Nachdem Susanne Stübinger das Schreiben des Aufsichtsrats an die Genossen der Kommunbräu gelesen hatte, war sie fassungslos. Fassungslos nicht angesichts der Tatsache, dass sie bald nicht mehr Wirtin der Kommunbräu sein wird. Sondern aufgrund der Formulierungen in der Mitteilung, die am Freitag versandt wurde. "Mir werden darin fehlendes Herzblut und Engagement unterstellt", interpretiert sie die Zeilen, die auch der Bayerischen Rundschau vorliegen.

"Vieles hat sich verändert und vieles wird sich noch ändern", so beginnt das Schreiben, das Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich H. Türk unterzeichnet hat. Dazu zähle die große Herausforderung, "unsere Gastronomie neu auszurichten". Dabei werde eine langfristige Lösung gesucht. "Unsere Kommunbräu darf nicht nur verwaltet werden, sondern braucht eine Führung mit Herzblut und Engagement...Einen Wirt, der sich vor Ort zu 100 % um unsere Gastronomie kümmern kann."

Worte, die Susanne Stübinger ins Mark treffen. "Das heißt für mich im Umkehrschluss, dass jetzt Herzblut und Engagement fehlen, dass ich mich offensichtlich nicht zu 100 Prozent kümmern kann." Diese Äußerungen seien das glatte Gegenteil "vom Danksagungs-Quatsch aus dem vergangenen Jahr" und sehr unter der Gürtellinie. Auch ihr Team sei schwer gekränkt von der Darstellung.

Sie und ihre Mitarbeiter seien eingespielt und hätten die Aufgaben verteilt, könnten sich aufeinander verlassen. Die Unterstellung, sich aufgrund von Tagesschichten und mit Kindern nicht genug zu engagieren, sei "megafies". "Wir hatten sechs Tage die Woche geöffnet und durchgehend warme Küche", betont sie und verweist darauf, dass das in Kulmbach kaum noch ein anderes Wirtshaus biete.

Susanne Stübinger und viele Mitarbeiter ("Eine Wirtshausfamilie") möchten weiter zusammenarbeiten und würden nach einer Alternative suchen. "Wir sind in der Findungs- und Sondierungsphase, es gibt Gespräche. Wir werden sehen, wie es weitergeht", sagt Susanne Stübinger, die zugleich auf die große Herausforderung verweist, nach 20 Jahren das Wirtshaus aufzulösen.

Mit der neuen Wirtin hatte sie bereits Kontakt. "Das ist sicher eine kompetente Gastronomin. Ich habe nichts gegen die Frau", sagt Susanne Stübinger.

Die "Neue" heißt Foteini Batzaka. In dem Schreiben an die Kommunbräu-Genossen wird sie als Vollblutgastronomin bezeichnet. Die gebürtige Mittelfränkin stamme aus einer Gastronomie-Familie und habe ihre Kindheit zwischen Küche und Tresen verbracht. Seit ihrem 19. Lebensjahr - und damit seit 25 Jahren - sei sie in der Branche aktiv. Aktuell führe Foteini Batzaka ein Restaurant in Pegnitz. Ihr Lebensgefährte bewirte die Kantine der Justizakademie ebenfalls in Pegnitz. Im Sommer würden sie zudem einen Biergarten mit 1000 Plätzen betreiben. "Die fachliche Qualifikation ist unumstritten, ihr persönliches Engagement für unsere Kommunbräu unterstreicht sie mit der Tatsache, dass sie schon eine eigene Wohnung in Kulmbach angemeldet hat, um vor Ort sein zu können", heißt es in dem Schreiben weiter.

In "Fey's Restaurant", so der Name der Pegnitzer Gaststätte von Foteini Batzaka, treffe traditionelle griechische Küche auf fränkischen Charme. Ob das auch in Kulmbach so sein wird? "Natürlich bleibt die Kommunbräu ein fränkisches Wirtshaus, eine Tatsache, die außer Frage steht", steht es eindeutig in dem Genossenschaftsschreiben.

Und das versichert auch Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich Türk mit Nachdruck gegenüber der Bayerischen Rundschau. "Die Ängste, dass die Kommunbräu ein griechisches Lokal wird, sind unbegründet." Der Schwerpunkt blieben fränkische Spezialitäten. "Und wenn zur Abwechslung mal was Griechisches auf die Karte kommt, warum nicht?", sagt er und verweist darauf, dass es bereits mexikanische oder afrikanische Gerichte in der Kommunbräu gegeben habe.

Gerüchte, dass Susanne Stübinger als Wirtin einfach "rausgeschmissen" worden sei, sind laut Türk ebenfalls nicht korrekt. Das gesamte Vorgehen sei "ein zwischen Geschäftspartnern übliches Prozedere" gewesen. "Sie ist nicht herzlos vor die Tür geworfen worden, so tragisch die Umstände im vergangenen Jahr auch waren", betont der Aufsichtsratsvorsitzende. Alles sei transparent abgelaufen. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen."

Die Äußerungen in dem Schreiben, die Susanne Stübinger kritisiere ("Mit Herzblut und Engagement..."), hätten sich nur auf die neue Pächterin bezogen. "Man kann alles Mögliche zwischen den Zeilen lesen. Es ist unbestritten, dass sich Familie Stübinger um die Kommunbräu verdient gemacht hat", so Türk weiter. "Schade, dass sie es so interpretiert."

Völlig überrascht von den Streitigkeiten ist die neue Pächterin, Foteini Batzaka. "Ich hoffe, sie finden eine Lösung", sagt sie mit Blick auf Susanne Stübinger und den Aufsichtsrat. Sie selbst habe erst aus der Zeitung von den Querelen erfahren. Sie kenne ihre Vorgängerin bereits und strebe ein gutes Verhältnis mit ihr an.

Foteini Batzaka erklärt, dass sie sich ganz normal beworben habe, als für die Kommunbräu ein Pächter gesucht wurde. "Ich war dort, habe mich vorgestellt - und es hat sofort gefunkt, die Chemie hat gestimmt", schildert sie ihre Eindrücke.

Auch sie versichert, dass die Kommunbräu ein fränkisches Wirtshaus bleiben wird. Ihr schwebe eine traditionelle und moderne fränkische Küche vor, und sie werde versuchen, ihre Ideen und ihre Erfahrung in Kulmbach einzubringen. "Ich beherrsche die internationale Küche." Was genau sie alles plant, will sie jedoch noch nicht verraten. Der Zeitpunkt, wann sie als Wirtin die Kommunbräu eröffnen werde, sei noch nicht sicher und Inhalt von Gesprächen.

Sicher ist dagegen, dass die Gaststätte in Pegnitz geöffnet bleiben wird. Die führe ihr Lebenspartner weiter. Das Personal sei eingespielt und ein gutes Team.