Die Museenlandschaft im Kulmbacher Land ist vielseitig und lebt von ihren Besuchern. Da drängt sich die Frage auf: Wie überstehen solche Kulturbetriebe den zweiten Lockdown in Folge?

Das Besucherbergwerk in Kupferberg trifft es besonders hart, konnte doch im gesamten letzten Jahr kein einziger Besucher empfangen werden. "Unser Stollen ist ein geschlossener Raum, wie soll ich dort bei Führungen den Abstand einhalten? Da ist keine Verständigung mehr möglich", erklärt Heinz Kliesch, der 22 Jahre lang die Geschicke des Vereins lenkte und seinen Vorsitz Anfang Februar an Bodo Lorenz abgab.

Rücklagen sind aufgebraucht

Natürlich habe das Museum Hilfen beantragt, aber die Rücklagen, die für Neuanschaffungen gedacht waren, seien aufgebraucht. "Zum Glück wird unser Museum durch Ehrenamtliche getragen, das heißt, wir hatten nur die Fixkosten zu stemmen", sagt Kliesch. In der Zeit des Lockdowns hätte man Reparaturen im Bergwerk durchgeführt und alles in Ordnung gehalten. "Dennoch blicken wir in die Zukunft und haben die Zeit genutzt, neue Pläne voranzutreiben", erklärt der neue Vorsitzende Bodo Lorenz. Der Bergbauingenieur, der 2005 die Projektierung des Besucherstollens betreute, lebt bislang noch in München, will aber zeitnah nach Kupferberg umsiedeln.

Das Bergbaumuseum in der Ortsmitte sei ja bereits seit 2019 geschlossen, die Exponate im Besucherbergwerk integriert, "aber hier ist natürlich alles dicht gedrängt. Unser Wunsch wäre ein Ausbau zu einer Infostelle für den historischen Bergbau Oberfrankens." Diese Anlaufstelle soll dann am besten auch Ausgangs- oder Zielpunkt für einen historischen Bergbau-Wanderweg zwischen Kupferberg und Wirsberg sein. "Diesbezüglich hat uns das Bergamt Bayreuth Unterstützung zugesagt, einige in Vergessenheit geratene Objekte werden aktuell aufgesucht und inspiziert." Damit das Besucherbergwerk auch weiterhin vielen großen und kleinen Besuchern wertvolle Informationen über den historischen Bergbau in der Region liefern kann, braucht der Verein Fördermittel und Spenden.

Komplett neues Eingangsgebäude

Ebenfalls umtriebig waren die Mitarbeiter des Dampflokmuseums in Neuenmarkt in der Lockdown-Phase. "Da wir 2020 unser Museums-Entwicklungskonzept umsetzten, waren wir gar nicht so undankbar, dass der Besucherstrom nur noch ein Viertel ausmachte", erklärt Rüdiger Köhler vom Zweckverband des Deutschen Dampflokmuseums am Landratsamt Kulmbach. Aktuell hoffe er, dass die Pfingstdampftage in diesem Jahr wieder stattfinden können, die Besucher erwarten dann ein komplett neues Eingangsgebäude, ein erneuerter Außenbereich und ein neues museumspädagogisches Zentrum.

"Wir haben die Zeit genutzt, um unser museumspädagogisches Angebot zu erweitern", sagt der wissenschaftliche Museumsleiter Jürgen Birk. Künftig soll es neben den bisherigen Angeboten für Kindergärten und Grundschulen beispielsweise auch Angebote für höhere Schulklassen der weiterführenden Schulen geben, insbesondere im Bereich Physik.

Neue Regeln "sehr verwirrend"

Jürgen Birk freut sich auf die Rückkehr der Besucher, auch wenn die Corona­regelungen noch ein paar Hindernisse darstellen. "Die neuen Regeln sind sehr verwirrend, die praktische Umsetzung kann kompliziert werden, insbesondere bei Besuchern mit weiterer Anfahrt."

Bedenken, die Bernd Sauermann, Museumsleiter in den Museen im Kulmbacher Mönchshof, teilt. "Ein Museumsbesuch ist oft spontan. Es ist deshalb wichtig, dass Besucher von den Anforderungen nicht abgeschreckt werden." Aber auch er blickt am liebsten positiv nach vorne und war mit seinem Team in der Lockdown-Phase nicht untätig.

"Den Kopf nicht in den Sand gesteckt"

"Wir haben unseren ganz eigenen Weg beschritten und den Kopf nicht in den Sand gesteckt", sagt er. Dank der staatlichen Überbrückungshilfen und Förderangebote musste der Museumsverein kein Stammpersonal in die Kurzarbeit entsenden. "Zwar war die staatliche Unterstützungspolitik für notleidende Kulturbetriebe im Beantragungsverfahren um Längen zu kompliziert und im Beurteilungsprozess zu zögerlich, aber es konnte ein Weg in die Zukunft geebnet werden, der sich ansonsten sicher nicht aufgetan hätte."

Es wurden in den Museen im Kulmbacher Mönchshof aktuelle Marktuntersuchungen durchgeführt, eine neue programmatische Aufstellung wurde entworfen und die Mannschaft blickt unter dem Motto "Zukunft ohne Angst - kulturelles Erlebnis trotz Distanz" zuversichtlich ins neue Jahr. Das digitale Angebot wurde erweitert, auch in den Museen selbst.

Kontaktloses Buchungs- und Uahlungssystem

Da die pädagogischen Inhalte vor allem an den interaktiven Stationen in den Museen zukünftig überwiegend kontaktlos transportiert werden müssen, schreibt die wissenschaftliche Kuratorin Thea Hirschkorn aktuell Texte für ein kontaktloses Informationssystem. "Den Mehraufwand nehmen wir gerne in Kauf, denn wir freuen uns über jeden Besucher."

Und die könnten sich in den Museen absolut sicher fühlen, sagt Bernd Sauermann. "Wir haben ein kontaktloses Buchungs- und Zahlungssystem, und unsere Museen werden 24 Stunden täglich über eine Lüftungsanlage mit Frischluft von außen versorgt, es ist also ein kontinuierlicher Luftaustausch gegeben." Jetzt hofft er nur noch darauf, dass schon bald viele Interessierte wieder den Weg in das Brauerei-, Bäckerei- oder Gewürzmuseum finden werden, denn: "Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln - das nehmen wir wörtlich und können deswegen auch so manches neues Exponat vorstellen."