Kulmbacher Kunden suchen niedrige Spritpreise

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Werner Wohlrab checkt vor dem Tanken erst die Benzinpreis-Apps, ehe er gezielt eine Zapfsäule ansteuert. Foto: Sonny Adam
Werner Wohlrab checkt vor dem Tanken erst die Benzinpreis-Apps, ehe er gezielt eine Zapfsäule ansteuert. Foto: Sonny Adam
Daniel Worsch (32) hat nur ein bisschen aufgetankt: für 15 Euro hat er Super in sein Auto gefüllt. Der Tankvorgang war so schnell beendet wie nie. Der 32jährige mag sich aber nicht aufregen. "Man ist es doch mittlerweile gewohnt", sagt er. Foto: S...
Daniel Worsch (32) hat nur ein bisschen aufgetankt: für 15 Euro hat er Super in sein Auto gefüllt. Der Tankvorgang war so schnell beendet wie nie. Der 32jährige mag sich aber nicht aufregen ...
Daniel Worsch (32) hat nur ein bisschen aufgetankt: für 15 Euro hat er Super in sein Auto gefüllt. Der Tankvorgang war so schnell beendet wie nie. Der 32jährige mag sich aber nicht aufregen. "Man ist es doch mittlerweile gewohnt", sagt er. Foto: S...
 

Kulmbacher Autofahrer vergleichen die Preise an den Zapfsäulen intensiv. Während Tankstellen-Mitarbeiter auch deren Frust abbekommen, verweisen die Ölkonzerne auf hohe Beschaffungskosten.

Sonntagabend, Faulenzerzeit. Doch Werner Wohlrab (72) fährt noch einmal in die Stadt. Er hat auf der "Clever tanken"-App die Benzin-Preise gecheckt und festgestellt, dass sich eine abendliche Tankfahrt lohnen wird. An der Heinlein-Tankstelle füllt er seinen 50 Liter-Kanister mit Diesel für den Schlepper. Die App greift, wie auch andere Preisportale, auf die Zahlen, die dem Bundeskartellamt gemeldet werden, zurück.

Viele machen es so wie der Senior. Eine Zapfsäule weiter tankt André Grosch (48) und seufzt: "Ein neues Auto lohnt sich auch nicht." Er möchte an seinem Diesel festhalten, auch wenn er nur 1500 Kilometer im Monat fährt. Ein Umstieg auf Elektro komme nicht in Frage, sagt er selbst. Fahrradfahren mag er nicht.

Tanken für 40 Euro

An einer anderen Tankstelle zapft Manfred Seelmann (58) ebenfalls Diesel. "Ich tanke nur für 40 Euro. Man bekommt nur noch zwanzig Liter", klagt er und sagt, dass er versucht, so wenig wie möglich zu fahren.

Nicht alle sind so vernünftig wie die Sonntags-Diesel- und Benzin-Tanker, die die Gunst der Stunde nutzen. Die Zahl derer, die ihren Unmut über die hohen Spritpreise am Tankstellenpersonal auslassen, steigt. Die Mitarbeiter der Kulmbacher Tankstellen haben einen Maulkorb. Nur die Pressestellen der Mineralölfirmen dürfen Auskunft geben. Trotzdem erzählen einige, dass sie beschimpft beleidigt und massiv angegangen werden.

"Es kommt jeden Tag vor. Die Leute sind eben einfach genervt von den Preisen", berichtet eine Mitarbeiterin. "Manche haben ihre Wut, und die muss raus", bestätigen die Mitarbeiter an einer anderen, gut frequentierten Kulmbacher Tankstelle.

Kommt Rabatt nicht an?

Seit 1. Juni gibt es den von der Bundesregierung beschlossenen Tankrabatt - Kosten mehr als drei Milliarden Euro. Doch warum kommt er nicht an? - Die Politik schiebt den "schwarzen Peter" auf die Mineralölfirmen. Doch die brechen unter dem dadurch losgetretenen Presserummel schier zusammen. Aral, Esso, Shell - immer dieselbe Frage.

Cornelia Wolber, Head of Media Realations & Newsroom-Beauftragte von Shell, dazu: "Shell hat diese Steuersenkung inklusive Umsatzsteuer in der Nacht zum 1. Juni an allen Stationen in Deutschland vollumfänglich weitergegeben. Benzin: 29,5ct/l (netto) respektive rund 35ct/l (brutto) , Diesel: 14ct/l (netto) und rund 17ct/l (brutto), LPG: 23,9ct/kg (netto) und rund 28ct/kg (brutto) und CNG/LNG: 4,54 EUR/MWh (netto). Die Energiesteuer ist aber nur eine von vielen Komponenten, die den Kraftstoffpreis bestimmen. Ausschlaggebend für den Preis an der Zapfsäule sind auch die Beschaffungskosten, und hier vor allem der Preis für die Tonne Diesel und die Tonne Benzin am Spotmarkt in Rotterdam, denn wir tanken ja kein Rohöl. Der Preisdruck dort ist Grund für die zuletzt wieder gestiegenen Preise an der Zapfsäule."

Eva Kelm von Aral betont, dass die Senkung der Energiesteuer grundsätzlich keinen Einfluss auf die Preismechanismen eines wettbewerbsintensiven Marktes habe und erklärt: "Preisunterschiede zwischen einzelnen Tankstellen innerhalb einer Stadt bzw. zwischen Tankstellen in unmittelbarer räumlicher Nähe oder auch im Tagesverlauf entstehen dadurch, dass sich der Tankstellenmarkt in Deutschland aus einer Reihe unterschiedlicher lokaler Teilmärkte zusammensetzt. In jedem dieser Teilmärkte finden sich verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Preisen. Wer in seinem lokalen Wettbewerb keine dem Qualitäts- und Serviceangebot entsprechenden konkurrenzfähigen Preise einstellt, verliert Kundschaft und ist somit langfristig nicht wettbewerbsfähig. Insofern spiegelt sich in den unterschiedlichen Kraftstoffpreisen der harte Wettbewerb im deutschen Kraftstoffmarkt wider."

Ebene der Raffinerien

Benzin und Super müssten jetzt 35,2 Cent weniger kosten. Bei Diesel müsste sich der Tankrabatt um 16,7 Cent pro Liter auswirken. Die Erhebung der Energiesteuer erfolge auf Ebene der Raffinerien, relativierte das Bundeskartellamt von Anfang an die allzu optimistischen Erwartungen der Autofahrer. Das Bundeskartellamt als unabhängige Behörde bestätigt, dass Sprit- und Dieselpreise am 1. Juni eine kurzfristige Preissenkung von 27 Cent bei E 5 und von 11 Cent bei Diesel zu verbuchen hatten. Allerdings waren schon im Vorfeld die Preise gestiegen. Seit dem 3. Juni klettert das Preisniveau an den Tankstellen langsam, aber stetig. In der Region Kulmbach sanken die Preise für Benzin und Diesel noch einmal merklich am 10. und 11. Juni - genau zu dem Zeitpunkt, als die Kritik von Politik, Medien und Verbraucher zunahm. Seitdem geht der Trend unaufhaltsam nach oben. Tendenz steigend, so das Portal Benzinpreis.de.

Die Preise kratzen jetzt an der 2-Euro-Marke oder übersteigen sie bereits wieder. Aktuell kostet in Kulmbach Superbenzin zwischen 1,839 und 2,42 Euro, Super E10 zwischen 1,799 und 2,379 und Diesel zwischen 1,889 und 2,409 Euro.

"Die staatlichen Entlastungsmaßnahmen werden jedoch weltweit durch steigende Beschaffungspreise für Benzin konterkariert. Die Energiesteuersenkung kommt deshalb nur auf den ersten Blick nicht beim Kunden an", betont Adrian Willig, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie, gegenüber dieser Zeitung. Ausschlaggebend sei, dass Mineralölunternehmen auf russisches Öl verzichten. Gleichzeitig steige die Nachfrage - auch durch die Sommerfahrsaison in den USA. Und die höhere Nachfrage treffe auf niedrige Bestände in Raffinerien und Tanklagern.

Das Bundeskartellamt indes hat festgestellt, dass der Abstand zwischen Rohölpreis und Tankstellenpreisen im vergangenen Jahr bis Februar 2022 niemals über 40 Cent lag. Dann kam der Ukraine-Krieg - und der Abstand stieg bis 27. Mai auf 60 Cent. Aktuell liegt die Differenz bei Benzin bei 46,2 Cent, bei Super bei 59,29 Cent und bei Diesel bei 55,02 Cent pro Liter.

"Der Preis an der Tankstelle ist seit Ende Mai stärker gestiegen als der Rohölpreis. Das wirft natürlich Fragen auf", sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes und kündigt Prüfungen an. Die Politik geht sogar noch einen Schritt weiter: Offen wird überlegt, ob bei Marktmissbrauch Gewinne abgeschöpft werden und Konzerne zerschlagen werden könnten. "Das ist nicht nachvollziehbar", kommentiert der Wirtschaftsverband Fuels und Energie diese Ideen.

Den Kulmbachern indes nützt das Schwarze-Peter-Hin-und-Her-Geschiebe nichts. Sie zahlen am Ende die Zeche - oder müssen auf Fahrten verzichten.

Tankzeit Tankstellenmitarbeiter raten, beim Tanken genau auf die Tageszeit zu achten. Morgens um 9 Uhr, zwischen 11 und 12 Uhr und abends nach 21 Uhr purzeln die Preise aktuell fast immer unter die 2-Euro-Marke.