Kultsänger an Krankheit gestorben – Sohn begleitet ihn in letzten Jahren
Autor: Moritz Kircher, Isabel Schaffner
Guttenberg, Mittwoch, 28. Oktober 2026
In diesem Jahr starb ein Sänger, dessen Kultlied viele Kinder der 1980er kennen. Zuletzt kämpfte er gegen eine schwere Krankheit. Sein Sohn war dabei eine wichtige Bezugsperson.
Michael Thilo ist verstorben. In den vergangenen 50 Jahren pendelte der gebürtige Sachse zwischen Berlin und seinem Haus in Guttenberg (Kreis Kulmbach). Gemeinsam mit seinem Sohn Enrico lebte er in dem beschaulichen Ort zeitweise wie in einer Männer-WG, wie inFranken.de im Interview mit dem 33-Jährigen erfuhr. In einem Schloss in dieser Region wuchs auch Deutschlands ehemaliger Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf.
In seinen letzten drei Lebensjahren kämpfte Thilo gegen eine schwere Krankheit, die öffentlich nicht genauer genannt wird. Während dieser schmerzvollen Phase, war Enrico oft an seiner Seite, wie er berichtet.
Sohn erlebt tödliche Krankheit von Michael Thilo hautnah mit – Lebensmotto begleitet ihn weiter
Gemeinsame Stunden am Küchentisch prägten die Vater-Sohn-Beziehung, so der 33-Jährige. "Ein bescheidenes, zufriedenes Leben zu haben, lange und viel nachzudenken, bevor man etwas tut", ist eine Philosophie, die Enrico von Thilo vermittelt bekam. Enrico lebt heute in Zürich, war aber alle zwei Wochen da. Er begleitete seinen Vater zum Arzt und ging mit ihm einkaufen. Ein Steinofenbaguette gehörte immer dazu. In dem Haus in Guttenberg wird Enrico nun mit vielen Erinnerungen konfrontiert.
Fotos, alte Verträge, Tonbänder, Malereien und Zeichnungen seines Vaters oder ein zum Wohnmobil umgebauter Krankenwagen befinden sich in den Räumlichkeiten. Während eines Krankenhausaufenthalts Thilos Anfang 2026 fand Enrico zudem auf einer alten Live-CD zwei, drei ihm unbekannte Lieder. Die Nachricht vom Tod des Musikers wurde zu dessen Geburtstag am 22. September öffentlich bekannt. Auf mehr als 50 Kassetten der beliebten Hörspielserie "Benjamin Blümchen" war seine unverwechselbare Stimme zu hören.
In der DDR machte er sich im Lauf der Zeit einen Namen als Musiker – und genau in dieser Phase des Aufwinds entschied er, sie zu verlassen. Im Gespräch mit inFranken.de berichtet sein Sohn Enrico von einem adrenalingeladenen Moment.
Konzert als Eintritt in den Westen: Freundin ermutigt Michael Thilo, nicht zurückzukehren
Michael Thilo spielte im Jahr 1972 in Westberlin vor SED-Leuten, in Halensee. So erzählte er es später seinem Sohn. Auf dieser Reise rief er über ein Münztelefon eine Freundin an. "Er hat mir erzählt, dass er dann gefragt hat: Uschi, was soll ich machen? Ich bin im Westen." Die habe gesagt: "Lauf einfach los und dreh dich nicht um." Da habe er alles stehen und liegen gelassen und sei einfach losgerannt, den Ku'damm runter. Er blieb im Westen.
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Zuvor hatte er eine Lehre als Autoschlosser absolviert und sich später der Musik gewidmet. Ab 1968 durfte er auftreten. Im Westen musste er ganz neu anfangen. Er blieb Musiker. Wer seine Schlager hört, findet neben Herzschmerz auch einen Blick auf das Leben als Ganzes: auf die Absurdität und Ironie des Zwischenmenschlichen.