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Kulmbacher feiern Frühschoppen "light"


Autor: Sonja Adam

Kulmbach, Sonntag, 26. Dezember 2021

Nachdem auch in diesem Jahr der "Heilige Frühschoppen" abgesagt wurde, zog es die Kulmbacher in die Lokale.
Yanic Weisflog (23), Michi Köhler (23), Max Angermann (24), Markus Weimann (24) und Lukas Budemann (24) finden es normal, dass man sich am Vormittag des Heiligen Abend mit Freunden trifft. Den jungen Leuten fehlt der Heiligabend-Frühschoppen. Doch die Stimmung in der Sohle ist gut, finden alle. Foto: Sonny Adam


Der ehemalige Kulmbacher Florian Weid (40) ist am 24. Dezember eigens aus Bad Kreuznach in seine alte Heimat gereist. Normalerweise wäre er am Vormittag durch die Obere Stadt gebummelt, um beim "Heiligen Frühschoppen" Freunde und Bekannte zu treffen. und um allen frohe Feiertage zu wünschen. Doch auch in diesem Jahr wurde das kultige Treffen aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. "Ich finde das schon schade, denn so entfallen spontane Treffen. Ich fand das immer sehr schön", so Weid. Doch den Bummel durch die Kulmbacher Innenstadt lässt er sich nicht nehmen.

"Wir haben schon vor Wochen gemeinsam mit dem Oberbürgermeister beschlossen, dass dass der Frühschoppen abgesagt werden muss", entschuldigt sich Casa-Wirt Matthias Wuschek. "Wir hätten gerne aufgemacht, aber um zu verhindern, dass Hunderte von Menschen kommen, lassen wir an Heiligabend zu. Ich denke, das ist alternativlos", erklärte Wuschek.

Sohle-Wirt Sinan Portakal indes hat sich kurzfristig entschlossen, an Heiligabend zu öffnen. "Uns gehen durch die eingeschränkten Öffnungszeiten sowieso mehr als 80 Prozent des Umsatzes flöten", so Portakal. Die Jugend dankte dem Sohle-Wirt seinen Mut. Die Stammgäste durften unter 2G-Auflagen ins Innere. Auch vor der Lokalität sammelten sich Menschen. Doch die Polizei stellte keine Verstöße fest. "Wir hatten nichts zu beanstanden. Es waren zwar Menschen auf der Straße, aber nur kleine Grüppchen, die mal kurz raus sind, um zu rauchen", so die Polizei. Alkohol wurde auf der Straße nicht konsumiert. Die Polizei fuhr regelmäßig Streife.

Für die jungen Leute war die Sohle ein Magnet, sagte die Clique um Lukas Budemann, Markus Weimann, Max Angermann, Michi Köhler und Yanic Weisflog. Alle sind geimpft, alle freuten sich, dass wenigstens diese kleinen Treffen möglich waren.

Volle Häuser hatten auch alle anderen Lokalitäten in Kulmbach: Café Stamm, Roberts, Bierhäusla, Gasthof zur Birke und all die anderen Wirtschaften. Die Stammgäste konnten reservieren, vorausgesetzt sie erfüllen die 2G-Regeln. Andreas, Thomas und Hansi Leuschner trafen sich mit ihren Freunden in der Zunftstube, um gemeinsam das Weihnachtsfest einzuläuten. Nach dem Frühschoppen laufen alle gemeinsam nach Oberdornlach, wo sie Weihnachten feiern.

Roland Schaf (65) hat sich aus dem Staub gemacht, damit er seiner Frau bei der Vorbereitung von Gänsebraten, Reh und Rouladen nicht im Weg rumsteht. Er schaut beim Stammtisch in der Birke vorbei und macht es wie alle anderen auch: Feiern unter 2G-Auflagen - gesittet, mit Stil, drinnen in den Wirtsstuben.

Auch zwei Kulmbacherinnen trafen sich zum Weihnachts-Kaffee: Ilse Täuber (62) und Karin Bär (65) kehrten im Roberts ein. "Für mich ist es jetzt nicht so schlimm, dass der Frühschoppen ausfällt. Aber das Treffen gehört dazu", sagt Ilse Täuber. "Wir Frauen trinken einen Kaffee, warten, bis die Männer vom Stammtisch kommen, und dann wird Weihnachten privat gefeiert", berichtet Karin Bär (65).

Ein echter Publikumsmagnet war die Crêperie am Marktplatz. Viele Kulmbacher gönnten sich eine Leckerei von Filou. Barbara Blanek (78) und Dieter Hain (82) genossenen den Mittag den Heiligen Abends. "Wir gehen dann in die Petrikirche", erzählt Barbara Blanek. Auch die Senioren merken, dass in der Innenstadt weniger los ist, sind aber froh, dass wenigstens kein kompletter Lockdown gilt.