Kulmbacher Kunden suchen niedrige Spritpreise
Autor: Sonja Adam
Kulmbach, Dienstag, 14. Juni 2022
Kulmbacher Autofahrer vergleichen die Preise an den Zapfsäulen intensiv. Während Tankstellen-Mitarbeiter auch deren Frust abbekommen, verweisen die Ölkonzerne auf hohe Beschaffungskosten.
Sonntagabend, Faulenzerzeit. Doch Werner Wohlrab (72) fährt noch einmal in die Stadt. Er hat auf der "Clever tanken"-App die Benzin-Preise gecheckt und festgestellt, dass sich eine abendliche Tankfahrt lohnen wird. An der Heinlein-Tankstelle füllt er seinen 50 Liter-Kanister mit Diesel für den Schlepper. Die App greift, wie auch andere Preisportale, auf die Zahlen, die dem Bundeskartellamt gemeldet werden, zurück.
Viele machen es so wie der Senior. Eine Zapfsäule weiter tankt André Grosch (48) und seufzt: "Ein neues Auto lohnt sich auch nicht." Er möchte an seinem Diesel festhalten, auch wenn er nur 1500 Kilometer im Monat fährt. Ein Umstieg auf Elektro komme nicht in Frage, sagt er selbst. Fahrradfahren mag er nicht.
Tanken für 40 Euro
An einer anderen Tankstelle zapft Manfred Seelmann (58) ebenfalls Diesel. "Ich tanke nur für 40 Euro. Man bekommt nur noch zwanzig Liter", klagt er und sagt, dass er versucht, so wenig wie möglich zu fahren.
Nicht alle sind so vernünftig wie die Sonntags-Diesel- und Benzin-Tanker, die die Gunst der Stunde nutzen. Die Zahl derer, die ihren Unmut über die hohen Spritpreise am Tankstellenpersonal auslassen, steigt. Die Mitarbeiter der Kulmbacher Tankstellen haben einen Maulkorb. Nur die Pressestellen der Mineralölfirmen dürfen Auskunft geben. Trotzdem erzählen einige, dass sie beschimpft beleidigt und massiv angegangen werden.
"Es kommt jeden Tag vor. Die Leute sind eben einfach genervt von den Preisen", berichtet eine Mitarbeiterin. "Manche haben ihre Wut, und die muss raus", bestätigen die Mitarbeiter an einer anderen, gut frequentierten Kulmbacher Tankstelle.
Kommt Rabatt nicht an?
Seit 1. Juni gibt es den von der Bundesregierung beschlossenen Tankrabatt - Kosten mehr als drei Milliarden Euro. Doch warum kommt er nicht an? - Die Politik schiebt den "schwarzen Peter" auf die Mineralölfirmen. Doch die brechen unter dem dadurch losgetretenen Presserummel schier zusammen. Aral, Esso, Shell - immer dieselbe Frage.
Cornelia Wolber, Head of Media Realations & Newsroom-Beauftragte von Shell, dazu: "Shell hat diese Steuersenkung inklusive Umsatzsteuer in der Nacht zum 1. Juni an allen Stationen in Deutschland vollumfänglich weitergegeben. Benzin: 29,5ct/l (netto) respektive rund 35ct/l (brutto) , Diesel: 14ct/l (netto) und rund 17ct/l (brutto), LPG: 23,9ct/kg (netto) und rund 28ct/kg (brutto) und CNG/LNG: 4,54 EUR/MWh (netto). Die Energiesteuer ist aber nur eine von vielen Komponenten, die den Kraftstoffpreis bestimmen. Ausschlaggebend für den Preis an der Zapfsäule sind auch die Beschaffungskosten, und hier vor allem der Preis für die Tonne Diesel und die Tonne Benzin am Spotmarkt in Rotterdam, denn wir tanken ja kein Rohöl. Der Preisdruck dort ist Grund für die zuletzt wieder gestiegenen Preise an der Zapfsäule."