Immer, wenn er Alkohol getrunken hat, rastet er aus. So geschehen auch am Abend des 8. Mai auf offener Straße in der Nähe des Eulenhofes. Nach einem lautstarken Streit mit seiner Lebensgefährtin trommelte ein 31-jähriger Arbeiter auf das Auto, in das sich die junge Frau geflüchtet hatte.

Der rechte Außenspiegel ging dabei samt Blinklicht und Abdeckung zu Bruch. Auch wenn der Schaden "nur" bei rund 200 Euro lag, stand für den Angeklagten aufgrund mehrerer Vorstrafen und einer offenen Bewährung eine Menge auf dem Spiel.

Dass der Mann noch einmal haarscharf an einer Gefängnisstrafe vorbeischrammte, geschah nur deshalb, weil er ein Geständnis abgelegt und sich bereits um Schadenswiedergutmachung bemüht hat. "Jetzt ist aber das Ende der Fahnenstange erreicht", sagte Richterin Sieglinde Tettmann, die den Angeklagten zu drei Monaten auf Bewährung verurteilte. "Wenn noch einmal etwas passiert, dann wandern Sie in den Knast."

Eskalation

Wieder einmal hatte sich eine Nichtigkeit zu einem heftigen Streit hochgeschaukelt. Die 23 Jahre alte damalige Lebensgefährtin konnte sich gerade noch in das Auto ihrer Freundin retten und die Türen von innen verriegeln, um sich vor dem Angeklagten zu schützen.

Der ließ das aber nicht so ohne Weiteres auf sich sitzen, schlug gegen das Auto und erwischte dabei den Spiegel. Noch an Ort und Stelle hatte der Mann sein Fehlverhalten erkannt und versprochen, für den Schaden aufzukommen, doch die Lebensgefährtin fuhr mit ihrer Freundin schnurstracks zur Polizei.

"Es war schon eine Ausnahmesituation", sagte die Freundin und Eigentümerin des Wagens. Schließlich komme es ja nicht alle Tage vor, dass sich jemand an ihrem Auto zu schaffen macht. Streitereien habe es zwischen den beiden öfter gegeben, vor allem immer dann, wenn der Angeklagte alkoholisiert gewesen sei. Sie jedenfalls habe schon Angst gehabt, als es an diesem Tag dermaßen eskalierte.

Trennung vollzogen

Auch die Lebensgefährtin selbst berichtete von einem heftigen Übergriff. Es habe dem Angeklagten, von dem sie sich vor etwa vor einem Vierteljahr endgültig getrennt habe, wohl nicht gepasst, dass sie sich an jenem Tag mit ihrer Freundin verabredet hatte.

Gerichtsbekannt

Vor dem Amtsgericht in Kulmbach war der Angeklagte kein Unbekannter. Mehrfach wurde er schon verurteilt, unter anderem wegen verschiedener Drogengeschichten und wegen Fahrens ohne Führerschein.

Zuletzt stand er im Juli vor Richterin Tettmann, weil er in der Oberen Stadt einen anderen mit einem Gürtel ins Gesicht geschlagen hatte und danach auf einem Polizisten losgegangen war. Damals gab es ebenfalls eine Bewährungsstrafe, allerdings in Höhe von acht Monaten.

Als Bewährungsauflage setzte das Gericht diesmal eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro fest, die der Angeklagte in Raten an die Diakonie Kulmbach überweisen muss. Zusätzlich ist der Mann gehalten, vier Termine bei der Suchtberatung wahrzunehmen.

Von einem Anti-Aggressionstraining, wie es die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gefordert hatte, sah das Gericht ab, da aufgrund der Corona-Pandemie derartige Angebote bis auf Weiteres ausgesetzt sind.