Schlechte Aussichten für Schwimmer: Mit einem Hallenbad-Besuch wird es wohl auch in den nächsten Wochen nichts mehr werden. "Ich gehe davon aus, dass die Hallenbad-Saison nicht mehr beginnt", sagt der Leiter der Stadtwerke Kulmbach, Stephan Pröschold, mit Blick auf die Corona-Beschränkungen. Doch sollte sich hier etwas ändern, können die Stadtwerke flexibel reagieren. "Wir brauchen zehn bis 14 Tage, um alles vorzubereiten und das Wasser auf Temperatur zu bringen." Doch dass dieser Fall eintreten wird, das glaubt Pröschold nicht. "Die Perspektive ist nicht so gut." Nur knapp einen Monat hatte die Einrichtung im Herbst geöffnet, bevor der Lockdown kam.

Früherer Freibad-Start?

Auch wenn es derzeit bei dem Schmuddelwetter und den Temperaturen noch weit weg scheint, so laufen bei den Stadtwerken schon Überlegungen in Sachen Freibaderöffnung. "Wir planen eine normale Saison mit Start Mitte Mai." Im Hinterkopf ist jedoch schon der Gedanke, den Auftakt etwas vorzuziehen. "Wir schauen, ob wir etwas früher öffnen, um den Bürgern so schnell wie möglich etwas bieten zu können."

Doch das hängt nach den Worten des Stadtwerke-Leiters nicht nur von Corona ab. Denn für die Vorbereitungsarbeiten muss das Wetter mitspielen. "Es muss frostfrei sein." In der Regel wird das Freibad ab Mitte März/Anfang April fit für den Sommer gemacht. Im Februar sei es dafür einfach oft noch zu kalt.

Wie es im Hallenbad aussieht, das zeigt Pröscholds Stellvertreter Oliver Voß. An der Tür sind Ausdrucke angebracht, die auf Maskenpflicht und Abstandsregeln hinweisen, innen stehen Desinfektionsmittel-Spender. Die Lichtschranke für die Besucherzählung ist aufgebaut. Ein Leitsystem, das in Einbahnstraßen zum Schwimmbecken führt, ist ausgetüftelt worden. "Alles ähnlich wie im Freibad", erklärt Voß. Nur aufgrund der begrenzteren Platzverhältnisse etwas schwieriger umzusetzen.

50 Personen durften rein

50 Personen durften in der kurzen Zeit vor dem Lockdown zeitgleich ins Hallenbad, normalerweise gingen 300 und mehr rein. Auch für den Aufenthalt im Becken war alles geregelt: Es gab einen Bereich für Nichtschwimmer, zwei Schwimmerbahnen und einen Badebereich, der im Kreisverkehr durchschwommen werden konnte. Dann wurde das Bad dicht gemacht.

Mitte Januar, als der Lockdown in die Verlängerung ging, wurde beschlossen, das Wasser im Becken abzulassen. Zu schlecht die Aussichten auf eine Eröffnung des Bades, zu hoch die Bereithaltungskosten. 5000 Euro im Monat fallen für Beheizung, Umwälzpumpen und Wasseraufbereitung an, erklärt Voß. Sollte doch noch eine Rest-Saison möglich sein, brauchen die Stadtwerke wie erwähnt 14 Tage, um das Hallenbad dafür startklar zu machen. Wirklich rechnet damit aber niemand.

Das Personal befindet sich zum Großteil in Kurzarbeit. Wenn die Vorbereitungen für die Freibad-Saison beginnen, soll es wieder geholt werden.

Natürlich sind die Schwimmer enttäuscht. "Ich habe schon vergessen, wie Chlor riecht", sagt der Leiter der ATS-Schwimmabteilung, Kieran Garbutt, der das Hallenbad sehr vermisst. Seit Monaten habe er nicht mehr trainiert. Als Alternative würden Schwimmtrainer online Übungen anbieten, "ein Kraftsport-Programm an Land", um sich und die Schwimmer etwas in Form zu halten. "Andere sind aufs Radfahren oder Joggen ausgewichen", erzählt der 44-Jährige. Fitnessstudios seien ja auch keine Alternative, weil die ebenfalls geschlossen haben. Auch der soziale Aspekt, die gegenseitige Motivation beim gemeinsamen Training fehle.

Den Kontakt vermisst auch Toni Steinl. Der 67-Jährige ist seit 25 Jahren Frühschwimmer, trifft sich gerne mit den anderen Morgen-Sportlern. Nach dem Schwimmen sitze man oft noch im Dampfbad zusammen und unterhalte sich. "Dann ist der Start in den Tag ganz anders. Das Hallenbad ist Kontaktbörse und ein Stück Lebensqualität zugleich", sagt Steinl, der das Hallenbad wohl nicht mehr genießen wird. Denn im Sommer zieht er zu den Kindern nach Nordrhein-Westfalen. In eine Gegend, in der es in der Nähe weder Hallen- noch Freibad gibt. Das lässt ihn das Kulmbacher Angebot besonders schätzen. "So was findet man selten", sagt er.