Wer in den vergangenen Tagen in der Natur spazieren war, dem ist vielleicht aufgefallen, wie viele Waldbesitzer draußen sind. Sie sägen, entasten und verladen, was das Zeug hält. Einer von ihnen ist Stefan Leykam (48) aus Feulersdorf. Er erklärt: "Jetzt passt das Wetter, jetzt macht man keinen Schaden." Während des nassen, milden Winters sei der Boden zu weich gewesen, um ihn mit Traktor oder Rückezug zu befahren.

Dass im Moment so emsig im Forst gearbeitet wird, hat noch andere Gründe. "Im Wald bin ich an der frischen Luft. Da komme ich mit niemandem in Kontakt", sagt Waldbesitzer Roland Kauper (59) aus Wonsees. Normalerweise arbeitet er freiberuflich als Unfallgutachter. Bis vor drei Wochen sei er fast täglich unterwegs gewesen, seit der Ausgangsbeschränkung sitze er nur gelegentlich am Schreibtisch. "Die übrige Zeit verbringe ich vor allem mit Waldarbeiten", so Kauper.

Borkenkäfer fliegt bald wieder

Waldbesitzer "dürfen" jetzt nicht nur in den Wald, sie "sollen" sogar. In einer Pressemitteilung vom 1. April hat Forstministerin Michaela Kaniber klargestellt: "Um künftige Schäden durch den Borkenkäfer möglichst gering zu halten, sollten Bayerns Waldbesitzer für eine rasche Aufarbeitung frisch geschädigter Fichten sorgen, wie sie etwa durch Sturmtief Sabine im Februar entstanden sind." Auch bei Waldarbeiten gelte es, die notwendigen Vorschriften des Infektionsschutzes zu beachten und mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen zu halten. Aus Sicherheitsgründen müssen bei der Arbeit mit der Motorsäge aber mindestens zwei Leute auf der Fläche sein und Sichtkontakt haben.

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"Es gilt, das übrige Schadholz aufzuarbeiten", erklärt Andreas Sommerer, stellvertretender Leiter der Forstbehörde in Kulmbach. Denn ab spätestens Mitte/Ende April werde der Borkenkäfer aus seiner Winterruhe erwachen, ausfliegen und neue Bäume befallen. Die Forstbehörde bereitet sich auf ein neues Käferjahr vor mit "mehr Personal auf der Fläche und im Büro", erklärt Sommerer. Seit Anfang März wurden zwei ausgebildete Förster eingestellt, die vor allem die Reviere im Schwerpunktgebiet Frankenwald unterstützen sollen. Eine weitere Stelle in der Verwaltung werde spätestens ab Anfang Mai besetzt.

Auch Lohnunternehmer Benjamin Täuber aus Berndorf und seine Mitarbeiter machen sich auf eine arbeitsreiche Saison gefasst. "Wir sind bis zum Ende des Jahres ausgebucht", sagt Täuber. Er sei täglich unterwegs, auch am Wochenende. Für seine Kunden fällt er Bäume, arbeitet sie auf und fährt sie zu den Lagerplätzen. Seinen Arbeitsalltag habe die Corona-Krise nicht verändert, so der Lohnunternehmer. Morgens um 6 Uhr gehe es los. Gearbeitet werde oft bis nach Sonnenuntergang. "Der Rückezug hat ja Licht", scherzt Täuber.

Unwägbarkeiten im Holzhandel

Die Waldbesitzervereinigung Kulmbach-Stadtsteinach arbeitet derzeit nur mit halben Kapazitäten. "Einige unserer Mitarbeiter müssen sich um ihre Kinder kümmern, darauf nehmen wir Rücksicht", so Geschäftsführer Theo Kaiser. Man tue das Möglichste, um die Beratung am Laufen zu halten, allerdings würde auf persönliche Treffen mit den Waldbesitzern so weit wie möglich verzichtet.

"Einfach anrufen und Flurnummer durchgeben. Wir schauen es uns an", rät Kaiser den Waldbesitzern. Bei der Vermarktung des Holzes gebe es im Moment keine Probleme, doch wie es weiter geht, stehe in den Sternen. "Wenn die Sägewerke kein Schnittholz verkaufen können oder die Belegschaft krank wird, dann bleibt das Holz womöglich liegen", mutmaßt er.

Auswirkungen nicht abzuschätzen

Steffen Rutert, Leiter des Rundholzeinkaufs beim Sägewerk "Gelo Holzwerke" in Weißenstadt im Landkreis Wunsiedel sagt: "Wir können derzeit nicht abschätzen, welche Auswirkungen die Krise auf den Holzhandel hat. Es gibt zu viele Unwägbarkeiten hinsichtlich Personalverfügbarkeit und Absatzmärkte." Jedoch sei man überzeugt, dass es nach der Krise wieder bergauf gehe, denn Holz werde überall gebraucht.

Auch in Krisenzeiten ist Holz gefragt. "Wir produzieren systemrelevante Produkte wie Holz für Kisten oder Paletten. Die werden immer gebraucht, beispielsweise zum Transport pharmazeutischer Produkte", erklärt Hans-Jörg Schön, Rundholzeinkäufer beim Sägewerk Josef Ziegler GmbH in Plößberg in der Oberpfalz. Zwar fehle im Moment das Personal mit Wohnsitz in der Tschechischen Republik, doch der grenzübergreifende Warenverkehr sei nicht eingeschränkt. Schön zufolge arbeiten die Rundholzfahrer, die das Holz von den Lagerplätzen holen, noch im normalen Takt weiter.

Holz-Export nach China läuft wieder

In der Nähe von Plößberg, in Betzenmühle, befindet sich ein weiteres Sägewerk, das der Ziegler Group. Als Einzelstandort ist es das größte Europas mit einer Betriebsfläche von rund 45 Hektar. Das Unternehmen verarbeitet dort im Jahr über zwei Millionen Festmeter Rundholz, auch aus Oberfranken. Balken, Kanthölzer oder Bretter gelangen via Schiffscontainer in alle Welt.

"Im Moment spüren wir einen Nachfragerückgang im europäischen Raum, dafür läuft der Export nach China wieder an", erklärt ein Pressesprecher. Das Unternehmen habe zwar sehr große Kapazitäten, doch "wenn dieses Jahr ein Käferjahr wird wie 2019, stoßen wir selbst mit unseren Ausweichflächen an unsere Grenzen".