Eva Kelm von Aral betont, dass die Senkung der Energiesteuer grundsätzlich keinen Einfluss auf die Preismechanismen eines wettbewerbsintensiven Marktes habe und erklärt: "Preisunterschiede zwischen einzelnen Tankstellen innerhalb einer Stadt bzw. zwischen Tankstellen in unmittelbarer räumlicher Nähe oder auch im Tagesverlauf entstehen dadurch, dass sich der Tankstellenmarkt in Deutschland aus einer Reihe unterschiedlicher lokaler Teilmärkte zusammensetzt. In jedem dieser Teilmärkte finden sich verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Preisen. Wer in seinem lokalen Wettbewerb keine dem Qualitäts- und Serviceangebot entsprechenden konkurrenzfähigen Preise einstellt, verliert Kundschaft und ist somit langfristig nicht wettbewerbsfähig. Insofern spiegelt sich in den unterschiedlichen Kraftstoffpreisen der harte Wettbewerb im deutschen Kraftstoffmarkt wider."
Ebene der Raffinerien
Benzin und Super müssten jetzt 35,2 Cent weniger kosten. Bei Diesel müsste sich der Tankrabatt um 16,7 Cent pro Liter auswirken. Die Erhebung der Energiesteuer erfolge auf Ebene der Raffinerien, relativierte das Bundeskartellamt von Anfang an die allzu optimistischen Erwartungen der Autofahrer. Das Bundeskartellamt als unabhängige Behörde bestätigt, dass Sprit- und Dieselpreise am 1. Juni eine kurzfristige Preissenkung von 27 Cent bei E 5 und von 11 Cent bei Diesel zu verbuchen hatten. Allerdings waren schon im Vorfeld die Preise gestiegen. Seit dem 3. Juni klettert das Preisniveau an den Tankstellen langsam, aber stetig. In der Region Kulmbach sanken die Preise für Benzin und Diesel noch einmal merklich am 10. und 11. Juni - genau zu dem Zeitpunkt, als die Kritik von Politik, Medien und Verbraucher zunahm. Seitdem geht der Trend unaufhaltsam nach oben. Tendenz steigend, so das Portal Benzinpreis.de.
Die Preise kratzen jetzt an der 2-Euro-Marke oder übersteigen sie bereits wieder. Aktuell kostet in Kulmbach Superbenzin zwischen 1,839 und 2,42 Euro, Super E10 zwischen 1,799 und 2,379 und Diesel zwischen 1,889 und 2,409 Euro.
"Die staatlichen Entlastungsmaßnahmen werden jedoch weltweit durch steigende Beschaffungspreise für Benzin konterkariert. Die Energiesteuersenkung kommt deshalb nur auf den ersten Blick nicht beim Kunden an", betont Adrian Willig, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie, gegenüber dieser Zeitung. Ausschlaggebend sei, dass Mineralölunternehmen auf russisches Öl verzichten. Gleichzeitig steige die Nachfrage - auch durch die Sommerfahrsaison in den USA. Und die höhere Nachfrage treffe auf niedrige Bestände in Raffinerien und Tanklagern.
Das Bundeskartellamt indes hat festgestellt, dass der Abstand zwischen Rohölpreis und Tankstellenpreisen im vergangenen Jahr bis Februar 2022 niemals über 40 Cent lag. Dann kam der Ukraine-Krieg - und der Abstand stieg bis 27. Mai auf 60 Cent. Aktuell liegt die Differenz bei Benzin bei 46,2 Cent, bei Super bei 59,29 Cent und bei Diesel bei 55,02 Cent pro Liter.
"Der Preis an der Tankstelle ist seit Ende Mai stärker gestiegen als der Rohölpreis. Das wirft natürlich Fragen auf", sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes und kündigt Prüfungen an. Die Politik geht sogar noch einen Schritt weiter: Offen wird überlegt, ob bei Marktmissbrauch Gewinne abgeschöpft werden und Konzerne zerschlagen werden könnten. "Das ist nicht nachvollziehbar", kommentiert der Wirtschaftsverband Fuels und Energie diese Ideen.
Den Kulmbachern indes nützt das Schwarze-Peter-Hin-und-Her-Geschiebe nichts. Sie zahlen am Ende die Zeche - oder müssen auf Fahrten verzichten.
Tankzeit Tankstellenmitarbeiter raten, beim Tanken genau auf die Tageszeit zu achten. Morgens um 9 Uhr, zwischen 11 und 12 Uhr und abends nach 21 Uhr purzeln die Preise aktuell fast immer unter die 2-Euro-Marke.