Kulmbacher Störche: Fast alle Jungvögel haben überlebt
Autor: Sonja Adam
Kulmbach, Montag, 06. Sept. 2021
Im Landkreis waren so viele Nester wie noch nie besetzt. Warum bald noch mehr Tiere kommen könnten.
Der Landkreis Kulmbach galt bislang nicht gerade als Storchenparadies. Jahrzehntelang fühlte sich Meister Adebar nur in Altdrossenfeld und in Melkendorf zu Hause. Doch in dieser Saison haben die Weißstörche Kulmbach entdeckt - und hatten fast alle Bruterfolg.
Nicht nur auf den Mainwiesen sind sie inzwischen zu beobachten, auch in Untersteinach, Stadtsteinach und Himmelkron fühlten sie sich sehr wohl. "Seit diesem Jahr ist die Storchenpopulation für unsere Verhältnisse geradezu explodiert", freut sich Hans-Jürgen Pohl, Fachkraft für Naturschutz beim Landratsamt Kulmbach.
Angst, dass sich dies negativ auf andere Arten auswirken könnte, hat der Experte nicht. "Eine heimische Population kann nie eine andere ausrotten", so Pohl.
Schuld an der neuen Vorliebe der Störche, sich im Landkreis Kulmbach niederzulassen, ist der Klimawandel. Die wärmeren Temperaturen sorgen dafür, dass die Störche in der Region überwintern oder zumindest nicht mehr so weit in den Süden fliegen müssen. In ganz Bayern war in diesem Jahr ein Storchen-Rekord zu verzeichnen: mehr als 800 Brutpaare wurden gezählt. An den Flußauen sind manchmal bis zu 180 Störche zu sehen.
Erich Schiffelholz vom Landesbund für Vogelschutz beobachtet die Störche im Landkreis Kulmbach, dokumentiert Ankunft und Bruterfolge. Zum Beispiel die eines Storchenpaars in Untersteinach: Der männliche unberingte Storch und das beringte Weibchen probierten einige Tage das vorbereitete Nist-Quartier der Gemeinde aus. Die Untersteinacher haben eigens einen stattlichen Horst auf das Feuerwehrhaus gebaut. Dann gab es Querelen mit anderen Störchen.
Auf gekappter Eiche gebrütet
Die Störche zogen um und ließen sich auf einer gekappten Eiche an der Stadtsteinacher Straße nieder. Die Eiche hatte eine Plattform - die Voraussetzung, die nötig ist, um den schweren Storchenhorst überhaupt tragen zu können. Ein ungeschütztes Stromkabel wurde eigens vom Bayernwerk umgebaut, um die Störche nicht zu gefährden.