbert Rösch von der Selbsthilfegruppe Kulmbach: "Alle haben ganz individuelle Erfahrungen mit Tinnitus gemacht. Wir sind keine Ärzte oder Psychologen, aber wir sind inzwischen Fachleute mit eigener Erfahrung geworden. Uns stehen keine Patentrezepte zur Verfügung, aber allein der Austausch mit Betroffenen, die es gelernt haben mit Tinnitus gut zu leben, kann sehr hilfreich sein."

In die Selbsthilfegruppe kommen Betroffene, bei denen nach sorgfältiger Diagnose durch den HNO-Arzt und unter Ausschöpfung aller therapeutischer Maßnahmen, eine kurzfristige Heilung nicht möglich ist. In diesem Stadium fühlen sich die Betroffenen allein gelassen und sind enttäuscht. Angst, Hoffnungslosigkeit und Depressionen sind oft die Folgen. Diese Betroffenen fühlen sich aber in der Selbsthilfegruppe meist gut aufgehoben, wie Herbert Rösch weiter ausführte. Die Ziele der Selbsthilfegruppe bringt Herbert Rösch auf den Punkt: "Den Betroffenen in der schwierigen Anfangsphase oder während ihrer Erkrankung durch unsere Gemeinschaft beizustehen. Aufklärung der Betroffenen und ihrer Angehörigen, Beratung und Hilfe bei der Lösung schwieriger Lebenssituationen. Vor allem wollen wir allen Menschen, die an Tinnitus leiden, helfen, wieder ein ruhigeres Leben zu führen."

Nach dem Grußwort von Herbert Rösch, der auch Vorstandsmitglied der Deutschen Tinnitus-Liga ist, hieß der Präsident der DTL, Volker Albert, die Besucher des 2. Franken-Symposiums in Himmelkron willkommen. Die Reihe der Fachvorträge eröffnete Prof. Dr. Gerhard Goebel, Chefarzt der Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee. Er beschäftigte sich mit den Zukunftsperspektiven bei chronischem Tinnitus, die wohl schwerste Form des Tinnitus. Auch für einen erfahrenen Arzt ist es nicht immer ganz einfach, das Ausmaß der Beeinträchtigung durch das Ohrgeräusch einzuschätzen. Die Angaben des Patienten sind für den Arzt auf jeden Fall ein - wenn auch nur subjektiver - so dennoch unersetzlicher Gradmesser. Aber es sind auch objektive Kriterien nötig, anhand derer die Tinnitusproblematik eingestuft werden kann.
Mit den Belastungen durch Hyperakusis am Arbeitsplatz und geeignete Bewältigungstrategien setzte sich Dr. Michael Sassenberg auseinander. Dr. Sassenberg ist HNO-Arzt in Lemgo und zugleich Direktor der inti GmbH, einem Institut für Tinnitus in Horn-Bad Meinerg.

Auffallend hoch liegt die Anzahl der mittelschwer bis unerträglich von Tinnitus Betroffenen mit ca. 1,5 Millionen Mitbürgern. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen liegt bei rund einer viertel Million. Insgesamt erfahren sogar über 10 Millionen Bürger pro Jahr erstmals einen Tinnitus, wobei hier ein hohes Ausmaß an Akutereignissen eine Rolle spielt, die aber glücklicherweise oft ohne Krankheitswert bleiben. Die Geschäftsführerin der Deutschen Tinnitus-Liga, Elke Knör, ging in ihrem Referat der Frage nach, was Patienten von Ärzten erwarten und was sie an therapeutischer Hilfe bekommen. Die ganzheitliche Therapie bei Tinnitus und Hörsturz war nach der Mittagspause für Dr. Volker Kratzsch von der HELIOS-Klinik aus Bad Grönenbach ein Thema. Und schließlich nahm sich der Bayreuther HNO-Arzt Dr. Bernward Wünsche-Pawlofsky der ambulanten Langzeitbetreuung von Tinnitus-Patienten an.

Im Anschluss an die Fachvorträge wurde noch ausführlich miteinander diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht.
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